Klinikum Ludwigsburg Druckkammer soll Notfallzentrum werden

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Im Südwesten gibt es keine 24-Stunden-Versorgung mit hyperbarer Sauerstofftherapie. Die Landesregierung will das ändern – das Klinikum Ludwigsburg gilt dafür als optimaler Standort.

Auf künstlichem Tauchgang: die Behandlung von Patienten – hier geplante Routinetherapien – in der Druckkammer kann Leben retten. Foto: factum/Archiv
Auf künstlichem Tauchgang: die Behandlung von Patienten – hier geplante Routinetherapien – in der Druckkammer kann Leben retten. Foto: factum/Archiv

Ludwigsburg - Großbrand in Deggingen im Kreis Göppingen: in der Nacht auf Montag bricht in einem Dreifamilienhaus ein Feuer aus. Ein 85-jähriger Bewohner stirbt, seine Frau, seine Tochter und ein Feuerwehrmann werden mit Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gebracht. Im medizinischen Idealfall wären die Verletzten unmittelbar nach der Vergiftung in einer Druckkammer behandelt worden, so hätte der 85-Jährige womöglich eine Überlebenschance gehabt. Aber diesen Idealfall gibt es in Baden-Württemberg nicht.

Bundesweit gibt es lediglich sechs Druckkammern, in denen rund um die Uhr eine hyperbare Oxygenierung (HBO) sichergestellt ist. Diese spezielle Sauerstofftherapie gilt bei Medizinern als optimale Therapie bei Rauchgasvergiftungen und anderen Fällen (siehe „Das sollte es uns wert sein“). Im Südwesten gibt es keine HBO-Notfallversorgung – noch nicht. Die Landesregierung will diese Lücke offenbar baldmöglichst schließen. Als idealer Standort dafür gilt Ludwigsburg, auch wegen der zentralen Lage im Herzen des Landes.

Ministerien „arbeiten an einer Lösung“

„Wir haben die Problematik erkannt“, sagt Hermann Schröder, der als Landesbranddirektor im Innenministerium für das Rettungswesen zuständig ist. Schröder bestätigt auf Anfrage, dass „wir gemeinsam mit dem Sozialministerium an einer Lösung arbeiten“. Eine HBO-Notfallversorgung an einem Standort wie in Ludwigsburg, wo die Druckkammer direkt im Klinikum untergebracht ist, sei eine Notwendigkeit. Die Ministerien werden laut Schröder gemeinsam mit den Kassen über die Finanzierung so einer Bereitschaft verhandeln.

Zwar könnte das Land per Sicherstellungsauftrag die Kassen hierzu auch zwingen. Doch Schröder glaubt nicht, dass dieses Instrument nötig sein wird. Ähnlich wie bei der Finanzierung der Notfallsanitäter „werden wir auf jeden Fall eine Verordnung als Rechtsgrundlage brauchen“. Die Kassen selbst wollen sich zu den Verhandlungen nicht äußern, wie Heiko Pappenberger, Sprecher der AOK in Stuttgart, mitteilt. Bislang hatten es die Kassen stets abgelehnt, die 24-Stunden-Bereitschaft zu finanzieren – mit Verweis auf die Kosten, die selten auftretenden Notfälle und die Druckkammern in Hessen oder Bayern.

„Das ist für uns ein Hoffnungsschimmer“

Hoch erfreut von der Zusage der Landesregierung zeigt sich Matthias Ziegler, Regionaldirektor am Klinikum Ludwigsburg: „Das ist für uns ein echter Hoffnungsschimmer.“ Seit dem Umzug der Druckkammer aus Stuttgart nach Ludwigsburg im vorigen Herbst verhandelt er mit den Kassen über die Finanzierung der dortigen HBO-Behandlung. Doch nach ersten positiven Signalen habe er kürzlich ein Absageschreiben erhalten. Die Kassen könnten „nicht erkennen, dass wir ein Spezialanbieter sind“, sagt Ziegler.

Das sei schwer nachvollziehbar, weil es im Südwesten kein vergleichbares Versorgungszentrum mit Druckkammer, umfassender Intensivstation und – ein bundesweites Unikum – einer Kinderstation gibt. Im ersten Halbjahr 2015 sei im Schnitt pro Woche ein Klinikpatient in der Druckkammer behandelt worden, großteils in mehreren Sitzungen. Das Defizit, das nach Abzug der Fallpauschalen von den Krankenkassen, beim Klinikum hängen geblieben sei, „ist bereits sechsstellig“, sagt Ziegler.

„Gewaltige Verbesserung für das Rettungswesen“

Und noch jemand freut sich über die Ankündigung des Landesbranddirektors: „Das wäre eine gewaltige Verbesserung für das Rettungswesen im Land“, sagt Frank Knödler, der Landesfeuerwehrpräsident. Die momentane Versorgung ohne gesicherte Nacht- oder Wochenendschichten sei „sicher nicht der Optimalzustand“. Er denke dabei auch, aber nicht nur an Rauchgasvergiftungen. Davon seien Feuerwehrleute ebenso bedroht wie die Bevölkerung. Zudem könne er sich an einen Fall aus dem vergangenen Jahr erinnern, bei dem ein Feuerwehrmann einen Tauchunfall im Badischen gehabt habe. „Der wurde damals in einer Druckkammer behandelt – zum Glück“, sagt Knödler.




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