Ein Koala in der Terra Australis: Nach dem Tod des vierten Koalas ist die Zucht in der Wilhelma in die Diskussion geraten. Foto: Iris Frey
Vier tote Koalas und explodierende Futterkosten: Das 12-Millionen-Euro-Vorzeigeprojekt der Wilhelma ist ins Wanken geraten. Die Verantwortlichen müssen umdenken, meint unsere Expertin.
Apropos teuer: Die Terra Australis, die 2023 eröffnet wurde, ist eines der aufwendigsten Artenschutzprojekte der jüngsten Zeit in der Wilhelma. Allein zwölf Millionen Euro hat der Umbau des ehemaligen Menschenaffenhauses das Land gekostet. Der Wilhelma-Förderverein hat 1,2 Millionen Euro zugesteuert. Die Kosten für die Haltung der Koalas schlagen ebenfalls zu Buche, vor allem was das Futter betrifft. Grund ist der Handelskonflikt mit den USA. Denn im Winter muss auch Eukalyptus, die einzige Nahrung der Koalas, aus Florida von der Wilhelma importiert werden.
So betrug der Aufwand für die Beschaffung des Futters für das ursprünglich fast halbe Dutzend Koalas im vergangenen Jahr rund 144 989 Euro – fast ein Fünftel der gesamten Futterkosten in der Wilhelma. Tendenz steigend. Als die Entscheidung, sich am Artenschutz beteiligen zu wollen einst fiel, war die Kassenlage noch nicht so angespannt wie heute. Stuttgart ist nach Leipzig, Dresden und Duisburg der bislang letzte Zoo, der sich dem Thema Koala-Nachzucht widmet.
Alle drei in der Wilhelma geborenen Jungtiere gestorben
Die Freude über den Nachwuchs – insgesamt drei Jungtiere – war in Stuttgart groß gewesen: Gut für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP), an dem sich die Wilhelma als Mitglied des Europäischen Zoo- und Aquarienverbandes (EAZA) beteiligt (das EEP kümmert sich um den Erhalt von 500 bedrohten Tierarten). Da könnte man sagen, angesichts der hohen Anforderungen muss man auch Rückschläge einstecken können. Schließlich hat die Wilhelma schon einiges in der Pflege dazugelernt und ließ die Tiere etwa gegen Bordetellen impfen. Doch einen generellen Schutz gegen sämtliche Gesundheitsprobleme, die auftreten können, gibt es nicht. Es zeigt sich am Ende: Die Pflege ist doch zu schwierig. Andererseits sorgt der sich fortsetzende Klimawandel für immer mehr Buschbrände und die Vernichtung dieser endemischen Tierart, die nur in Australien vorkommt.
2023 erst ist die Terra Australis mit dem Ziel des Koala-Artenschutzes in der Wilhelma eröffnet worden. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko
Weiter Koala-Schutzprojekte in Australien fördern
Deshalb ist es grundsätzlich gut, dass die Wilhelma sich für die bedrohten Tierarten einsetzt. Das sollte sie auch weiter tun, auch mit der Terra Australis. Und mit der Einrichtung weiter aufklären und Spenden sammeln. Diese Gelder sollte sie aber verstärkt in Koala-Schutzprojekte in Australien direkt einsetzen. In der Freiheit leistet jeder neu geborene Koala einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Ökosystems und trägt zur Regeneration der Wälder und zur biologischen Vielfalt bei. Im Zoo bildet er lediglich eine Reserve.
Wahrscheinlich sind die Umstände für die Nachzucht dieser empfindlichen Tierart hierzulande doch zu kompliziert und anspruchsvoll. Falls ein Gehege der Koalas frei wird, könnte es ja dann etwa für das Baumkänguru von nebenan genutzt werden, welches dann mehr Platz und Sichtbarkeit erhielte.