Klinikum Stuttgart Mobbing-Fall vor Gericht

Von Jörg Nauke 

Die schlechten Botschaften reißen nicht ab: nach jahrelangen Defiziten erschüttert jetzt auch noch eine Personal-Affäre das Stuttgarter Klinkum. Eine leitende Mitarbeiterin fühlt sich gemobbt.

Harter Job: Mitarbeiter des Klinikums protestieren gegen Personalmangel. Gab es auch Mobbing? Foto: dpa
Harter Job: Mitarbeiter des Klinikums protestieren gegen Personalmangel. Gab es auch Mobbing? Foto: dpa

Stuttgart - Das Stuttgarter Klinikum kommt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Nach Millionendefiziten, einem Abrechnungsskandal um arabische Patienten und einem beispiellosen Aderlass an Führungskräften steht nun der neue kaufmännische Geschäftsführer Alexander Hewer unter Mobbing-Verdacht. Er selbst weist die Vorwürfe zurück. Am Freitag hat die 47-jährige Bauleiterin des Eigenbetriebs vor dem Arbeitsgericht Klage gegen Hewer und die Stadt Stuttgart erhoben. Nach ihrer Aussage hat sie als Folge psychischer und körperlicher Beeinträchtigung im August eine Fehlgeburt erlitten. Der Krankehausbürgermeister Michael Föll (CDU) sagt, das könne er nicht beurteilen, er billige aber das Vorgehen Hewers, die Bauleitung in andere Hände gelegt zu haben. Es habe gravierende Versäumnisse gegeben, nach StZ-Informationen gibt es erhebliche Mängel beim Brandschutz.

Hohes Gehalt fürs Nichtstun?

Beim Gütetermin, der ohne Einigung endete, warf der Rechtsanwalt Stefan Nägele dem Klinikum-Chef vor, seine Mandantin wiederholt gedemütigt zu haben, weil sie sich weigere, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben.

Die Attacken hätten im August darin gegipfelt, dass die Betroffene ihr Büro habe räumen und in ein karg ausgestattetes Zimmer im Schwesternwohnheim in Bad Cannstatt ziehen müssen. Eine Aufgabe habe man ihr seither nicht mehr zugewiesen. Dass sie ihr sechsstelliges Jahresgehalt nun fürs Nichtstun erhalte, stimme nicht, betont Föll. Sie müsse sich um Bautätigkeiten in Bad Cannstatt kümmern. Bisher war sie für die Erstellung des zentralen Neubaus mit einem Volumen von 415 Millionen Euro und die Betreuung der verschiedenen Baustellen des Klinikums im Umfang von einer Milliarde Euro bezahlt.

Sie fordert nun mindestens 25 000 Euro Schmerzensgeld und eine Weiterbeschäftigung als Leiterin des Service Centers Bau und Engineering. Dies erscheint nur für den Fall möglich, dass die Stadt Stuttgart entscheiden würde, sich von Hewer zu trennen.

Die Manager wehren sich

Dessen Anwältin Doris Kilg aus Berlin bezeichnete allerdings die Vorwürfe vor Gericht als falsch, unvollständig, aus dem Zusammenhang gerissen und substanzlos. Es habe keinen Versuch gegeben, die Bauleiterin aus dem Klinikum zu drängen. Allerdings gebe es in der Arbeitswelt häufig unterschiedliche Auffassungen über die Qualität der erbrachten Leistung und Konflikte über die Neuverteilung der Aufgaben. Hewer habe die Klägerin aber nicht gemobbt. Das werde man in der Hauptverhandlung im April auch beweisen.

Der Ärztliche Direktor des Klinikums, Jan Steffen Jürgensen, erinnerte daran, mit Hewer im April „in ein tief krisengeschütteltes Unternehmen“ mit einem Millionendefizit und Problemen bei der Umsetzung großer Bauprojekte eingetreten zu sein. „Wenn die Dinge aus dem Ruder laufen“, müsse man handeln. Konkreter wurde Jürgensen nicht. Er nimmt die Stimmung im Betrieb positiver wahr als der „ein Klima der Angst“ verspürende Anwalt Nägele, Vorsitzender des Fördervereins krebskranke Kinder. Man pflege einen „fürsorglichen, sympathischen Umgang“ mit dem Personal, konterte Jürgensen. Nägele betreibe Diffamierung.

Thomas Adler, Stadtrat der Linken und Mitglied im Krankenhausausschuss, sieht nach der Verhandlung „dringenden Aufklärungsbedarf seitens der Politik“. Er sei „erstaunt und erschüttert“, wie es noch immer am Klinikum zugehe. SPD-Chef Martin Körner sagte, das Thema komme sofort auf die Tagesordnung seiner Fraktion.

Redaktionelle Anmerkung: Der Arbeitsrechtsstreit zwischen der Geschäftsführung des Klinikums der Stadt Stuttgart und dessen früherer Bauleiterin ist beigelegt. Den Tatbestand des Mobbings sah das Arbeitsgericht Stuttgart nicht als erfüllt an. Der ehemaligen Bauleiterin wurde das Recht zugesprochen, auf ihren alten Arbeitsplatz zurückzukehren. Sie hat das Klinikum inzwischen verlassen. Den aktuellen Stand zum Rechtsstreit finden Sie hier.

Sonderthemen