König Felipe VI. von Spanien Eine neue Monarchie für eine neue Zeit

Von SIR/dpa 

Der neue König von Spanien Felipe VI. will das Image des Königshauses wieder auf Vordermann bringen. Königin Letizia lächelt schon mal, was das Zeug hält. Tausende Schaulustige jubeln. Proteste von Monarchie-Gegnern sind verboten.

König Felipe VI. von Spanien mit seiner Frau Königin Letizia und ihren Töchtern Prinzessin Leonor (links) und Prinzessin Sofia (rechts). Die königliche Familie winkt der Menge zu. Foto: dpa 40 Bilder
König Felipe VI. von Spanien mit seiner Frau Königin Letizia und ihren Töchtern Prinzessin Leonor (links) und Prinzessin Sofia (rechts). Die königliche Familie winkt der Menge zu. Foto: dpa

Der neue König von Spanien Felipe VI. will das Image des Königshauses wieder auf Vordermann bringen. Königin Letizia lächelt schon mal, was das Zeug hält. Tausende Schaulustige jubeln. Proteste von Monarchie-Gegnern sind verboten.

Madrid - Felipe VI. will als „Bürgerkönig“ das angekratzte Image der spanischen Monarchie wieder aufbessern. „Die Krone muss die Nähe zum Bürger suchen“, sagte der 46-Jährige am Donnerstag in seiner Antrittsrede im Parlament in Madrid. Das Königshaus müsse wieder zu einer „moralischen Autorität“ werden. Felipe trat als jüngster König Europas die Nachfolge seines Vaters Juan Carlos an, der am Vortag nach fast vier Jahrzehnten abgedankt hatte. Tausende Schaulustige jubelten dem neuen König und seiner Frau Letizia zu, als sie durch das Zentrum Madrids fuhren. Wenige Monarchie-Gegner protestierten.

Neben der neuen Königin Letizia (41) und seinen Töchtern Leonor (8), der neuen Thronfolgerin, und Sofía (7) schwor Felipe auf die Verfassung. Nach der Zeremonie fuhr das Königspaar in einer offenen Limousine zum Palast und winkte dem Volk zu. Tausende Menschen säumten bei strahlendem Sonnenschein die Straßen und schwenkten Fähnchen in den Nationalfarben.

Die Royal-Fans ließen sich die Stimmung durch das Scheitern der spanischen Fußballnationalmannschaft bei der WM nicht verderben. Vom Balkon des Palastes winkten das Monarchenpaar, seine Töchter sowie Juan Carlos (76) und die bisherige Königin Sofía (75) einer großen Menschenmenge zu. Jubel brandete auf, als Felipe seiner Frau ein Küsschen gab.

Anders als beim Amtsantritt von Juan Carlos im November 1975 legte der neue König den Eid auf die demokratische Verfassung ab. Die Eidesformel enthielt keine religiösen Formulierungen. Felipe schwor, die in der Verfassung festgelegten Aufgaben zu erfüllen und die Rechte der Bürger zu respektieren. Vor dem König lagen die Krone und das Zepter - als Symbole der Monarchie - auf einem roten Samtkissen. Die etwa ein Kilogramm schwere Krone aus dem 18. Jahrhundert wurde dem Monarchen nicht auf das Haupt gesetzt. Dies ist im spanischen Königshaus nicht üblich.

Spanien sei eine „große Nation, an die ich glaube, die ich liebe und bewundere“, sagte Felipe. „In diesem Spanien haben wir alle Platz.“ Unter Anspielung auf die rapide gesunkene Popularität des Königshauses kündigte Felipe an, seine Amtsführung werde „integer, aufrichtig und transparent“ sein. „Die Bürger fordern heute mehr denn je und völlig zurecht, dass die führenden Instanzen des Staates moralisch und ethisch mit gutem Beispiel vorangehen.“

Ein Korruptionsskandal um Felipes Schwester Cristina und deren Mann Iñaki Urdangarin hatte die Monarchie erschüttert. Auch machte sich Juan Carlos nicht beliebt, als er in Zeiten der Wirtschaftskrise auf Elefantenjagd in Afrika ging. Felipe fasste seine Zielsetzung mit den Worten zusammen: „Eine erneuerte Monarchie für eine neue Zeit“. Die Abgeordneten erhoben sich nach der rund 25 Minuten langen Rede und spendeten dem Monarchen einen zweiminütigen Applaus.

Juan Carlos war bei der Amtseinführung Felipes nicht dabei

Juan Carlos war bei der Amtseinführung Felipes im Parlament nicht dabei, weil er dem Sohn nicht die Show stehlen wollte. An der Zeremonie nahmen auch keine Staatsgäste aus dem Ausland und Vertreter anderer Königshäuser teil. Spanien hatte sich angesichts der Wirtschaftskrise zu einem Thronwechsel ohne Pomp entschieden. Zudem war im Plenarsaal des Parlaments nicht genügend Platz für ausländische Gäste.

Die Abgeordneten der Vereinten Linken und kleinerer Linksparteien boykottierten die Sitzung. Sie verlangen ein Referendum über die Staatsform. Die Polizei hatte für die Zeit der Amtseinführung des Königs alle Protestkundgebungen im Madrider Stadtzentrum verboten. Dennoch demonstrierten kleinere Gruppen von Anti-Royalisten gegen die Monarchie. Drei Teilnehmer wurden festgenommen. Der Stadtkern wurde für den Verkehr gesperrt. Das Chaos hielt sich aber in Grenzen, da in Spanien Fronleichnam ein Feiertag ist.

Offiziell war Felipe bereits kurz nach Mitternacht neuer König geworden. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Abdankung von Juan Carlos im Amtsblatt veröffentlicht und damit rechtskräftig. Felipe erhielt am Morgen von seinem Vater die Schärpe des Oberbefehlshabers der Streitkräfte umgebunden. An dem militärischen Akt nahmen auch Letizia, ihre Vorgängerin Sofía, die Thronfolgerin Leonor und der Generalstab der Streitkräfte teil. Anschließend fuhr das neue Königspaar im Rolls-Royce zum Parlament.




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