Klimawandel und Hitzeschutz Wie Kommunen trotz Hitze cool bleiben
Trinkwasserbrunnen, Grün, wo nur möglich, Sitzgelegenheiten mit Sonnensegel: Die Kommunen tun einiges in puncto Hitzeschutz. Doch reicht das schon?
Trinkwasserbrunnen, Grün, wo nur möglich, Sitzgelegenheiten mit Sonnensegel: Die Kommunen tun einiges in puncto Hitzeschutz. Doch reicht das schon?
Der Klimawandel bringt immer mehr heiße Tage. Die Kommunen wappnen sich. Um sich und die Bürger vor Hitze zu schützen, tun sie bereits einiges. Der Kreis Ludwigsburg ist insofern Vorreiter, dass er der bundesweit erste Landkreis ist, der einen Hitzeaktionsplan mit konkreten Schutzmaßnahmen erstellt hat.
Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) gehört zu den Personen, die die Umsetzung der „Musterpläne für alle“ massiv vorangetrieben haben. „Wir sehen uns als Kommune vor allem in der Pflicht, unsere Bürgerinnen und Bürger bestmöglich für die Hitzeproblematik zu sensibilisieren, sie aufzuklären und ihnen einfache Tipps an die Hand zu geben, wie sie sich schützen können“, sagt der Rathaussprecher David Rohnert. Bei einer Hitzewarnung wolle man die verschiedenen Bevölkerungsgruppen über unterschiedliche Kanäle erreichen und Handlungsempfehlungen aussprechen. Im Netz, über Kitas. Senioren seien bei Veranstaltungen sensibilisiert worden. „Bei Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes weisen wir kurzfristig über Social Media auf Hitzegefahren hin und kommunizieren entsprechende Verhaltensempfehlungen.“
Ob die Gemeinde gut vorbereitet ist? „Auf die Hitze des kommenden Sommers – ja“, meint der Rathaussprecher. Man habe frühzeitig nicht nur in der Bevölkerung ein Bewusstsein für Hitze(schutz) geschaffen. Sondern auch Anlaufstellen eingerichtet. Dort können sich die Bürgerinnen und Bürger erfrischen und ausruhen.
Die Bibliothek hat einen Wasserspender, davor steht jetzt ein Trinkbrunnen. Auch die Grundschule hat einen Wasserspender, der Schlosspark viele Schattenplätze. Im Parkpflegewerk, einer Handreichung für den Umgang mit dem Anwesen, liegt ein Fokus auf Hitzeschutz. „Eine neue Wegführung soll zusätzliche Orte und Flächen im Park besser zugänglich machen“, sagt David Rohnert. Kühle Orte – der Park, die Laurentiuskirche, die Eisdiele – stehen in der Cool Map des Landkreises, einer interaktiven Landkarte. Sie markiert auch Freibäder, klimatisierte Einkaufszentren oder schattige Wander- und Spazierwege. Ebenso können Bürger kühle Orte nennen. Auch das Hitzeportal des Landkreises Böblingen hat eine Cool Map.
Die Liste dessen, was die Kommunen tun, um die Hitze erträglicher zu machen, ist lang. Außer Trinkwasserbrunnen, die sich immer mehr Orte anschaffen, gibt es, wo möglich, (heimische und klimaresistente) Bäume. Auf Straßen und Parkplätzen werden Grünflächen, Pflanzenkübel aufgestellt, Beete angelegt, Zisternen eingebaut, Böden gewählt, die kühlen oder Wasser und Nährstoffe gut speichern, Brunnen und Bachläufe erhalten. Auf öffentlichen Plätzen mit Sitzgelegenheiten spenden auch Sonnensegel Schatten, Einrichtungen bekommen Klimaanlagen. „Städtebaulich werden die Auswirkungen von Hitze und Klimaanpassung bei unseren Projekten mitgedacht“, sagt Korntal-Münchingens Rathaussprecherin Angela Hammer. Die Stadt setzt auch auf die Expertise ihres Bevölkerungsschützers Frank Schulze.
Trotzdem, die Kommunen wissen, dass Stillstand keine Option ist. „Gerlingen sieht sich für kommende Hitzewellen gut gerüstet“, sagt die Rathaussprecherin Sofie Neumann. Aufgrund des weiter fortschreitenden Klimawandels sehe die Stadt jedoch die Notwendigkeit, sich stets weiter an die veränderten Bedingungen anzupassen.
Gefragt sind auch die Bürger. „Viele Maßnahmen sind auch auf die privaten Gebäude beziehungsweise Grundstücke zu beziehen“, betont Sofie Neumann: Die Bürger könnten den steigenden Temperaturen entgegenwirken, indem sie Grünstrukturen und Bäume erhalten und schaffen sowie Versiegelungen reduzieren. „Ebenso kann die Wahl von Materialien und Farben, die sich nicht so stark aufheizen und die Wärme somit lange abstrahlen, zielführend sein.“
Ähnlich äußert sich Ditzingens Rathaussprecher. „Wir ergreifen verschiedene Maßnahmen, um die Stadt resilienter gegen die Herausforderungen möglicher Hitzeperioden zu gestalten. Dabei spielt die Bevölkerung eine wesentliche Rolle, vor allem durch das dem Wetter angepasste Verhalten“, sagt Michael Geyer. Bei vergangenen Hitzewellen habe die Stadt die Bürger gebeten, beim Bewässern städtischer Bäume vor der eigenen Haustür mitzuhelfen. „Das wurde sehr gut angenommen.“ 10 000 Euro investiert die Stadt in einen eigenen Hitzeaktionsplan. Der Gemeinderat berät das Werk zeitnah, das eng mit den Plänen des Kreises abgestimmt werden soll. Geyer: „Der Aktionsplan wird einiges verbessern. Wir können mehr tun.“
Robin Maitra nickt da nur mit dem Kopf. Der Klimaschutzbeauftragte der Landesärztekammer hat sich stets für die Erstellung eines Hitzeaktionsplans starkgemacht. Er spricht von „erheblichem Handlungsbedarf“. Aus seiner Sicht wird vor allem zu wenig daran gedacht, welche Folgen Hitze für die Gesundheit hat und wie wichtig gesundheitsbezogener Schutz deshalb ist. Umso erleichterter ist der Hemminger Arzt, dass der Kreis nun eine Strategie hat. Kreis, Land und Bund hätten die Notwendigkeit erkannt, angesichts des Klimawandels zu handeln – oft fehle aber die konkrete Umsetzung. „Die Kommunen sind gestartet, doch es gibt noch eine Menge zu tun“, stellt Robin Maitra fest. Und auch, dass es an Geld, Zeit und Personal mangelt, und Kommunen über die auch so schon zunehmenden Aufgaben klagen.
Dabei seien „in den allermeisten Fällen ganz einfache Sachen entscheidend“, etwa ein Lüftungssystem: Es bewirke viel, bis acht Uhr am Morgen querzulüften und dann zu verschatten, ebenso, Trinken zur Verfügung zu stellen – in Kitas, Schulen, Altenheimen. Auch Pausen einzulegen sei wichtig, analog zur Siesta in Südeuropa. „Wir können von den Südländern lernen“, so Maitra. Ginge es nach ihm, gäbe es längst ein entsprechendes Schulfach – und flächendeckend gezielte Förderprogramme von Land und Bund.
Der Blick in den Nachbarkreis Böblingen zeigt, dass auch dort viel passiert – und Beunruhigung herrscht. Leonberg hat jüngst den kommunalen Wärmeplan beschlossen, Rutesheim den Friedhof parkähnlich umgestaltet. Die Bürgermeisterin spricht, wie Robin Maitra, von einer Gemeinschaftsaufgabe. „Wir von Verwaltung und Gemeinderat tun viel, um zu begrünen, Schatten zu schaffen und Flächen zu ermöglichen, die bei Regen und Starkregen Wasser aufnehmen können“, sagt Susanne Widmaier (parteilos). Bei den zu befürchtenden Temperaturanstiegen müssten aber alle mithelfen. „Ich sehe mit Sorge, dass es immer noch Schottergärten gibt, viele Menschen keine Fassadenbegrünung möchten und die ganzen Pflanzen bei Hitze gegossen werden müssen. Wir werden uns alle noch auf diese Probleme intensiv einstellen müssen.“