Klinikum Stuttgart Spazierweg soll Patienten auf Trab bringen

Von Tilman Baur 

Ein Rundgang mit vier Stationen in und um das Klinikum soll Patienten nach einer Operation dazu bewegen, sich zu bewegen. Ziel des Hoffnungsspaziergangs ist es, Geist und Körper wieder fit zu machen.

Eine Station des Hoffnungsspaziergangs im Klinikum Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Eine Station des Hoffnungsspaziergangs im Klinikum Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - „Die Ärzte und Pfleger waren toll während meiner Zeit in der Klinik. Am meisten hat mir aber der Humor geholfen“, sagt eine Patientin im Klinikum Stuttgart. Gerade hat sie sich beim Theologen und Clown Ludger Hoffkamp eine rote Clownsnase abgeholt, sie aufgesetzt und dazu noch einen Witz erzählt. Angesichts dieses unerwarteten Auftritts ist Hoffkamp doch etwas baff. Dabei setzt die von Arzt und Komiker Eckart von Hirschhausen ins Leben gerufenen Stiftung Humor hilft heilen, die Hoffkamp vertritt, genau auf diesen Effekt.

Bild zeigt einen Schmetterling

Humor und Hoffnung – das ist das Rezept, mit dem das Klinikum Stuttgart seinen Patienten nach überstandenen Operationen buchstäblich wieder auf die Beine helfen will. Dafür hat die Pflegeabteilung nun den Hoffnungsspaziergang etabliert, einen Rundgang mit zehn Haltepunkten innerhalb des Klinikums. Die Grundidee ist einfach: Patienten, zumal solche, die sich von einer Operation erholen, verbringen lange Zeit im Bett. Wer zu lange bettlägerig ist, läuft jedoch Gefahr, sich Nachfolgeerkrankungen wie Muskelschwund einzuhandeln. Die Initiatoren des Hoffnungsspaziergangs wollen genau das vermeiden. Die Patienten sollen, sobald es ihnen möglich ist, raus aus dem Bett und rein in die Bewegung. Der Rundgang soll ihnen dazu einen Anlass geben.

Ein Bild zeigt einen Schmetterling, der sich auf einem Handrücken niedergelassen hat, ein anderes eine Blumenwiese. Weitere Bilder hat die Stiftung von Eckart von Hirschhausen zur Verfügung gestellt. Anfangs sei man etwas skeptisch gewesen, berichtet Pflegedirektor Oliver Hommel, weil man sich nicht viel unter dem Begriff Hoffnungsspaziergang vorstellen konnte. Doch das habe sich bald geändert, und schon in den ersten Tagen habe er beobachtet, wie gut der Rundgang ankommt.

Kein aufgesetzter Optimismus

Seit vergangener Woche ist er fertig, mitsamt am Boden markierter Wegweiser. Diese sind besonders wichtig, denn viele Patienten würden es aus Angst, sich zu verirren, vermeiden, sich im Krankenhaus zu bewegen, sagt Sandra Cseledes, die das Projekt am Klinikum umgesetzt hat.

Die Erfinderin der Hoffnungsspaziergänge wiederum ist Erziehungswissenschaftlerin Angelika Zegelin. Sie hat das Projekt bereits an verschiedenen Krankenhäusern etabliert. Der Zusammenhang zwischen dem stark strapazierten Wort Hoffnung und dem Heilungserfolg sei durch viele Studien wissenschaftlich erwiesen, sagte Zegelin bei ihrem Fachvortrag vor dem Eröffnungsrundgang. Mit aufgesetztem Optimismus, billigem Trost und illusorischem Denken dürfe man den Begriff aber nicht verwechseln. „Wer hofft, erwartet einen günstigen Ausgang, ist sich aber nicht sicher“, sagte Zegelin.

Die mitunter lebensverlängernde Kraft der Hoffnung verdeutlichte sie am Beispiel eines todkranken Amerikaners, der zwei Jahre länger lebte als vorhergesagt. Was ihn am Leben hielt: Er hoffte, den nächsten „Star-Wars“-Film im Kino sehen zu können.

Sonderthemen