Klinikum Generalunternehmer als Kostenbremse?

Von Matthias Bury 

Das Olgäle und die Frauenklinik werden teurer. Deshalb soll das Vergabeverfahren künftig geändert werden. Doch es gibt Vorbehalte.  

Auch der Rohbau von Teil zwei des neuen Olgäle ist gut vorangekommen. Foto: Steinert
Auch der Rohbau von Teil zwei des neuen Olgäle ist gut vorangekommen. Foto: Steinert

Stuttgart - Auf der einen Seite hängt schon die Außenfassade, dort ist der Innenausbau weit fortgeschritten, auf der anderen Seite ist es noch nicht lange her, dass die Bodenplatte betoniert wurde: der Neubau des Olgäle und der Frauenklinik hinter dem Katharinenhospital (KH) verläuft zeitversetzt. Am Freitag wird auf der Großbaustelle nun aber endlich für das gesamte Doppelprojekt Richtfest gefeiert.

"Zurzeit geht alles zügig voran", sagt Peter Holzer, der stellvertretende Leiter der Abteilung Krankenhausbau bei der Stadt. Das ist nicht immer so gewesen. Probleme mit Altlasten und Dolinen im Untergrund sowie ein Rechtsstreit bei der Auftragsvergabe haben das Projekt in der Anfangsphase verzögert. Doch das ist Vergangenheit. Nun ist auch der letzte Abschnitt des Seite an Seite mit der Frauenklinik errichteten Kinderkrankenhauses Olgäle im Rohbau fertig. Bereits im April 2007 hatten die ersten Vorarbeiten für das Großprojekt begonnen, dessen Kosten heute mit insgesamt knapp 323 Millionen Euro veranschlagt werden, im Juli 2008 wurde der Grundstein gelegt.

Der Grund für den so unterschiedlichen Baufortschritt: hinter dem KH wird auf engem Raum gebaut, Teil der Baufläche ist auch das Gelände der alten Heizzentrale. Dort konnten der Abriss und der Aushub erst beginnen, nachdem die neue Energiezentrale fertig war, die den gesamten Klinikbetrieb am Standort Mitte versorgt.

Wie profitieren Firmen aus der Region?

Im Dezember 2012 sollen das Kinderspital und die Frauenklinik fertig sein, zehn Stockwerke werden sie haben, drei davon im Untergrund, wo unter anderem 475 Tiefgaragenstellplätze für den gesamten Standort Katharinenhospital geschaffen werden. In den drei Sockelgeschossen werden der Untersuchungsbereich und die Ambulanzen untergebracht sein, in drei aufgesetzten Obergeschossen mit sogenannten Pflegepavillons werden die Patienten versorgt. Etwa 2000 Räume mit 2500 Türen und 385 Betten wird der Klinikneubau haben, von denen drei Viertel dem Olgäle und ein Viertel der Frauenklinik zugeordnet werden.

Der versetzte Bauablauf führt zu einer sehr langen Bauzeit. Das hat Folgen für die Kostenentwicklung. Nach jetzigem Stand wird das Doppelprojekt fast 32 Millionen Euro mehr kosten als angenommen. Das sind zwar fünf Millionen Euro weniger als noch 2009 prognostiziert, aber viel Geld ist das noch immer. Die Mitglieder des Krankenhausausschusses tragen die Kostenzuwächse mit Gelassenheit. Allen ist von Anfang an klar gewesen, dass zu den Baukosten noch Aufwendungen für die Klinikausstattung kommen würden, ebenso für Baupreiserhöhungen, die man bewusst nicht einkalkuliert hat, was sonst bei Projekten wie diesem üblich ist.

Finanzbürgermeister Michael Föll merkte kürzlich in einer Ausschusssitzung an, dass es noch "hoher Anstrengungen" bedürfe, damit die Gesamtkosten von 818 Millionen Euro für die laufende Umstrukturierung des städtischen Klinikums "ohne Abstriche" gehalten werden könnten. Darin sind sich Rat wie Verwaltung einig: die prognostizierten Mehrkosten dürfen nicht zu Lasten der im nächsten Schritt beim KH geplanten neuen Zentren für operative und für innere Medizin gehen.

Deshalb mahnt Klinikgeschäftsführer Ralf Michael Schmitz, der Rat solle die bisherigen Kostensteigerungen nicht gleichsam "schicksalhaft" hinnehmen. Womit Schmitz auf die kontroverse Debatte anspielte, ob die Arbeiten für die nächsten Neubauten wieder per Einzelvergabe oder doch für einen Generalunternehmer ausgeschrieben werden sollen. Verwaltung und Klinikleitung versprechen sich nach guten Erfahrungen etwa beim Neubau der Psychiatrie in Bad Cannstatt von einer Vergabe an einen Generalunternehmer mit Festpreis erhebliche Einsparungen. Dadurch sollen die bisherigen Mehrkosten wieder aufgefangen werden. Dagegen gibt es in den Fraktionen von CDU und SPD Vorbehalte. Diese fürchten, die regionale Wirtschaft komme dadurch nur wenig zum Zug. Der Klinikgeschäftsführer versucht einmal mehr, diese Sorge zu zerstreuen. Beim Bau der Psychiatrie habe man festgestellt, dass trotz Generalunternehmer "70 bis 75 Prozent der Firmen aus der Region gekommen sind", sagte Schmitz. "Bei Einzelvergaben liegen wir unter diesem Wert."