König-Wilhelm II.-Ausstellung in Stuttgart Ein ambivalentes Bild des Monarchen

Prinz Wilhelm mit Mütze und Band einer Studentenverbindung um 1872 Foto: Stadtpalais
Prinz Wilhelm mit Mütze und Band einer Studentenverbindung um 1872 Foto: Stadtpalais

Am Samstag öffnet im Stadtpalais und im Hauptstaatsarchiv die große Ausstellung zu König Wilhelm II. Dabei sind auch Briefe zu sehen, die noch nie

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Stuttgart - Worte eines Monarchen: „Ich wünsche meinem Enkel keine Krone, die mir durch 27 Jahre nur eine Dornenkrone war Er soll nur ein tüchtiger Mensch werden und seinen Weg durchs Leben bescheiden gehen.“ Was Wilhelm, schon nicht mehr als König von Württemberg, sondern nur noch im Rang eines „einfachen“ Herzogs 1919 an einen Freund aus Göttinger Studententagen schreibt, muss man als ein bitteres persönliches Fazit seiner Regentschaft lesen. War der letzte württembergische Monarch ein König wider Willen? Einer, der lieber das Leben eines Bürgers geführt hätte? Oder wer war Wilhelm wirklich?

Lebensabschnitte des Monarchen werden nachgezeichnet

Dieser Frage nähert sich die große Sonderausstellung „Wilhelm II. – König von Württemberg“, die zugleich im Stadtpalais und im Hauptstaatsarchiv stattfindet, in kleinen Schritten an. Um es vorwegzunehmen: Eine Antwort darauf liefert die Ausstellung, die von diesem Samstag an zu sehen ist, nicht. Aber sie stellt die richtigen Fragen, um sich einem authentischen Bild des Königs anzunähern. Folgerichtig ist der erste Teil der Ausstellung im zweiten Obergeschoss des Museums für Stuttgart zwar in Abteilungen aufgeteilt, die im Wesentlichen die Lebensabschnitte des Monarchen nachzeichnen. Doch ganz wörtlich strukturiert sich die Schau auch durch konkrete Fragestellungen, die dabei helfen sollen, zum Kern der Persönlichkeit Wilhelms vorzustoßen. Einer Persönlichkeit, das macht die Ausstellung deutlich, die an manchen Stellen geradezu gezwungen scheint, das glänzende Leben eines europäischen Monarchen des 19. Jahrhunderts führen zu müssen.

Er spielt die „Comödie“ mit

Mehr als 400 Exponate hat die Jubiläumsschau, die genau 100 Jahre nach Wilhelms Tod ihre Türen öffnet, aus aller Welt zusammengetragen. Von einem Bürger im eigentlich Sinn erzählen diese Ausstellungsstücke sowie die überlieferten Fotografien dabei selten. Wilhelm war bei aller Liberalität, die ihm nachgesagt wird, im Korsett eines höfischen Zeremoniells gefangen. Die Ausstellung im Stadtpalais, kuratiert von Edith Neumann und Frank Lang, zeigt einen Liebhaber der Jagd, der Pferdezucht und auch einen mit Orden überhäuften und eher widerwilligen militärischen Führer in Uniform.

An seiner standesgemäßen Tafel speiste der König stets umgeben von ranghohen Persönlichkeiten. Und auch der Schmuck der Damen bei Hofe war natürlich vom Feinsten: Edith Neumann hat, als Glanzstück der Ausstellung, in Japan ein wertvolles französisches Parure ausfindig gemacht, eine Schmuckkombination, die Wilhelms erste Ehefrau Marie zu Waldeck und Pyrmont getragen hat. Noch bevor er 1891 gekrönt wird, spricht Wilhelm selbst von einer „Comödie, die ich vor der Welt aufführen muss“. Doch er wird – pflichtbewusst oder eben doch als Profiteur? – bis zum Schluss mitspielen.

Ausstellung ist bis 27. März geöffnet

Erst der zweite Teil der Ausstellung im Hauptstaatsarchiv, die von Albrecht Ernst kuratiert ist, öffnet dann den Blick hinter die Bühne. Aus den mehr als 600 privaten Briefen des Monarchen, die vor einigen Jahren aufgetaucht sind, hat das Hauptstaatsarchiv 24 einlesen lassen. Sie sind in der Schau zu hören. Sieben seiner Freunde, denen er zeitlebens schrieb, sind hier sieben Themen aus seinem privaten Leben zugeordnet. Diese Briefe, die noch nie öffentlich gezeigt wurden, verweisen in ihrer Gesamtheit auf ein „ambivalente Persönlichkeit“, sagt Ernst.

Auch die Bronzeskulptur „König Wilhelm II. und seine Spitze“, an der sich die Debatte um die Deutung und Bedeutung des letzten württembergischen Monarchen entzündet hat, steht wieder im Stadtpalais. Ob sie ein authentischen Bild zeichnet, lässt die Schau (noch) offen. Um den König zu verstehen, müsse man jedenfalls, so Museumsdirektor Torben Giese „beide Seiten Wilhelms gesehen haben“ – die öffentliche und die private.

Die Ausstellung ist bis zum 27. März geöffnet und wird von vielen Veranstaltungen begleitet. Der reguläre Eintritt kostet 8 Euro.weitere Informationen unter : https://www.stadtpalais-stuttgart.de/ausstellungen/wilhelm-ii-konig-von-wurttemberg




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