Kneipen-Schau Erinnerungen an die Musberger Gastroszene – Im Café Schmohl groovte der Beat

Markus Heinle hat den Stammtisch der Musberger „Sonne“ in der Seniorenresidenz Sonnenhalde mit Originalmöbeln wiederbelebt. Foto: TuK

Die Schau „Verhockt scho wieder“ über die Musberger Gastroszene war vor zwei Jahren ein Publikumserfolg. Als „Nomol verhockt“ war sie jetzt im Seniorenzentrum Sonnenhalde zu sehen.

Lokales: Armin Friedl (dl)

Tisch und Stühle sowie ein Buntglasfenster – alles Originalteile aus dem Musberger Gasthaus „Zur Sonne“ – waren jüngst in der Seniorenresidenz Sonnenhalde aufgestellt. Eine Disco-Glitzerkugel hatte sich ebenfalls in das Arrangement eingefügt. Für die Bewohner war die Szenerie zum einen die Aufforderung, sich die kleine Ausstellung anzuschauen. Und zum anderen das Angebot, sich gemütlich zusammenzusetzen, oder wie der Schwabe zu sagen pflegt: Hinzuhocken, um sich auszutauschen.

 

Lebhafte Erinnerungen an die guten alten Zeiten

Gleich vier Stammtisch-Termine gab es im Oktober und November in der Seniorenresidenz, an denen vor allem die Bewohner des Heims gefragt waren, aber auch Besucher von außen kamen. „Alle vier Termine waren bestens besucht“, freut sich Irina Jesinger, Kunsttherapeutin in der Sonnenhalde.

Jesinger hat gemeinsam mit Markus Heinle, vom Musberger Theater- und Kulturverein, dafür gesorgt, dass die Ausstellung „Verhockt, scho wieder“, die er er vor zwei Jahren mit Herbert Burkhardt entwickelt hatte, in der Sonnenhalde eine Art Neuauflage bekommt. Der passende Titel für die Schau über die Musberger Gastroszene bei den Senioren: „Nomol verhockt“.

Der Grund für den Titel liegt nahe: Etliche der Bewohner werden sich in den Kneipen und Gasthöfen früher wohl gefühlt haben. Und mit der Ausstellung im Seniorenzentrum sowie dem Stammtisch-Arrangement bot sich eine gute Gelegenheit, die alten Erinnerungen aufzufrischen. „Da ging es sehr lebhaft zu“, erzählt Jesinger. „Vor allem wenn es um das Café Schmohl ging, wurden die Erinnerungen sehr intensiv ausgetauscht“. 

Für alle, die mit der Musberger Kneipenszene nicht so bewandert sind: Das Café war vor allem in den 1950er bis 1970er Jahren ein Ort, der von den Betreibern mit vielen innovativen Ideen neu bespielt wurde. Es gab auch einen Kellerraum speziell für Jugendliche. Etliche Musberger dürften dort zum ersten Mal mit Beatmusik konfrontiert worden sein. „Eine Frau hat berichtet, dass sie im Café Schmohl ihren Mann kennen gelernt hat, den sie dann später auch geheiratet hat. Das war für alle sehr bewegend.“

In den Festsälen blühte das Vereinsleben

Essen und Trinken war das eine, das die Musberger in ihre Lokale trieb. Das andere war das Vereinsleben: Viele Feste, Wettbewerbe und andere Veranstaltungen haben die Vereine in den Lokalen veranstaltet. Denn einige wie die „Sonne“ hatten größere Festsäle angebaut, in denen bis zu 500 Leute unterkamen. „Wer war früher mal in welchem Verein, welche sportlichen Erfolge errungen hat, welche Leute er kennengelernt hat – das war eine Thematik, die viele interessierte. Da gab es viele bewegende und freudige Momente. Andere waren in Theatergruppen, sind dort erstmals in ihrem Leben vor Publikum aufgetreten“, weiß Jesinger.

Links das Arrangement Eselsmühle, rechts das Café Schmohl. Foto: TuK

Die Senioren tauschten sich aber nicht nur über die frühere Gastroszene aus – auch der Wintersport war ein Thema. „Viele waren in ihrer Jugend in Musberg zum Skifahren. Die kamen nicht nur vom Ort, sondern auch von weiter her“, berichtet Jesinger. „Manche erinnerten sich, dass die Leute auch von weiter weg nach Musberg kamen.“ Kein Wunder: Früher schienen die Skigebiete in Österreich oder in der Schweiz noch unerreichbar fern und waren zudem für viele nicht finanzierbar. Skifahrer, die damals in den Stuttgarter Stadtteilen Rohr oder Vaihingen lebten, gingen oft zu Fuß nach Musberg.

Das Resümee der Kunsttherapeutin? „Es ist immer sehr wichtig, dass man sich an möglichst viele Teile seiner Biografie erinnert, ob freudige oder weniger freudige Erinnerungen. So ein Gedächtnistraining, so ein Bewahren der Erinnerungen, das ist ein hervorragendes Mittel gegen Demenz.“ Und wenn das dann auch noch spielerisch gelingt – mit Stammtisch-Atmosphäre und Akkordeon-Musik – umso besser.

Jetzt konnte alles in Ruhe betrachtet werden

Doch die Fortsetzung der Ausstellung „Verhockt“ gefiel nicht nur wegen des Stammtisches. „Für etliche war vor zwei Jahren der Weg ins Stadtarchiv zu beschwerlich. Und sie hatten dort Mühe, die Tafeln zu lesen mit den vielen Informationen und den vielen Bildern“, berichtet Jesinger. In der Sonnenhalde konnten sie dies in Ruhe nachholen. Und Ausstellungsmacher Heinle hatte etliche Fotos und Texte vergrößert, damit sie anschaulicher werden. Geht es nach den beiden, würden sie die nächste Ausstellung zu Musberg und zur Ortsgeschichte wieder anbieten – in der Sonnenhalde.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu kneipen Seniorenzentrum Sonne