Klimawandel Starkregen geht jeden etwas an
Eine neue Studie zeigt, dass Wetterextreme keine regionalen Unterschiede machen. Den größten Schaden richten Güsse mit einer Länge von drei Stunden an.
Eine neue Studie zeigt, dass Wetterextreme keine regionalen Unterschiede machen. Den größten Schaden richten Güsse mit einer Länge von drei Stunden an.
Stuttgart - Ob Landsitz auf dem Berg, Reihenhäuschen auf der Halbhöhe oder Stübchen inmitten von Häuserzeilen in der City: Überall ist das Risiko gleich hoch, dass der Keller durch Starkregen vollläuft. Das ist das Kernergebnis eines vierjährigen Forschungsprojektes des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD). „Jeder Ort in Deutschland ist quasi gleich stark von solch gefährlichen Regenmengen bedroht“, sagt Andreas Becker vom DWD. „Gegenden, die nur wenig Schäden erlebten, haben bislang schlicht Glück gehabt.“
Nicht so viel Glück hatten in Baden-Württemberg beispielsweise die Mannheimer. Zwischen 2002 und 2017 musste mehr als jedes zehnte Gebäude einen Schaden melden. Er kostete die Hausbesitzer durchschnittlich 3237 Euro. Im weniger dicht besiedelten Landkreis Biberach war zwar nur jedes neunte Gebäude betroffen. Allerdings war das Schadensausmaß mit durchschnittlich 8093 Euro deutlich höher. Insgesamt verursachten 1077 kurze und heftige Regenfälle in Baden-Württemberg in diesen 15 Jahren Schäden in Höhe von 568,5 Millionen Euro. Bundesweit richtete Starkregen einen Schaden von 6,7 Milliarden Euro an. Besonders häufig und heftig regnete es im Dürrejahr 2018.
Die gute Nachricht: Laut GDV sind in Baden-Württemberg 94 Prozent der Wohngebäude versichert – bundesweit gilt das nicht einmal für jedes zweite Haus. Dass der Anteil hierzulande so hoch ist, hat historische Gründe: Bis 1993 bestand in Baden-Württemberg eine Versicherungspflicht für Wohngebäude. Weil die Verträge langfristiger Natur sind, hat sich am Anteil bis heute nicht viel geändert.
„Das heißt aber nicht, dass man sich in Sicherheit wiegen kann – man denke nur an die Sturzflut in Braunsbach“, sagt der GDV-Pressesprecher Henning Engelage. „Die Folgen von Starkregen können verheerend sein: In manchen Fällen gerät die Statik des Hauses ins Wanken, und wenn es ganz schlimm kommt, wird das Haus weggeschwemmt.“ Der teuerste Einzelschaden an einem Einfamilienhaus im Land lag laut GDV bei 600 000 Euro.
Doch die Eigentümer müssen sich ihrem Schicksal nicht ergeben. Vor allem Bauherren können vorsorgen, indem sie beispielsweise das Erdgeschoss ein, zwei Stufen höher ansetzen. „Wer barrierefrei bauen will, und dahin geht der Trend, sollte eine Rampe in Erwägung ziehen“, rät Engelage. Auch der Trend zu ebenerdigen Lichtschächten verträgt sich nicht gut mit einem Starkregenschutz. „Wir empfehlen, Lichtschächte mindestens zehn Zentimeter hoch in Stein zu fassen.“ Und wer sicher gehen will, dass bei steigendem Druck in der Kanalisation keine Fäkalien in den Kellerraum dringen, sollte in eine sogenannte Rückstauklappe investieren.
Starkregen war nach Angaben des DWD bislang kaum erforscht. Da Klimamodelle zeigen, dass sich Deutschland künftig auf mehr Wetterextreme einstellen muss, ist die Versicherungswirtschaft alarmiert. „Wir wollten vor allem herausfinden, welche Regionen von Starkregen besonders betroffen sind, um uns darauf einstellen zu können“, sagt Engelage. Dabei habe man darauf geachtet, die Folgen von Überschwemmungen „herauszurechnen“. Das Ergebnis habe den GDV überrascht. „Die gängige Vorstellung, dass Süddeutschland besonders von Starkregen betroffen sei, ist falsch.“
Untersucht wurde auch, welche Art von Starkregen die meisten Schäden verursacht. Laut Definition dauert Starkregen maximal neun Stunden, die meisten Schäden entstanden bei Regengüssen von drei Stunden Dauer.