Klinikverbund Südwest Roter Arzt sieht schwarz für die Gynäkologie
Der SPD-Kreisrat und Mediziner Günther Wöhler hält die Zahlen in Leonberg für zu schlecht, um hier dauerhaft Geburtshilfe anzubieten
Der SPD-Kreisrat und Mediziner Günther Wöhler hält die Zahlen in Leonberg für zu schlecht, um hier dauerhaft Geburtshilfe anzubieten
Eines ist Günther Wöhler besonders wichtig: Er will für das Leonberger Krankenhaus „das möglichst Beste“ durchsetzen – könne aber lediglich das „bestmögliche“ anstreben. Der sozialdemokratische Kreisrat kennt sich aus. Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin und hat seine Laufbahn in der Inneren Klinik des Krankenhauses in Leonberg angefangen, bevor er er eine eigene Praxis eröffnet hatte.
Und er ist sozusagen der Vater der Notfallpraxis, die 2004 im Krankenhaus gegründet wurde und seither an den Wochenenden Anlaufpunkt für Notfälle in den Bereichen Leonberg und Ditzingen ist.
„Ich stehe also nicht im Verdacht, gegen unser Krankenhaus zu sein“, versichert Wöhler im Gespräch mit unserer Zeitung. Dennoch springt er seinen Parteifreunden Ottmar Pfitzenmaier und Christa Weiß bei. Der Chef der SPD-Fraktion im Leonberger Gemeinderat und dessen Stellvertreterin hatten unlängst im Sommergespräch mit unserer Zeitung Verständnis für die Absicht des Klinikverbundes gezeigt, die Gynäkologie in Leonberg perspektivisch zu schließen.
Auch Günther Wöhler sieht kaum Möglichkeiten für eine dauerhafte Zukunft der Frauenklinik: „Sie erreicht die für größere Operationen vorgeschriebene Mindestmenge nicht. Deshalb werden etwa Behandlungen bei Brust- und Gebärmutterkrebs bereits jetzt nicht in Leonberg, sondern in Böblingen durchgeführt.“ Wöhler räumt ein, dass Häuser wie Leonberg zu „Opfern der vom Staat und den Kassen initiierten Zentralisierung werden.“
Auch wegen der Personalsituation ist der Sozialdemokrat pessimistisch: Für eine 24-Stunden-Besetzung wäre ein Team von fünf Ärztinnen erforderlich, „um durchschnittlich eine Geburt am Tag zu betreuen. Für diesen Aufwand gibt es weder die Fachkräfte noch das Geld.“ Dass seit zwei Jahren Hebammen im Leonberger Kreißsaal die Entbindungen leiten, habe zu keiner Steigerung der Geburtenzahl geführt. Viele Mütter würden wegen der dortigen Kinderkliniken nach Stuttgart oder Böblingen gehen. Die Befürchtungen von zunehmenden Geburten im Auto hält Wöhler für nicht seriös.
Der Mediziner hat durchaus Verständnis, dass die Hebammen für „ihren“ Kreißsaal einstehen, aber: „Das oft genannte Argument, dass Hebammen die Frauen als ganzen Menschen sehen, während Ärztinnen Frauen lediglich als Patientinnen betrachten würden, wird der zugewandten Haltung vieler Ärztinnen nicht gerecht.“
Auch der „Charme des kleinen Hauses mit einer persönlichen Betreuung“ funktioniere nur an ruhigen Tagen. „Wenn aber mehre Geburten gleichzeitig oder kompliziert verlaufen, muss sich auch in Leonberg die Betreuung der Mütter auf das Nötigste beschränken.“
Gleichwohl ist Günther Wöhler vom Konzept des hebammengeführten Kreißsaals überzeugt und fordert, dass dies auch in der künftigen Großklinik am Böblinger Flugfeld angewandt wird. Deshalb müssten die räumlichen und strukturellen Planungen für die dortige Geburtshilfe entsprechend angepasst und die Erfahrungen der Leonberger Hebammen mit einbezogen werden. Grundsätzlich ist dem Sozialdemokraten um die Zukunft des Leonberger Krankenhauses nicht bange. „30 000 Notfälle in der Klinikambulanz und 20 000 in der Notfallpraxis sprechen eine deutliche Sprache“, sagt der Kreisrat. Anästhesie, Unfallchirurgie und die Innere Klinik mit Bauchchirurgie und Darmzentrum seien wichtige wie starke Standbeine. Den geplanten Ausbau der Altersmedizin hält Wöhler sogar für „überlebenswichtig“.
Denn: „Unsere älteren Patienten kann man nicht so einfach heimschicken“, sagt der Mediziner. „Die Behandlungen nach einer Operation werden an Bedeutung gewinnen.“ Für Günther Wöhler ist das auch eine Frage der Menschlichkeit: „Eine Ambulantisierung, die die Alten außer Acht lässt, wäre schamlos.“