Die Köngener Fairtrade Town Steuerungsgruppe spendet faire Spielgeräte an die Fußballjugend des TSV Köngen – auch mit der Prämisse, so Appetit auf mehr zu machen.

Ein Fußball ist echte Maßarbeit: Das Spielgerät besteht in der Regel aus 20 sechseckigen und 12 fünfeckigen Feldern, die zunächst zugeschnitten und mit 18 Metern Garn und 650 Präzisionsstichen zusammengefasst werden. Etwa 70 Prozent aller handgenähten Sportbälle werden in Fabriken in Pakistan hergestellt, aber auch in China, Indien, Thailand oder Vietnam. Was viele nicht wissen: Bei der Herstellung sind Zwölf-Stunden-Schichten und Sechs- oder Sieben-Tage-Wochen üblich, meist schuften Frauen und Kinder unter übelsten Arbeitsbedingungen und bei ungerechter Bezahlung. Frauen werden regelmäßig diskriminiert und belästigt. Viele der Kinder sehen nie eine Schule von innen, sondern müssen von klein an in der Fabrik arbeiten.

 

Vernünftige Arbeitsbedingungen und anständige Bezahlung

Es geht aber auch anders: Es gibt fair gehandelte Bälle, die werden zwar ebenfalls meist in Pakistan hergestellt – aber unter vernünftigen Arbeitsbedingungen und anständiger Bezahlung. Dazu garantiert das Siegel etwa eine Gesundheitsversorgung für die Arbeiter und dass es keine Diskriminierung gibt.

Zehn dieser mit dem Fair-Trade-Siegel ausgezeichneten Fußbälle hat die Fairtrade Town Steuerungsgruppe Köngen nun den Nachwuchskickern des TSV Köngen gespendet. „Wir wollen damit zeigen, dass es auch anders geht und dass fair gehandelte Bälle anderen Produkten in keiner Weise nachstehen“, erklärt Gerhard Gorzellik von der Steuerungsgruppe. Bei den Köngener Fußballern kam die Aktion gut an. „Wir haben einen hohen Ballverschleiß, legen aber Wert darauf, dass jedes Kind im Training einen vernünftigen Ball zu Verfügung hat“, sagt der langjährige Köngener Jugendleiter Andreas Förster – insofern sei man sehr dankbar über die Spende.

Das Urteil fiel durchweg positiv aus

Bislang hatten die Köngener Kicker aber keine fairen Bälle im Einsatz, insofern wurden die neuen Spielgeräte gleich intensiv getestet. Das Urteil fiel durchweg positiv aus: Von der Qualität her seien die Bälle keineswegs schlechter als andere, sagt Jugendtrainer Steffen Genal: „Die liegen perfekt auf dem Fuß.“ Auch den Praxistest durch die Köngener D-Jugend-Fußballer bestanden die neuen Spielgeräte mit Bravour: „Der fühlt sich richtig gut am Fuß an“, bestätigt Maxi. Sein Teamkollege Manuel kann ebenfalls keinen Unterschied feststellen: „Die Bälle sind prima“, freut sich der Elfjährige.

Wenn man damit erreiche, dass in den Vereinen so Appetit auf mehr gemacht werde, sei viel gewonnen, erklärt Gorzellik, der für die SPD auch im Köngener Gemeinderat sitzt. Die Steuerungsgruppe hat immer noch einige der fairen Bälle in petto – sie waren eigens für ein Torwandschießen zum großen Ortsfest anlässlich der 950-Jahr-Feier im Juli angeschafft worden. „Die wollen wir an die Köngener Schulen weitergeben“, kündigt Gerlinde Maier-Lamparter von der Steuerungsgruppe an. Das lokale Netzwerk koordiniert in Köngen seit vielen Jahren die Aktivitäten zum fairen Handel und fördert den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft. Die Steuerungsgruppe zeichnet sich auch dafür verantwortlich, dass die Gemeinde seit 2017 „Fairtrade-Town“ ist – erst vor Kurzem wurde der Titel zum vierten Mal rezertifiziert.

Weitere Mitstreiter werden gesucht

Weitere Aktionen sind zum Beispiel fair gehandelte Snacks für Erstklässler und die Unterstützung der Köngener Kindergärten, sich zu einer „Fairen Kita“ zu entwickeln. Letzteres mit Erfolg: Von den insgesamt fünf kommunalen Einrichtungen sind bereits vier als „Faire Kita“ zertifiziert, auch die letzte habe sich bereits auf den Weg gemacht, sagt Maier-Lamparter stolz: „Und bei den kirchlichen Einrichtungen gibt es inzwischen großes Interesse Faire Kita zu werden.“ Um den fairen Gedanken noch fester in der Kommune zu verankern, werden weitere Mitstreiter gesucht: Wer Interesse an der Arbeit der Köngener Steuerungsgruppe an, kann sich per Mail melden (ftt-koengen@web.de).

Aktuell läuft die „Faire Woche“, Deutschlands größte Aktionswoche für den Fairen Handel. Bis zum 26. September gibt es unter dem Motto „Fair handeln – Vielfalt erleben!“ bundesweit über 1600 Aktionen, damit sich mehr Verbraucher für fairen Konsum entscheiden und engagieren. Im Köngener Weltladen, der seit über zehn Jahren gebrauchte Handys sammelt und recycelt, steigt etwa eine „Handy Challenge“: Wer bis zum 30. September die meisten Handys im Weltladen abgibt, erhält einen fairen Preis.