Kobra in Sachsenheim Das sagt ein Experte zur Aufregung

Daniel Schmenger Naturpädagoge & Artenschutzreferent Foto: privat/Daniel Schmenger
Daniel Schmenger Naturpädagoge & Artenschutzreferent Foto: privat/Daniel Schmenger

Eine vermeintlich giftige Kobra, die sich als Ringelnatter entpuppte, sorgte am Wochenende für Aufruhr. Was sagt ein Naturpädagoge und Artenschutzreferent dazu?

Volontäre: Lotta Wellnitz (loz)
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Ludwigsburg - In Sachsenheim hat am Wochenende eine vermeintlich gefährliche Schlange die Bevölkerung in Atem gehalten. Zurecht? „Schlangen sind nicht automatisch gefährlicher, nur weil sie giftig sind“, weiß Daniel Schmenger, Naturpädagoge und Artenschutzreferent.

Herr Schmenger, wie kann es sein, dass in der Aufregung Ringelnatter und Kobra verwechselt werden?

In erster Linie entsteht so eine Panik, weil meistens Laien vermeintlich gefährliche Tiere finden. Denen spielt ihr Gehirn einen Streich. Sie gehen immer vom Schlimmsten aus, lesen etwas, stellen Vermutungen an und verbreiten dann Unwahrheiten. Daraus wird dann eine Prognose gemacht, um welches Tier es sich handelt. Da werden Handyvideos von angeblichen Experten interpretiert, dabei gibt es nur wenige Menschen, die das überhaupt können. Die gefundene Ringelnatter hat wahrscheinlich ein außergewöhnliches Verhalten gezeigt. Normalerweise ist sie nicht so mutig und baut sich auf. Wahrscheinlich wollte sie angeben und zeigen, dass hier jemand liegt.

Also war die ganze Aufregung umsonst?

Ich denke, sie war nicht vonnöten. Ich selbst war schon auf der Suche nach Giftschlangen und habe nie eine gefunden. Die Wahrscheinlichkeit, auf eine zu treffen, ist sehr gering. Außerdem ist es generell so, dass bei uns verloren gegangene Schlangen meistens ungiftig sind. Oft sind sie auch krank oder schon tot. Überhaupt sind Schlangen wechselwarme Tiere. Tropische Schlangen sind hohe Temperaturen gewöhnt, würden gerade also gar nicht rauskommen und sich bewegen, sondern einfach nur daliegen. Aber normalerweise interessieren wir die Schlangen nicht, die kriechen weg. Und wir treten ja auch nicht einfach auf sie drauf. Beim Spazierengehen sind sie meist gut erkennbar. Abseits der Wege könnte das eher passieren. Dann gilt: beobachten, Ruhe bewahren und langsam zurückgehen. Der Verdacht, dass es sich dabei um eine Giftschlange handeln könnte, ist aber in aller Regel falscher Alarm.

Könnte eine Kobra gefährlich werden?

Theoretisch ja, weil sie giftig ist. Hier entkommene und gefundene Tiere sind aber selten gefährlich. Da sind es einheimische Wildschweine schon eher. Eine Kobra würde nie durch die Wälder streifen, sondern sich lokal aufhalten. Aber es ist wie bei uns Menschen. Sind wir in einem Aufzug mit vielen anderen und werden berührt, fühlen wir uns unwohl. Die Grenze zur Privatsphäre ist überschritten. So ist es bei der Kobra auch. Sie gibt dann etappenweise Warnsignale ab, richtet sich auf und faucht, je nach Art. Nähert man sich, kann sie einen Verteidigungsbiss abgeben. Da ist kein bis wenig Gift drin. Daher überleben die meisten einen Angriff. Schlangen sind nicht automatisch gefährlicher, nur weil sie giftig sind. Riesenschlangen fressen auch keine Menschen, außer sie verwechseln wegen ihrer schlechten Augen zum Beispiel ein Kleinkind mit einem Wasserschweinbaby. Aber auch das ist selten.




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