Knall in Ludwigsburg Von der geplanten Stadtbahn bleibt wohl nur ein Bruchteil
Nach langem Hin und Her und vielen Diskussionen hat sich die Stadt Ludwigsburg zu einer Beschlussvorlage durchgerungen. Und die hat es in sich.
Nach langem Hin und Her und vielen Diskussionen hat sich die Stadt Ludwigsburg zu einer Beschlussvorlage durchgerungen. Und die hat es in sich.
Am Ende nützt auch der Name Lucie – Ludwigsburger City-Express – wohl nichts: Die Stadtbahn wird noch in der Planungsphase von der Realität ausgebremst. Die Stadt Ludwigsburg kann sich derzeit nur den Streckenabschnitt von Markgröningen zum Ludwigsburger Bahnhof vorstellen. Der Rest gilt als zu teuer und zu schwierig.
So steht es in einer Vorlage für den Gemeinderat, die am Mittwochabend nur vorgestellt werden, aber nicht diskutiert und auch noch nicht beschlossen werden soll. Das soll erst in zwei weiteren Sitzungen im November geschehen.
Die Vorlage enthält einige Forderungen, die zumindest Stand jetzt nicht erfüllbar sind – und auch Seitenhiebe in Richtung Zweckverband wegen fehlender verlässlicher Zahlen und Problemlösungen.
1. Alles ruht – bis auf Markgröninger Bahn
Für sämtliche Strecken, die vom Bahnhof Ludwigsburg aus weiter in Richtung Remseck oder durch die Innenstadt in Richtung Oßweil und Schlösslesfeld führen sollten, sollen sofort nach Beschlussfassung alle nicht notwendigen Maßnahmen ruhen oder eingestellt werden.
Das heißt: Nur die sogenannte Reaktivierung der Markgröninger Bahn soll weiter verfolgt werden. Für eine mögliche Weiterfahrt in Richtung Remseck sei weder die bereits beschlossene Trasse noch die Alternativtrasse durch die Friedrichstraße akzeptabel. Die Begründung: Ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis, das Risiko einer Kostenexplosion, die Komplexität der Trassenführung, die Auswirkungen auf den Verkehr, der Wegfall von Stellplätzen.
Zudem würden die Betriebskosten für neu gebaute Bahnstrecken nicht gefördert. Und der Zweckverband habe bis heute keine konkrete Aussage getroffen, was da auf die Stadt zukomme. Weitere Kosten könnten entstehen, falls die bestehenden Buslinien künftig nicht mehr eigenwirtschaftlich betrieben werden könnten.
2. Halt im Bahnhof hat Priorität
Der ausdrückliche Wunsch der Stadtverwaltung ist weiterhin die Einfahrt in den Bahnhof. Weil das Gleis 6 nicht lang genug für zwei aneinander gekoppelte Wagenteile ist, soll die Stadtbahn nur in einer Kurzvariante verkehren. Nur falls eine Einfahrt in den Bahnhof gar nicht möglich sein sollte, käme es aus städtischer Sicht in Betracht, die Stadtbahn über die Schlachthofstraße fahren und an der Westseite des Bahnhofs halten zu lassen.
Diese Variante wird aber zugleich äußerst kritisch gesehen: weil sich ein Start des Betriebs wegen der notwendigen Arbeiten am ZOB nicht bis 2031 umsetzen lässt – und weil es dort Probleme mit Radroute, motorisiertem Verkehr und bereits verlegten Leitungen gäbe. Für die Lösung dieser Probleme sei der Zweckverband zuständig.
3. Autonom fahrende Shuttlebusse in der Innenstadt
Für den etwa einen Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen dem Bahnhof und dem Blühenden Barock bringt die Stadtverwaltung autonom fahrende Shuttlebusse ins Gespräch. Denkbar sei es auch, mit solchen Shuttlefahrzeugen das Busliniennetz zu erweitern.
4. Expressbusse Richtung Pattonville
Um die Lücke zwischen dem Ludwigsburger Bahnhof und der SSB-Strecke Aldingen-Pattonville zu schließen, bringt die Stadtverwaltung eine leistungsfähige Expressbusverbindung ins Spiel.
1. Halt im Bahnhof praktisch ausgeschlossen
Ein Halt im Bahnhof ist laut Zweckverband ausgeschlossen, weil damit keine zuverlässige Taktung möglich wäre. Doch auch das als notdürftiger Ersatz angepeilte Gleis 6 hat seine Tücken: Es ist nämlich nicht barrierefrei erreichbar. Das jedoch ist laut dem Allgemeinen Eisenbahngesetz Voraussetzung für eine Förderfähigkeit. Fraglich ist auch, ob nur eine Reaktivierung der Markgröninger Bahn ausreicht, als Teil eines überregionalen Verkehrskonzepts angesehen zu werden. Auch das spielt für die Förderfähigkeit eine Rolle.
2. SSB-Linie alleine wird es kaum geben
Eine SSB-Sprecherin hatte gegenüber dieser Zeitung vor wenigen Wochen erklärt, die Voraussetzung für den Bau der Strecke Remseck Hornbach-Ludwigsburg sei, dass eine standardisierte Bewertung eine Förderfähigkeit nachweise. Sowohl Zweckverbands-Chef Ilk als auch ein Sprecher des Landratsamts waren aufgrund früherer Untersuchungen davon ausgegangen, dass sich dieser „Stummel“ allein nicht rechnet.
Eine neue standardisierte Bewertung zu diesem Teilstück liegt nicht vor. Doch die Stadt möchte ab Pattonville die Planung zur Anbindung an die SSB wie vorgesehen fortsetzen.
3. Ohne SSB-Linie wird nicht über mögliche Erweiterung beraten
Davon, dass die SSB ihre Stadtbahn bis nach Pattonville erweitert, hängt laut Stadt auch ab, ob überhaupt irgendwann über eine mögliche Erweiterung der Stadtbahn nachgedacht wird. Zitat aus der Vorlage: „Erst nachdem die Projektteile Schwieberdingen, Markgröningen, Möglingen bis Bahnhof Ludwigsburg und der Projektteil SSB/Pattonville baulich realisiert und in Betrieb sind, wird der dritte Abschnitt des Projekts durch Ludwigsburg wieder ins Gremium zu weiterer Beschlussfassung eingebracht.“
Landrat Dietmar Allgaier steht dem Vorschlag ablehnend gegenüber: „Das gesamte Stadtbahnnetz von Schwieberdingen bis nach Pattonville mit seinen Verästelungen in die Ludwigsburger Innenstadt ist das Ergebnis langer und einvernehmlicher Diskussionen zwischen Landkreis und den Zweckverbandskommunen. Die Verwaltung der Stadt Ludwigsburg schlägt in ihrer aktuellen Vorlage eine Reihe von Maßnahmen vor, die zum Ziel haben, das bisherige in sich geschlossene und dadurch verkehrlich besonders wirksame Stadtbahnsystem aufzusplitten.“ Einige in der Vorlage beschriebenen Aspekte seien durch Diskussionen mit Ludwigsburgs OB bereits bekannt gewesen. Man werde die Diskussionen und die Entscheidung des Ludwigsburger Gemeinderats abwarten.
Klar sei aber: Falls die Vorlage so beschlossen werde, „wird in der Summe die verkehrliche Wirksamkeit des Systems nicht mehr in dem Maß gegeben sein, wie dies nach aktueller Beschlusslage der Fall ist. So entsteht mit dem Expressbus, der zwischen dem Bahnhof in Ludwigsburg und Pattonville anstelle der Stadtbahn verkehren soll, ein massiver Bruch im Streckennetz, der die verkehrliche Wirksamkeit deutlich herabsetzt. Das gefährdet den volkswirtschaftlichen Nutzen und auch ganz erheblich die Förderungen von Bund und Land für das Infrastrukturprojekt.“
Auch aus Sicht von Zweckverbands-Chef Michael Ilk wolle die Stadt offenbar „nach vielen Jahren den mit Landratsamt und Nachbarkommunen eingeschlagenen gemeinsamen Weg hin zu einer ballungsraumgerechten Mobilität“ verlassen. Und er betont: Auch eine Trasse durch die Friedrichstraße sei, anders als von der Stadt dargestellt, machbar.
1. Remseck
Die Stadtverwaltung Remseck halte selbstverständlich an der geplanten Stadtbahn als zentralem Infrastrukturprojekt fest, teilt Remsecks OB Dirk Schönberger auf Anfrage mit. Die Strecke Remseck Hornbach nach Pattonville sei nicht nur aus Klimaschutzgründen wichtig, sie verringere auch Staus und erleichtere den Verkehrsfluss. Und sie sei ein elementares Projekt für die Stadt Remseck und ihre Bürger.
2. Markgröningen und Möglingen
Die Reaktionen anderer Kommunen im Zweckverband sind wenig erfreut. Sowohl Jens Hübner aus Markgröningen als auch Rebecca Saile aus Möglingen wollen zwar noch abwarten, wie der Ludwigsburger Gemeinderat letzten Endes entscheidet, doch sollte der Beschlussvorschlag so akzeptiert werden, stellen beide den Zweckverband in Frage. Laut Saile wären dann zudem Fragen wie Förderfähigkeit und Kostentragung zu klären. Hübner hält sowohl den Zeitpunkt als auch den Inhalt der Beschlussvorlage für „Hinhaltetaktik.“ Die von der Stadtverwaltung gewünschte Bahnhofseinfahrt sei laut Kosten-Nutzen-Analyse eindeutig schlechter und bereite große Probleme. Die Stadt wolle lieber das ganze Projekt gefährden, als einige hundert Meter Straße für die Stadtbahn umzurüsten.
3. Kornwestheim
Kornwestheims OB Nico Lauxmann möchte abwarten, ob der Beschluss so gefasst wird. Erst danach werde man dies im Zweckverband Pattonville bewerten und die weitere Vorgehensweise mit den Partnern festlegen.