Klimawende in Esslingen Altstadt-Bewohner fordern PV-Anlagen

Die Briefschreiber sehen viel Potenzial für PV-Anlagen in der Esslinger Altstadt. Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin

Bewohner und Händler der Esslinger Altstadt wollen PV-Anlagen bauen können und fordern die Änderung der Gestaltungssatzung.

Region: Corinna Meinke (com)

 

Tempo beim Thema Photovoltaik in der Esslinger Altstadt mahnen in einem offenen Brief an die Esslinger Verwaltungsspitze Gastronomen, Geschäftsleute sowie der Esslinger Haus und Grundbesitzerverein an. „Uns alle eint die Sorge für das Gelingen der Energiewende – auch in der Esslinger Altstadt. Die entsprechenden Rahmenbedingungen müssen schnell geschaffen werden, die nötigen Werkzeuge und Technologien liegen bereit“, heißt es in dem Schreiben, das an den Oberbürgermeister Matthias Klopfer und den Baubürgermeister Hans-Georg Sigel adressiert und stellvertretend von Hermann Falch vom Haus und Grundbesitzerverein sowie Unternehmer dem Thomas Rother unterzeichnet ist.

Die Verfasser erklären, PV-Anlagen könnten zerstörungsfrei montiert sowie demontiert und ästhetisch ansprechend realisiert werden. Das Anliegen des Denkmalschutzes, nicht in die historische Substanz einzugreifen, werde somit erfüllt. Die Esslinger Gestaltungssatzung kritisieren die Briefschreiber, da sie strenger sei als die Leitlinien der Landesregierung zur Installation von PV-Anlagen für Kulturdenkmale. Dies müsse geändert werden. Nicht-Denkmale und nachrangige Gebäude würden in Esslingen strenger als Denkmale beurteilt.

Gestaltungssatzung in der Kritik

Jedes Dach zähle „im Hinblick auf unsere Verpflichtungen zum Fortschritt bei der Erreichung der Klimaziele“, heißt es in dem Brief weiter. Kompensationsmodelle wie Energiegenossenschaften, seien nur für Kapitalanleger interessant, zumal große Lösungen wie die Nutzung von Dächern im Industriegebiet der Neckarwiesen zwar größere Potenziale bieten, aber mit deutlich höherem administrativen Aufwand, Vorlaufzeiten in der Umsetzung und mit größeren Investitionen verbunden seien. Lösungen vor Ort sind für einzelne Bewohner, Immobilienbesitzer und Händler attraktiver und mit einer schnellen Amortisation verbunden.

Die Unterzeichner erinnern an den Maßnahmenkatalog, der zum Thema Energieversorgung und Photovoltaik im November im Technischen Ausschuss des Gemeinderats beschlossen wurde. „Dieser Weg ist richtig und sollte nach dem in der Vorlage festgeschriebenen Zeitablauf weiter beschritten werden“, heißt es in dem Brief. Von einer Beteiligung der Öffentlichkeit, die für das erste Quartal 2023 geplant war, „haben wir als Bewohner, Händler, Immobilienbesitzer oder Nutzer der Altstadt leider nichts mitbekommen“. Daher fragen die Autoren nach einem Termin für eine öffentliche Diskussion.

Altstadt-Bewohner sehen sich benachteiligt

Der Gemeinderat habe mit der Teilnahme am „Wattbewerb“ die Wichtigkeit der Nutzung von PV-Strom auf Esslingens Dächern dokumentiert, erklären die Unterzeichner. Doch schon ohne die Berücksichtigung der Altstadt sei die Stadt Esslingen „leider nicht vorbildlich, sondern sie hinkt hinterher“. Für die Nutzung von Photovoltaik im Bereich der gesamten Esslinger Altstadt spreche die schnelle Umsetzung, die mit relativ geringem baulichen Aufwand zu einer deutlichen Reduzierung der CO2-Emissionen führe. CO2-Neutralität sei hier aber nicht möglich und müsse durch Minderung an anderer Stelle kompensiert werden, da schon eine Sanierung zu einem energieeffizienten Denkmal durch die Auflagen des Denkmalschutzes verhindert werde.

Für die Absender steht fest, dass Bewohner und Händler der Esslinger Altstadt gegenüber anderen Bewohnern der Stadt im Nachteil seien, da sie von der Möglichkeit ausgeschlossen sind, sich mit preiswerter Energie zu versorgen: „Die nicht energie-effiziente Bausubstanz und das Verbot der Nutzung von PV verhindert wirtschaftliche Lösungen für Handel und Wohnen.“ Gerade dort, wo der größte Verbrauch stattfinde, seien Einsparpotenziale besonders dringend, dürften aber nicht gehoben werden. Im Bereich des Handels könnte selbsterzeugter Strom den entscheidenden Vorteil bringen.

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