Klinikareal Waiblingen Die ersten Wohnungen sind bezogen

Der größte Teil des ehemaligen Waiblinger Klinikareals ist zum innenstadtnahen Wohnquartier geworden Foto: Gottfried Stoppe/l

An dem einstigen Waiblinger Klinikareal ist das neue Wohnquartier mit 210 Einheiten fast komplett. Auch für Menschen mit schmalerem Budget gibt es erschwinglichen Wohnraum.

Waiblingen - Aus dem größten Teil des einstigen Waiblinger Klinikareals an der Winnender Straße ist ein neues Wohnquartier geworden. Nach zwei Jahren Bauzeit werden dieser Tage Schritt für Schritt Wohnungen und die mit im neuen Stadtquartier untergebrachte Kindertagesstätte bezogen. Insgesamt gibt es dort, wo einst die Bauten das Waiblinger Kreiskrankenhaus standen, nun 210 Wohnungen samt einer Kindertagesstätte mit vier Gruppen. Unter anderem werden auch zwei Wohngruppen der Diakonie Stetten dort einziehen.

 

Großprojekt mit jahrelangem Vorlauf

Im neuen Wohnquartier „den Schwerpunkt auf das Wohnen zu legen, war absolut richtig“, sagte Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky beim Rundgang kurz vor der Fertigstellung des Baufelds der Kreisbaugruppe. Mit Landrat Richard Sigel und Kreisbau-Geschäftsführer Dirk Braune gab er beim Pressetermin Einblicke in das Großprojekt mit jahrelangem Vorlauf. Weitere Baufelder waren im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs an andere Investoren vergeben worden.

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Auf dem nun von der Kreisbau bebauten Baufeld Nummer fünf war entsprechend der ursprünglichen Planungen zunächst ein Neubau für das Kreissozialdezernat vorgesehen. Hier hatte Landrat Sigel die Planungen nach seinem Amtsantritt 2016 im Schulterschluss mit der Stadt Waiblingen grundlegend umgekrempelt. Die Neubauten für die Kreisverwaltung, so die Grundsatzentscheidung, konzentrieren sich seitdem auf das Areal am Alten Postplatz und den Bereich an der Rötestraße, nahe des Waiblinger Bahnhofs. Dort ist derzeit ein Neubau im Entstehen, der unter anderem das Gesundheitsamt beherbergen wird.

Gesamtinvestitionen: 100 Millionen Euro

Auf dem Baufeld der Kreisbaugruppe sind auf dem alten Klinikareal 40 bezahlbare Mietwohnungen, 38 reguläre Mietwohnungen und sechs Gäste-Appartements sowie 102 Tiefgaragenstellplätze entstanden. Die eigene Investition, so berichtete der Kreisbaugeschäftsführer, liege bei rund 37 Millionen Euro, diejenige im gesamten Quartier bei rund 100 Millionen Euro. Auf den Baufeldern eins bis vier haben im neuen Quartier das Siedlungswerk 73 Eigentumswohnungen und die GWG 65 Eigentumswohnungen sowie fünf Stadthäuser gebaut.

Die 40 geförderten Mietwohnungen sind Teil des übergeordneten Investitionsprogramms des Rems-Murr-Kreises für bezahlbaren Wohnungsbau. Dessen Ende 2017 beschlossenes Ziel ist es, bis 2028 kreisweit 500 neue bezahlbare Wohneinheiten zu schaffen. Dieses Ziel, so hieß es nun bei der Pressekonferenz zur Fertigstellung des Wohnquartiers auf dem Klinikareal, werde wohl schon im Lauf des Jahres 2024 erreicht.

„Die Not auf dem Wohnungsmarkt zeigt, dass unsere Strategie richtig und wichtig war“, sagte zur Schwerpunktsetzung auf dem Areal und beim Gesamtinvestitionsprogramm Landrat Richard Sigel. Er sei sehr froh, dass der Landkreis gemeinsam mit der Stadt Waiblingen den Weg für 78 Mietwohnungen auf dem früheren Klinikareal habe freimachen können. „Wir haben hier Wohnraum auf einer der attraktivsten Flächen der Stadt geschaffen.“ Ganz bewusst gehörten dazu auch die 40 bezahlbaren Mietwohnungen im Rahmen des Investitionsprogramms. Der Bürobedarf der Kreisverwaltung lasse sich dagegen auf den bereits versiegelten Flächen am Alten Postplatz befriedigen und schaffe dort, „trotz der damit verbundenen baulichen Verdichtung einen städtebaulichen Mehrwert“.

Hochwertiges Gebiet mit kurzen Wege

Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky sagte: „Die Nachnutzung des Klinikareals hat eine gute Entwicklung genommen. Das hochwertige Gebiet komplett für den Wohnungsbau und eine Kita zu nutzen, erweist sich als die richtige Entscheidung.“ Mit dem Ziel, die Verwaltungseinheiten des Landkreises an der Rötestraße und vor allem am Alten Postplatz zu bündeln, sei der Weg für dringend benötigte Wohnungen in Waiblingen freigemacht worden. „Gleichzeitig profitiert die Bürgerschaft durch kurze Wege und der Landkreis mit einer besseren Steuerungsmöglichkeit einer kompakt untergebrachten Kreisverwaltung.“

Es zeige sich einmal mehr, dass Planungen, die im kommunalen Schulterschluss entwickelt würden, Mehrwerte und Synergieeffekte für alle Beteiligten generieren könnten. „Bezahlbare, aber auch frei finanzierte Mietwohnungen sind – wie überall im Verdichtungsraum – Mangelware.“ Das neue Quartier entlang der Alfred-Leikam-Straße biete im Übrigen qualitätsvolles Wohnen, verbunden mit dem Vorteil, dass die Innenstadt fußläufig erreichbar sei. Das Wohnquartier, so Hesky, „ist ein Beleg für die gute Partnerschaft von Landkreis und Stadt“.

Dirk Braune verwies zudem auf ökologische Aspekte im modernen Wohnareal: „Mit einem Fernwärmeanschluss und Fotovoltaikanlagen auf den Dächern nutzen wir bei diesem Projekt in Partnerschaft mit den Stadtwerken Waiblingen ganz bewusst erneuerbare Energien.“ Während der Bezug der eigenen Mietwohnungen bereits gestartet sei, werde die Fertigstellung der Außenanlagen noch bis ins Frühjahr 2022 dauern.

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