Kochen im Freien Angeberküche für den Garten
Wer es sich leisten kann, bekocht seine Gäste auch mal draußen. Stylische Outdoor-Küchen dienen der Inszenierung des genussvollen Lebens – und dem Prestige.
Wer es sich leisten kann, bekocht seine Gäste auch mal draußen. Stylische Outdoor-Küchen dienen der Inszenierung des genussvollen Lebens – und dem Prestige.
Stuttgart - Nicht erst seit dem heißen Sommer kocht und brät der Mensch gern im Grünen. Schon vor gut einem Jahrzehnt prognostizierte die niederländische Trendforscherin Li Edelkoort, dass sich das Wohnen zunehmend nach außen verlagert und umgekehrt die Natur ins Haus dringt. Sichtbar wurde die Verzahnung von innen und außen zunächst in repräsentativen Outdoor-Sitzlandschaften, wie man sie vom Design her aus schicken Wohnzimmern kennt. Dann drängte auch das Kochen ins Freie.
Nach den Machern der diesjährigen Messe Home & Garden in Köln stellt die Outdoor-Küche einen „unübersehbaren Trend“ dar – samt „Küchenzeilen mit Herd, Spüle und großen Arbeitsflächen“. Von einem Boom will Tobias Naegele aber nicht sprechen. Der Gardelino-Geschäftsführer, der sich vor gut 15 Jahren auf die Beratung rund um Outdoor-Küchen und den Handel mit passenden Geräten und Möbeln verschiedener Anbieter spezialisiert hat, sagt: „Die Outdoor-Küche ist noch immer ein Nischenprodukt, und das wird auch so bleiben.“
Ohne Frage aber gewinne die Außenküche, die in den USA verbreiteter sei als der Standgrill, auch hierzulande an Bedeutung. „Da kommt einiges zusammen: die Lust, sich im Freien aufzuhalten, gemeinsam zu grillen, zu kochen und zu genießen, und der Hang zum Cocooning“, wie der Rückzug ins Private genannt wird.
Nicht zuletzt taugt die Zweitküche im Freien als neues Statussymbol. Schon allein, weil sich vor allem Hausbesitzer eine solche in den Garten oder auf die Terrasse stellen. Häufig eigenhändig, wie Naegele bestätigt. Mehr als die Hälfte der Gardelino-Kunden mauern ihre Outdoor-Küche selbst und investieren vor allem in Einbaugeräte. „Der Durchschnittspreis beim Selbstbau liegt um die 5000 Euro“, sagt der Experte.
Wer seine Outdoor-Küche lieber als fertige Kochzeile mit optional wählbaren Geräten kauft, landet schnell bei 10 000 bis 15 000 Euro und darüber. „Wir vermitteln unseren Kunden für die Planung und Umsetzung auch Kooperationspartner aus dem Garten- und Landschaftsbau, Schreiner oder Ofenbauer“, sagt Naegele.
Ob individuell entworfen und erbaut, aus einzelnen Fertigmodulen zusammengesetzt oder als kompakte Küchenzeile auf Rollen: Ist die Außenküche installiert, lässt sich dort die Lust an kulinarischen Genüssen inszenieren – umgeben von der Familie oder dem Freundeskreis. Von einer „neuen Geselligkeit“, die den Garten zum „sozialen und kommunikativen Treffpunkt“ macht, sprach Ursula Geismann, Sprecherin und Trendexpertin der Deutschen Möbelindustrie, im Rahmen der diesjährigen Kölner Möbelmesse.
„Eine Außenküche lebt von den Annehmlichkeiten, die sie bietet“, sagt Naegele. „Habe ich draußen neben dem Grill auch eine Arbeitsfläche und fließend Wasser, entwickelt sich aus dem Grillverhalten schnell ein Kochverhalten.“ Und dies in der Regel als Gemeinschaftserlebnis, ohne dass die Gastgeber zwischen hausinterner Küche und Essplatz im Grünen hin- und herpendeln müssen.
Obst, Gemüse und Salat werden an einer Spüle mit Gartenschlauchanschluss gewaschen, die Speisen über einem Grillrost oder auf einem Kochfeld zubereitet und auf einer Theke angerichtet, Getränke und Dessert aus einem mit Eiswürfeln bestückten Kühlfach entnommen oder sogar aus einem richtigen Kühlschrank.
Dass eine Außenküche wenig mit Lagerfeuerromantik, sondern mehr damit zu tun hat, das Private – auch Instagram- und Pinterest-tauglich – öffentlich zu machen, lässt sich an den für den Außenbereich gedachten Kochgeräten ablesen. Ob Drehspieß, Wok-Station, Smoker, heißer Stein, Pizzaofen, eiförmiger Keramikgrill, heiße Plancha-Platte oder Fritteuse – mit derlei Hightech lässt sich Eindruck schinden. Sogar für regionale Spezialitäten wie ein Schweizer Fondue gibt es entsprechende Einsätze für Garten-Öfen. Es gibt quasi nichts mehr, was es nicht gibt. Bei den Flächen und Fronten bestimmen robuste, aber nicht unbedingt rustikale Materialien das Design. Häufig kommen Edelstahl, Teakholz, Granit und Beton zum Einsatz.
„Die Entwicklung geht zur hochwertigen Komplettausstattung und zum Zweitgerät“, sagt Tobias Naegele. Das kann die Kombination von Gas- und Holzkohlegrill sein, ein weiteres Kochfeld oder ein extra Backofen für die Zubereitung von Pizza. Grill-Hersteller wie Lynx California, BeefEater und Napoleon bieten eine große Auswahl an Garstationen, die mit Gaskartuschen oder Strom betrieben werden. Gut, wer da eine Steckdose in der Nähe hat.
Und was ist, wenn kein Garten, sondern nur ein Balkon zur Verfügung steht? „Wird die Statik beachtet, kann man eine Outdoor-Küche auch auf dem Balkon realisieren“, meint Naegele. Allerdings ist spätestens dann an die Nachbarn zu denken. Dass beim Grillen, Räuchern und Braten an der frischen Luft die Wohnung frei von Essensgerüchen bleibt, freut zwar den Outdoor-Chef, kann die Mitmenschen in der Nähe aber auf die Palme bringen. Zumal zu den Geruchsschwaden die akustische Beschallung durch die muntere Gästeschar kommt.
Und gerade auf dem Balkon tut es auch ein Modul mit Arbeitsfläche als Ergänzung zum Grill oder eine kompakte Kombination auf Rollen. Solche erweiterbaren Einheiten haben Naber, Röshuls, Alpes Innox, Burnout, OutStanding oder OneQ im Programm. Besonders stylish: die vier Elemente Cook, Store, Ice und Wash der Südtiroler Firma Wirfel, die sich nach Belieben kombinieren lassen.
Auch wer Garten oder Terrasse nur ab und zu in eine Showküche verwandelt, ist mit flexiblen Modulen, die im Keller überwintern, besser bedient als mit einer fest installierten Außenküche.
Eines ist sicher: Im Bekanntenkreis machen sich Besitzer von Gartenküchen schnell Freunde. Sympathiepunkte gibt es aber nicht nur von den Nutznießern, sondern auch von der Internetgemeinde, sofern entsprechende Fotos oder Videos gepostet werden. Auch das dürfte die Eventisierung des halb öffentlichen Kochens weiter befeuern.
Bauordnung und Infrastruktur
: Soll für die Outdoor-Küche eine Überdachung gebaut werden, kann das wie auch die Installation eines Pizzaofens unter die örtliche Feuerstättenverordnung fallen und muss genehmigt werden. Auch die Bauordnung der jeweiligen Gemeinde ist zu beachten.
Wird eine Spüle über den Gartenschlauch mit Wasser versorgt, handelt es sich in der Regel um Brauchwasser. Wer in der Outdoor-Küche über Trinkwasser verfügen will, sollte besser eine Wasserleitung installieren oder das Trinkwasser aus dem Haus holen.
Wer in der Gartenküche Strom hat, ist auch beim Kochen flexibler. Der Betrieb einer Kochplatte, eines Mixers oder eines Kühlschranks wird möglich und eine elektrische Beleuchtung.