Kliniken in der Krise Neue Chance für ein Medizinzentrum?

Der damalige Klinikverbund-Chef Martin Loydl erläutert im Juni 2021 die Pläne für einen Leonberger Campus. Foto: Simon Granville

Die Unsicherheit im Klinikverbund erhöht den Druck für neue Wege. Das Thema Gesundheitscampus Leonberg muss wiederbelebt werden, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Gesundheitscampus? Da war doch was... Schon in Vor-Corona-Zeiten machten in Leonberg Pläne die Runde, wonach am Krankenhaus eine Art ambulantes Zentrum entstehen könnte, in dem medizinische Leistungen aller Art angeboten werden. Durch diese Bündelung, so meinte damals Roland Bernhard, könne auch das Krankenhaus gestärkt werden. Der Landrat des Kreises Böblingen, neben Calw einer der beiden Trägerkreise des Klinikverbundes Südwest, erntete seinerzeit nicht nur Zustimmung.

 

Im Gegenteil: Zu viele private Anbieter, so lautete die Befürchtung aus der Politik, aber auch aus Ärztekreisen, könnten dem Krankenhaus regelrechte Konkurrenz machen. Der schon damals chronisch finanzschwache Klinikverbund könnte sich unter dem Hinweis der Leistungen im Campus leichter von eigenen Abteilungen trennen.

Dass sich ein Privatanbieter und eine kommunale Klinik durchaus bestärken können, zeigte vor sechs Jahren die Eröffnung eines Strahlentherapiezentrums direkt neben dem Krankenhaus. Dort werden Krebspatienten mit einem hochmodernen Linearbeschleuniger behandelt, der direkt zum kranken Gewebe vordringt. Auch Patienten aus Leonberg profitieren von der benachbarten Spezialabteilung.

Das Zusammenspiel galt damals als mustergültig für den Campus-Gedanken: Nicht nur werden Patienten in Leonberg gehalten werden, es kommen sogar neue dazu. Unmittelbar nach der Corona-Zwangspause präsentierten denn auch der damalige Geschäftsführer des Klinikverbundes, Martin Loydl, und der Landrat in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender weitreichende Pläne für einen Gesundheitscampus in Leonberg. Ein architektonisch anspruchsvoller Querbau sollte den Campus-Charakter hervorheben, gedacht waren Einrichtungen zur Übergangs- und Tagespflege, Reha, Physio und vieles mehr. Eine Planungsgruppe unter der Leitung des früheren Ärztlichen Direktors Michael Sarkar leistete sehr viel Detailarbeit.

Doch dann war von den ehrgeizigen Plänen nicht mehr viel zu hören. Bis die Leonberger SPD vor knapp anderthalb Jahren anregte, ein Medizinisches Versorgungszentrum neben dem Krankenhaus einzurichten, um vor allem den Engpässen in der medizinischen Kinderbetreuung zu begegnen. Auch dieser Vorschlag, in der Kommunalpolitik einhellig begrüßt, versandete zusehends.

Bis der sozialdemokratische Fraktionschef Ottmar Pfitzenmaier die aktuellen Diskussionen um die Zukunft des Krankenhauses jetzt zum Anlass genommen hat, erneut auf ein Versorgungszentrum zu drängen. Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) wird von den Fraktionen gebeten, zeitnah mit dem Landrat zu verhandeln. Die Gespräche dürften nicht einfach werden. Hat sich doch Roland Bernhard in den vergangenen Monaten bei diesem von ihm einst befeuerten Thema auffällig zurückgehalten.

Klar ist aber auch, dass die Stadt Leonberg ihren Beitrag leisten muss. Um Kinderärzte in ein Medizinisches Zentrum zu locken, das unter der Regie des Klinikverbundes steht, gewährt die Stadt Sindelfingen jedem ansiedlungswilligen Arzt einen Zuschuss von 100 000 Euro. Der muss nicht zurückgezahlt werden. In der Hinsicht zeigen sich die Leonberger Politiker nicht so freigiebig: Ein Antrag der SPD auf eine einmalige Anschubfinanzierung von 50 000 Euro für ein Versorgungszentrum hatte bei den Haushaltsberatungen 2024 keine Mehrheit gefunden. Auch darüber muss angesichts der medizinischen Notlage neu nachgedacht werden.

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