Klinikverbund Südwest Neue Struktur soll künftigen Streit verhindern
Nachdem der Geschäftsführer des Klinikverbunds seinen Rücktritt angekündigt hat, soll die Holding neu geordnet werden.
Nachdem der Geschäftsführer des Klinikverbunds seinen Rücktritt angekündigt hat, soll die Holding neu geordnet werden.
Kreis Böblingen - Dass es zwischen Martin Loydl und einem seiner Chefs, dem Calwer Landrat Helmut Riegger, immer wieder Unstimmigkeiten gab, war bekannt. Trotzdem hat der Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest mit der Ankündigung seines Rücktritts wohl alle überrascht. Wie aus Insiderkreisen des Verbunds zu hören ist, rechneten weder Riegger noch sein Böblinger Kollege Roland Bernhard zum jetzigen Zeitpunkt mit einem Rücktritt Loydls.
Ein Streitpunkt zwischen dem Calwer Landrat und dem Klinikverbund-Geschäftsführer sind die Finanzen. Das Defizit für 2020 wird wohl wesentlich größer werden als erwartet – mit etwas unter 30 Millionen Euro wird gerechnet, auch wenn es noch keine offiziellen Zahlen gibt. Vor allem aber stören sich die Calwer daran, dass Loydl nach dem plötzlichen Weggang des medizinischen Geschäftsführers im vergangenen Jahr die alleinige Verantwortung trägt.
Der Landkreis Calw hatte eine Doppelspitze favorisiert, scheiterte jedoch mit diesem Wunsch am Votum der Böblinger Aufsichtsräte, die die Mehrheit in der Holding haben. Die Böblinger wollten nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre, in denen es mit Jörg Noetzel einen zweiten, medizinischen Geschäftsführer gegeben hatte, keine Wiederholung des offenbar problematischen Zustands. Sie waren zudem mit der Arbeit Loydls sehr zufrieden.
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Eine neue Führungsstruktur war entwickelt worden. Darin erhielten neben dem verbliebenen kaufmännischen Geschäftsführer Loydl die drei Ärztlichen Direktoren aller Standorte im Verbund (Böblingen-Sindelfingen, Herrenberg-Leonberg, Calw-Nagold) mehr Gewicht. Doch auch hier gab es bald Wechsel: Christoph Rieß, der Regionaldirektor für die Kliniken Leonberg und Herrenberg, verließ den Klinikverbund Südwest im März 2021. Doch seine Nachfolgerin Barbara Teichmann blieb ihrerseits nur zwei Monate, sie ging angeblich „aus familiären Gründen“.
Erst vor einigen Monaten hatte der Klinikverbund den Vertrag mit Martin Loydl für weitere fünf Jahre verlängert, nachdem der Leonberger Kreis- und Aufsichtsrat Helmut Noë (CDU) zwischen den beiden Kreisen vermittelt hatte. Für das kommende Jahr war eine Evaluation der Ein-Personen-Geschäftsführung geplant.
Die Herausforderungen an den Geschäftsführer sind groß. Sechs Kliniken in den Kreisen Böblingen und Calw gehören dazu, mehrere Riesenprojekte stemmt der Verbund: Investitionen von einer knappen Milliarde Euro, unter anderem für zwei Neubauten auf dem Böblinger Flugfeld sowie in Calw. Krankheitsbedingt war Martin Loydl ausgerechnet mitten in der schwierigen Pandemiezeit für längere Zeit ausgefallen. Diese Erfahrung hatte die Calwer offenbar in ihrem Wunsch nach einem zweiten Geschäftsführer bestärkt.
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Wann Martin Loydl seine Tätigkeit tatsächlich konkret beendet, ist wohl noch nicht klar: „Die Modalitäten der Vertragsauflösung sowie die Nachfolgeregelung für die Geschäftsführung werden wir nun in den zuständigen Gremien in einem konstruktiven Miteinander und ohne Zeitdruck erörtern. Der genaue Zeitpunkt des Ausscheidens wird in enger Absprache mit Herrn Loydl bestimmt, sodass eine geordnete und fundierte Übergabe der Geschäfte erfolgt“, werden der Aufsichtsratsvorsitzende Roland Bernhard und sein Stellvertreter Helmut Riegger, in einer Pressemitteilung gemeinsam zitiert.
In der kommenden Woche ist eine Aufsichtsratssitzung zum Thema geplant. Dann soll beraten werden, wie es weitergeht. Denkbar sind offenbar verschiedene Möglichkeiten. Neben der offiziellen Ausschreibung des Geschäftsführerpostens denkt man wohl auch über eine Neubesetzung der Stelle durch Mitarbeiter aus den eigenen Häusern nach, die schon jetzt in Führungspositionen tätig sind. Diskutiert werden soll auch, ob die komplizierte Organisationsstruktur der Klinikholding nicht vereinfacht werden kann, um künftig Streitigkeiten zwischen den beiden Landkreisen zu vermeiden.