Knigge vom Forstamt Wie man sich im Wald zu benehmen hat

Von Felizitas Eglof 

Durchs Unterholz pesende Mountainbiker, kommerzielle Pilzsucher und Gassigeher – der Mensch ist zu Gast im Wald. Weil das nicht allen klar ist, gibt es nun einen Knigge vom Forstamt Esslingen.

Der Wald ist schön – braucht aber auch seine Ruhe. Foto: Fotolia
Der Wald ist schön – braucht aber auch seine Ruhe. Foto: Fotolia

Filder - Dem Trubel und Lärm der Stadt entfliehen, zur Ruhe kommen im Einklang mit der Natur – danach sehnen sich viele Menschen und finden in Wäldern einen Ort, an dem sie herunterfahren können. Jedoch nutzen viele den Wald auch fürs komplette Gegenteil, nämlich um Adrenalinkicks zu bekommen. Sei es auf dem Mountainbike oder als nächtlicher Schatzsucher, auch Geocacher genannt. Das sie bei ihrem Vergnügen einen wichtigen Lebensraum in Gefahr bringen, ist vielen nicht bewusst. Deswegen hat das Forstamt Esslingen nun einen Wald-Knigge veröffentlicht.

Was schadet dem Wald?

Egal ob Mountainbiker, Reiter, die abseits der Fahrwege unterwegs sind, oder Geocacher, die nach versteckten Schätzen suchen – diese Freizeitaktivitäten stören den Wald. Geocacher, die meistens bei ihrer Suche quer durch den Wald stiefeln, knicken Jungbäume um oder bahnen Trampelpfade durch geschützte Lichtungen. Oft sind die modernen Schatzsucher nachts unterwegs, was während der Jagdsaison sehr gefährlich werden kann.

Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner frei laufen lassen, müssen im Wald achtsam sein. Hunde seien von Natur aus Jäger und hätten einen Urinstinkt, so das Forstamt. Mountainbiker, die querwaldein pesen, hinterlassen Reifenspuren, die sich bei Regen in Erosionsrinnen wandeln.

Wie verhält man sich rücksichtsvoll?

Grundsätzlich gilt: Man sollte auf den befestigten Wegen bleiben, dann kann am wenigsten passieren. Für Mountainbiker gibt es oftmals speziell ausgeschilderte Routen, die sie ohne Bedenken nutzen können. Diese beschränkten Wege seien sinnvoll, da dadurch Pflanzen geschont und Tiere nicht aufgeschreckt werden. Geocacher sollten am besten nur tagsüber nach ihren Schätzen suchen und diese auch nicht im Unterholz verstecken. Denn dort suchen Jungtiere Schutz, die nicht gestört werden sollten.

Hundebesitzer sollten derweil sicherstellen, dass ihre Vierbeiner ebenfalls auf den gekennzeichneten Waldwegen bleiben. Außerdem sollen sich Waldbesucher laut dem Esslinger Forstamt eines bewusst machen: „Bedenken Sie, dass Sie zu Gast im Wald sind und dass diese Lebensgemeinschaft nicht gestört werden soll“, heißt es.

Wie ist die Lage auf den Fildern?

Der Filderstädter Förster Eckard Hellstern ist mit den Waldbesuchern auf den Fildern alles in allem zufrieden: „Bei uns halten sich die Probleme im Wald insgesamt in Grenzen. Es sind viele Leute im Wald unterwegs, aber die meisten verhalten sich rücksichtsvoll.“ Nur einige wenige würden über die Stränge schlagen. So muss Eckard Hellstern immer mal wieder selbst gebaute Mountainbikerampen entfernen oder plattmachen. „Die Biker sind echt kreativ und bringen Schaufeln mit, um Erdwälle aufzubauen“, berichtet der Förster aus Filderstadt. „Leider gefährdet das aber die Tierwelt und muss deswegen entfernt werden.“

Auch kommerzielle Pilzsucher machen den Wäldern zwischen Filderstadt, Plattenhardt und Neuhausen zu schaffen. „Da kommen oft zehn Sammler auf einmal und grasen jeden Fleck im ganzen Wald ab“, sagt Eckard Hellstern. Das sei schlecht für das Ökosystem. Außerdem nimmt ein weiteres Problem zu: „Viele Hundebesitzer werfen achtlos ihre Hundekotbeutel in den Wald. Die Plastiktüten sind ein extremer Schaden für das Gebiet“, sagt er.

Einen Knigge für die Filder hält der Förster aus Filderstadt nicht für notwendig: „Ich glaube, die, die sich jetzt schon nicht an die Regeln halten, würden das auch nicht wegen so eines Knigges tun.“ Jedoch betont er, dass die Störenfriede nicht die Mehrheit sind. „Allgemein gilt, man darf gern in den Wald gehen und diesen genießen, jedoch beherbergt der Wald eine frei lebende Tierwelt, auf die man Rücksicht nehmen muss.“