Klinikverbund Südwest „Bei der Flugfeld-Klinik gibt es viele offene Fragen“

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Erstmals meldet sich die Mitarbeitervertretung des Klinikums zum geplanten Großkrankenhaus auf dem Flugfeld zu Wort.

Rechts das Mercedes-Werk, vorne das Raumfahrtzentrum Foto: Klinikverbund/Stampe
Rechts das Mercedes-Werk, vorne das Raumfahrtzentrum Foto: Klinikverbund/Stampe

Der Betriebsrat des Klinikums Böblingen-Sindelfingen hält den Neubau einer Zentralklinik auf dem Flugfeld für sinnvoll, bezweifelt aber die Berechnungen der Gutachter. Wie berichtet, plant der Klinikverbund Südwest, bereits im Jahr 2020 eine Großklinik mit 734 Betten zu eröffnen. 334 Millionen Euro soll der Bau kosten. Die jetzigen sanierungsbedürftigen Häuser in Böblingen und Sindelfingen sollen aufgegeben werden.

In den vergangenen Monaten haben sich die 17 Mitglieder des Betriebsrates, das insgesamt 2000 Mitarbeiter vertritt, intensiv mit der Expertise zur neuen Klinik beschäftigt. Diese war von einer Privatfirma im Auftrag des Klinikverbunds erstellt worden. Der Betriebsrat sehe die Flugfeldklinik zwar als Chance. „Es gibt jedoch noch viele offene Fragen zu klären“, heißt es in einer Stellungnahme des Gremiums. Es reiche nicht, technische Details zu klären, sondern es müsse auch ein medizinisches Konzept entwickelt werden. „Wir wollen ein Gesundheitszentrum und keine Krankenfabrik“, fordert der Betriebsrat. Offen sei beispielsweise welche Stationsgröße sinnvoll sei. Im Gutachten gingen die Experten von Stationen mit etwa 38 Betten aus. „Momentan haben wir 27 Betten“, sagt die Betriebsratschefin Viola Fritsche. Man müsse sich vor der Planung genau überlegen, wie die Arbeit in größeren Stationen organisiert werden kann. Zudem müssten bei einem Neubau auch zukünftige Arbeitsbereiche berücksichtigt werden. So sei bisher nicht geklärt, wie Schmerzpatienten mit einer Palliativbehandlung und Geriatrie-Patienten versorgt werden. Sollte man nicht für diese gleich Stationen einplanen?

Berechnungen werden angezweifelt

Probleme haben die Mitarbeitervertreter aber vor allem mit den Kostenberechnungen. „Die Berechnungen der Gutachter beruhen auf Annahmen, die überdacht werden müssen“, sagt Fritsche. So sei die Rede davon, dass in einer Zentralklinik durch die Zusammenlegung der beiden Häuser Böblingen und Sindelfingen pro Jahr knapp sechs Millionen Euro der heute etwa 70 Millionen Euro Personalkosten eingespart würden. „Diese Einsparung ist nicht belegt“, so der Betriebsrat.

Auch andere Zahlen zweifeln die Mitarbeitervertreter an. Was ist, wenn die Baukosten sich anders entwickeln als geplant? Was bedeutet es für den Klinikbetrieb, wenn statt wie prognostiziert 8000 nur 4000 Patienten mehr pro Jahr die Dienste in Anspruch nehmen? „Wir fordern statt exakter Zahlen einen Kostenkorridor, bei dem mit verschiedenen Zahlen gerechnet wird“, sagt Christoph Ehrensperger, der stellvertretende Vorsitzende. Auf keinen Fall dürften die Bauarbeiten über Einsparungen beim Personal finanziert werden. Und es dürfe auch nicht dazu kommen, dass am Ende die Kosten dem Klinikverbund über den Kopf wüchsen und man deshalb das Krankenhaus privatisiere. „Die kommunale Trägerschaft ist unverzichtbar.“ Ein klares Bekenntnis legen die Sindelfinger und Böblinger Räte auch für den Erhalt der Standorte in Leonberg und Herrenberg ab.

Noch in diesem Herbst sollen nach dem Willen der Gesellschafter die Aufsichtsräte einen Grundsatzbeschluss für einen Klinikneubau fällen. Zum Klinikverbund gehören sechs Krankenhäuser aus den Kreisen Calw und Böblingen. Gesellschafter sind die beiden Landräte sowie der Sindelfinger Oberbürgermeister.




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