Klinikum Kein Geld aus Libyen für teure Behandlung

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Das städtische Klinikum hat offene Forderungen von 8,5 Millionen Euro in den Büchern. Der Grund: die International Unit sitzt auf nicht bezahlten Rechnungen von Patienten aus Libyen aus dem Jahr 2014.

Patienten aus dem arabischen Raum schätzen die deutsche Hochleistungsmedizin – hier im  Katharinenhospital. Foto: Achim Zweygarth
Patienten aus dem arabischen Raum schätzen die deutsche Hochleistungsmedizin – hier im Katharinenhospital. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Dass das städtische Klinikum im Vorjahr ein Defizit von mehr als 16 Millionen Euro eingefahren hat, ist bekannt. Dieser ohnehin schon hohe Fehlbetrag könnte aber nochmals deutlich auf bis zu 24,5 Millionen Euro steigen. Der Grund dafür sind Versäumnisse in der International Unit, die das Geschäft mit ausländischen Patienten vor allem aus dem arabischen Raum abwickelt. Für 2014 stehen in den Büchern noch nicht beglichene Rechnungen für die Behandlung von Patienten aus Libyen im Umfang von bis zu 8,5 Millionen Euro.

Exakte Zahlen, in welchem Umfang im städtischen Klinikum Patienten aus dem Ausland behandelt werden, sind nur schwer zu bekommen. Man kann aber davon ausgehen, dass es einige Tausend sind, die unter anderem aus Kuwait, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Libyen, Bahrain und Katar in die Landeshauptstadt kommen.

Die medizinische Betreuung wurde teurer als erwartet

Im vergangenen Jahr waren darunter in zwei Kontingenten auch etwa 300 Menschen aus Libyen, darunter viele Kriegsversehrte. Die Verträge zur Behandlung dieser Patientengruppe habe das Klinikum mit einer libyschen „Subregierungsorganisation“ abgeschlossen, sagt der Ärztliche Direktor Jürgen Graf. Und wie üblich wurde eine Vorkassenleistung mit Pauschalentgelten verlangt, auch die Bezahlung darüber hinausgehender Kosten ist vertraglich geregelt.

Bei der Behandlung dieser Patienten zeigte sich, dass die medizinische Betreuung deutlich teurer wurde als vorausgesehen, obwohl das Klinikum dafür mehr als doppelt so hohe Sätze verlangt wie bei hiesigen Patienten. Und aufgrund des aufflammenden Bürgerkriegs in Libyen kam es im Frühjahr 2014 zu verzögerten und dann ausbleibenden Zahlungen. Die Frage ist nun, ob die noch ausstehenden Forderungen der „Kostenstelle Libyen“ ganz oder doch zumindest teilweise beglichen werden. Manche rechnen damit, dass etwa die Hälfte der Außenstände noch eingetrieben werden können. Aufgrund von bestehenden Kontakten mit libyschen Stellen und deutschen Behörden geht der Ärztliche Direktor Jürgen Graf davon aus, „dass das Geld noch kommt“. Weil das vorerst ungewiss ist, pochen die Rechnungsprüfer der Stadt darauf, in der Jahresbilanz 2014 eine Wertberichtigung vorzunehmen.

Wölfle: „Man hätte früher eingreifen sollen“

Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) versichert: „Das ist nur ein rechnerischer Verlust in der Bilanz, aber nicht für den Steuerzahler“. Denn trotz dieser ausstehenden Forderungen mache die International Unit immer noch ein Plus und liefere gleichwohl einen Beitrag zur Senkung des Defizits im Klinikum.

Jürgen Graf beziffert den jährlichen Umsatz der Einheit mit einem „signifikanten zweistelligen Millionenbetrag“, bei einem Gesamtumsatz des Klinikums von etwa 600 Millionen Euro. Der Deckungsbeitrag liege im Jahr bei einem „einstelligen Millionenbetrag“, so Graf. Die Rendite der Einheit sei trotz des Vorgangs noch immer „drastisch positiv“.

Werner Wölfle räumt freilich ein, dass in der Sache Fehler gemacht wurden. „Die Nachsteuerung hat nicht funktioniert“, sagt der Bürgermeister. „Man hätte schneller eingreifen und früher niemanden mehr aufnehmen dürfen.“

Für Jürgen Graf ist keine Frage, dass die International Unit, mit der man freie Kapazitäten nutze und die eine der größten in der ganzen Republik ist, für die wirtschaftliche Lage des Klinikums unverzichtbar sei. Wobei er weiß: höhere Renditeerwartungen bedeuteten stets ein höheres Risiko. Um dieses weiter zu begrenzen, habe man das Kontrollsystem erweitert. Damit habe er im vergangenen Jahr begonnen, doch das dauere. Graf: „In dieser Zeit sind die Versäumnisse vorgekommen – das ist blöd gelaufen.“




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