Klinikseelsorger in Göppingen „Wir sind für die Patienten da“

Das Christophsbad ist Pfarrer Friedrich Sautter als Klinikseelsorger so etwas wie Heimat geworden. Beim zügigen Spazierengehen erholte er sich von den Strapazen seiner Arbeit. Foto: Giacinto Carlucci

Der Klinikseelsorger Friedrich Sautter ist Anfang des Monats in Ruhestand gegangen. 24 Jahre lang hat der 65-Jährige im Göppinger Klinikum Christophsbad Patienten und Angehörige betreut – und dabei viel erlebt.

Göppingen - Seit 1. Februar ist Friedrich Sautter als Klinikseelsorger im Ruhestand. Im Interview spricht der evangelische Theologe über seine Arbeit, die er sich zwölf Jahre lang mit seiner Frau Gisela Schindler-Sautter geteilt hat.

 

Herr Sautter, warum sind Sie Klinikseelsorger geworden?

Als Pfarrer hat man eine Fülle an Aufgaben in einer bestimmten Zeit zu bewältigen. Als Seelsorger hatte ich das Privileg, das zu machen, wo mein Herz schlägt, nämlich in der Klinik mit Zeit für Patienten und auch für Mitarbeiter da zu sein.

Was haben Sie zu Beginn des Ruhestands zuerst in Angriff genommen?

Da wir mit dem Umzug von unserem Haus in eine Wohnung beschäftigt sind, muss ich erst das durch den Umzug entstandene Chaos bändigen. Man hat vieles angesammelt und da bin ich jetzt dabei, dies in Ruhe auszulesen.

Was wollen Sie künftig unternehmen?

Ich freue mich darauf, mit meiner Frau, die gerade auch in den Ruhestand gegangen ist, mich in der schönen Alblandschaft bewegen zu können. Wir sind beide musikalische Menschen und so kann es sein, dass ich mein Cello und den E-Bass wieder rausnehme. Und ich würde gerne in einem Chor singen. Das Gitarrespielen und Singen in einem Pflegeheim würde mir Freude machen. Ich habe gerne mit älteren Leuten zu tun, mit denen ich ein wenig Musik machen könnte. Ich habe Respekt vor der Lebensleistung älterer Menschen und wie sie zum Beispiel mit Schicksalsschlägen umgegangen sind. Und die sind dankbar fürs Dasein und Zuhören.

Wer ruft einen Klinikseelsorger – oder gehen Sie einfach zu den Patienten?

Im Christophsbad besteht eine große Bandbreite an Patienten. Da gibt es oft Menschen, die einfach in mir einen Gesprächspartner suchen. Das muss nicht nur Glaube sein, sondern kann mit allem zu tun haben, was Menschen beschäftigt. In der Psychiatrie etwa rufen die Leute mich an und dann machen wir einen Termin aus. Kontakte entstehen auch oft in den abwechselnd konfessionellen Gottesdiensten in der Kapelle, wo auch Heimbewohner des Christophsheims regelmäßig dazukommen.

Wie muss man sich die Arbeit eines Klinikseelsorgers vorstellen?

Wir sind ja zur Verschwiegenheit verpflichtet, was uns ein wenig zu Sonderlingen macht. Andererseits haben Patienten einen Partner, dem sie sich auch außerhalb der Medizin anvertrauen können. Wir begleiten Menschen und sind mit Zeit und Einfühlungsvermögen für sie da. Wir sind auch mit unserem Glauben für sie da und bieten Gebete an. Wir nehmen auch Anteil an der Arbeit der Mitarbeiter.

Sie waren auch Mitglied des Ethikkomitees im Christophsbad. Was heißt das?

Ins Komitee, in dem verschiedene Berufsgruppen des Hauses vertreten sind, wird man durch die Geschäftsführung berufen. Hier sind auch die beiden Seelsorger der Klinik Mitglied. Es geht dabei um die Beratung von Angehörigen oder von Mitarbeitern, wenn es um eine Therapiezieländerung oder um eine Begrenzung von Therapie geht. Ethische Fortbildung anzubieten ist auch eine Aufgabe des Komitees, wie beispielsweise eine Tagung in der Vergangenheit zu Gewalt und Psychiatrie.

Sie haben ja zudem noch andere Aufgaben wahrgenommen ...

Ja, ich habe im Hospiz eine Gruppe von Trauerbegleiterinnen sowie eine Gruppe von Sterbebegleitern und Sterbebegleiterinnen supervisiert und ehrenamtliche Seelsorgerinnen ausgebildet. Dann war ich lange bei der Notfallseelsorge im Landkreis tätig. Da gehen einzelne Einsätze heute noch mit mir.

Wo haben Sie Kraft geschöpft?

Beim zügigen Spazierengehen kann ich mich erholen. Eine Zeitlang bin ich auch ins Sportstudio gegangen und bei Filmen erhole ich mich wunderbar. Und was mir sehr wichtig ist, ich habe mit meiner Frau einen fruchtbaren Austausch auch deshalb, weil wir die Stellen und die Arbeit geteilt haben. Gemeindepfarrerin und Klinikseelsorger im Austausch, das hatte etwas sehr Entlastendes für mich.

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