Klinik Böblingen Eine Rettungstasche für Säuglinge

Die Hebamme Susanne Pfender demonstriert mit Babypuppen die Funktion der Rettungstasche. Foto: Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank

Der Klinikverbund Südwest hat gemeinsam mit einer Firma eine Tasche zur Evakuierung für Babys aus Krankenhäusern konstruiert. Die bereits vor Jahren entwickelte Rettungsmatratze für Erwachsene ist mittlerweile ein weltweiter Verkaufsschlager.

Susanne Pfender ist eine von der ganz schnellen Sorte. Das sagen alle Kollegen. Die Leitende Hebamme des Kreißsaals der Böblinger Klinik ist deshalb auch bestens für Notfälle gerüstet. Was macht sie, wenn ein Feuer auf der Säuglingsstation ausbricht? Pfender schnappt sich zwei Rettungstaschen, legt jeweils einen Säugling hinein, schnallt ihn fest und ab geht es. In Windeseile rennt sie die Treppe hinunter und zum Ausgang.

 

Feuer im Krankenhaus – eine Horrorvorstellung und doch kein seltenes Ereignis in Deutschland. Zumeist werden die Brände von Patienten gelegt, die entweder dement sind oder unachtsam. Deshalb sind beispielsweise beim Klinikverbund Südwest in dessen sechs Kliniken in den Kreisen Böblingen und Calw bereits seit vielen Jahren Kerzen in den Krankenzimmern strikt verboten.

Bettlägerige Menschen alleine bergen

„Brandschutz ist ein großes Thema bei uns“, sagt Bernd Waiblinger, der Sicherheitschef für die sechs Kliniken. Und dabei geht der frühere Sindelfinger Feuerwehrmann immer wieder innovative Wege. So hat er vor fünf Jahren, kurz nach einem verheerenden Feuer in einer Klinik in Bochum, bei dem zwei Menschen starben, eine spezielle Rettungsmatratze entwickelt. Mit dieser kann eine Krankenpflegerin ganz allein einen bettlägerigen Patienten bergen, sogar eine Treppe hinunter. Entwickelt hatte Waiblinger die Matratze gemeinsam mit Mitarbeitern aus dem Krankenhaus und der Firma Hapeka.

Die Tasche ist einfach zu handhaben. Foto: Eibner-Pressefoto

Mittlerweile sind alle Häuser des Verbunds außer dem Herrenberger, das neue Betten bekommen soll, mit den Rettungsmatratzen ausgestattet. Diese liegen ganz normal in den Betten. In einem Notfall können sie mit wenigen Handgriffen in eine Rettungsmatratze umfunktioniert werden.

Auch Kliniken in Australien kaufen die Rettungsmatratze

Nicht nur der Klinikverbund Südwest hat seine Klinken damit ausgestattet. Die Rettungsmatratzen sind ein Verkaufsschlager. „Wir verkaufen die deutschlandweit und auch ins Ausland“, sagt Carsten Knauf, Geschäftsführer von der Firma Hapeka aus dem badensischen Bühl: „In Luxemburg, in Belgien und sogar in Australien wurden unsere Rettungsmatratzen schon geordert.“

Doch Bernd Waiblinger, der Sicherheitschef des Klinikverbunds Südwest, ist kein Mann, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht. Er war früher selbst Feuerwehrmann. „Von daher habe ich einen besonderen Blick auf die Praxis“, sagt er. Nachdem nun alle Betten für Erwachsene mit der Rettungsmatratze ausgestattet sind, sollen auch die Kinderbetten entsprechend ausgerüstet werden. Doch was ist mit den ganz Kleinen, den Säuglingen und Neugeborenen? Wie soll man die im Notfall transportieren?

Wieder machte sich Waiblinger daran, eine Lösung auszutüfteln. Gemeinsam mit Susanne Pfender und Kollegen aus der Hygiene- und der Hauswirtschaftsabteilung sowie der Firma Hapeka entstand die „Beggi“ – eine Evakuierungstasche für Säuglinge. Genau wie die Rettungsmatratze ist sie aus schwer entflammbarem Material, das aber atmungsaktiv ist. Der besondere Clou: an den Griffen sind Schlaufen integriert. „Damit kann die Feuerwehr im Falle, dass das Personal die Babys nicht mehr zu Fuß transportieren kann, die Tragetaschen mit den Säuglingen auch abseilen , sagt Waiblinger. 82 Taschen gibt es nun in der Böblinger Geburtshilfestation, wo jährlich fast 3000 Kinder zur Welt kommen. Klinikverbundweit sind es etwa 5700 Kinder. Nach und nach sollen auch die Krankenhäuser in Leonberg, Calw und Herrenberg – überall dort gibt es Geburtshilfestationen – mit den Evakuierungstaschen ausgerüstet werden.

Schulungsvideo für Pfleger und Pflegerinnen

Waiblinger lässt im Moment ein Schulungsvideo drehen, das Pflegern und Pflegerinnen, aber auch Feuerwehrleuten die Handhabung zeigt. So etwas gibt es bereits für die Rettungsmatratze. „Einmal im Jahr müssen sich das die Mitarbeiter anschauen. Das ist Pflicht“ , sagt Bernd Waiblinger.

Die Pandemie hat Feuerwehr und Klinikleute zusammengeschweißt

Er fühlt sich nun gut gerüstet für den Ernstfall, „der hoffentlich nie eintritt“. Den letzten Brand beim Klinikverbund gab es 2013 in der Notstromzentrale des Sindelfinger Hauses. Niemand musste evakuiert werden. Bei einem Fassadenbrand 2005 an der Böblinger Klinik wurden 15 Patienten evakuiert. Demnächst soll es gemeinsam mit der Feuerwehr Brandschutzübungen geben. „Die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren ist sehr gut. Das hat sich gerade in der Pandemie gezeigt“, lobt Gerald Tomenendal, der Regionaldirektor des Klinikums Böblingen-Sindelfingen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Klinikverbund Südwest