Klimawandel in Stuttgart Wenn Stuttgart das Klima von Rom hat

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Auch in unserem Breiten werden längere Hitze- und Dürreperioden erwartet. Wie auf den Klimawandel reagieren? Ein neues Kompetenzzentrum Gebäudebegrünung und Stadtklima sucht Antworten.

Auch das  in diesem Fall nicht so stille Örtchen kann begrünt werden. Foto: dpa
Auch das in diesem Fall nicht so stille Örtchen kann begrünt werden. Foto: dpa

Stuttgart - Zwölf Kompetenzzentren gibt es in der Region Stuttgart – für Logistik über technische Textilien bis zur Mechatronik. Jetzt kommt ein neues Netzwerk dazu: für Gebäudebegrünung und Stadtklima. Darin arbeiten Unternehmen, Wissenschaft, Verbände und Kommunen zusammen. Angesiedelt ist es an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), zu den Gründungsmitgliedern gehören außerdem die Fachfirma ZinCo GmbH, der Landesverband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, der Bundesverband Gebäudegrün, die Kommunen Nürtingen, Wolfschlugen und Oberboihingen sowie der Landkreis Esslingen. Als Anschubfinanzierung gibt es 50 000 Euro von der regionalen Wirtschaftsfördergesellschaft WRS.

Nürtinger Hochschulforum

Vorgestellt wurde das Kompetenzzentrum auf dem zweiten Nürtinger Hochschulforum zur Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA). Es stand ganz im Zeichen des Klimawandels, der auch zu grundlegenden Veränderungen in unseren Breiten führen wird: längere Hitzewellen und Dürrephasen, heftige punktuelle Niederschläge bis hin zu Überschwemmungen, eine Erhöhung der Durchschnittstemperatur. „Vom Klima her wandert die Region 1000 Kilometer in den Süden“, sagt Jürgen Baumüller. Der frühere Stadtklimatologe der Landeshauptstadt verortet Stuttgart in einigen Jahren in Rom. „Wir müssen heute die anpassungsfähige Stadt schaffen“, fordert deshalb der Experte Herbert Draisaitl, „wenn wir nichts tun, werden die Folgekosten immer höher“. Der Professor hat mit seinem Büro bereits Projekte in Portland, Singapur und Kopenhagen umgesetzt: vollkommen begrünte Gebäudekomplexe und Parks an Flüssen, die auch überflutet werden. „Wir brauchen diese blau-grüne Infrastruktur“, sagt er. Das unterstrichen auch Carola Pekrun, Nicole Pfoser und Ralf Walker vom neuen Kompetenzzentrum. Neben dem Wissensaustausch stelle sich die Aufgabe, „die Vorteile der Gebäudebegrünung verständlich zu machen“, sagt Carola Pekrun, HfWU-Prorektorin. Im Winter würde die Wärme im Haus gehalten, im Sommer besser gekühlt.

„Wir müssen weg von der Kühlung mit Strom und hin zu der mit Pflanzen“, betont Pfoser. Dies sei auch wirtschaftlicher, wie die Beispielrechnung für ein Gebäude verdeutliche: Technischer Sonnenschutz schlage mit 16 000 Euro zu Buche, der mit Pflanzen koste 1300 Euro. Und sie zitiert aus einer Untersuchung, wonach in einer Stadt, in der 60 Prozent der Gebäude begrünt seien, die Temperatur um 1,2 Grad Celsius sinke.

Kühlung mit Pflanzen

Die Begrünung trage auch zu weniger Lärm und zu einer besseren Stadtgestaltung bei, sagt IBA-Intendant Andreas Hofer: „Wir werden darüber nicht nur reden, sondern wir wollen auch so bauen“.




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