Königin-Charlotte-Gymnasium Schülerinnen lassen faire Kleidung produzieren

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Die fair produzierten T-Shirts der vier Mädchen des Königin-Charlotte-Gymnasiums in Möhringen sollen Jugendliche ansprechen und auf das Thema Fairtrade aufmerksam machen.

Larissa Lengning, Ioanna Golema, Franziska Sauer und Johanna Maisch (von links) tragen stolz ihre fair produzierten  Shirts. Foto: Stahlberg
Larissa Lengning, Ioanna Golema, Franziska Sauer und Johanna Maisch (von links) tragen stolz ihre fair produzierten Shirts. Foto: Stahlberg

Möhringen - Bei Kleidung ist die Bandbreite riesengroß. Das eine Extrem ist, für 2,99 Euro ein T-Shirt in der Filiale eines irischen Billigmodeanbieters zu kaufen. Oder aber man legt Wert auf Kleidung, die unter menschenwürdigen und angemessen bezahlten Bedingungen entstanden ist. Dann kauft man fair produzierte und gehandelte Kleidungsstücke. Die sind freilich deutlich teuer – und sie entsprechen oft nicht dem Modegeschmack von Teenagern. Schülerinnen des Königin-Charlotte-Gymnasiums (KCG) haben dies als Ansatz genommen, um Oberteile zu designen und fair produzieren zu lassen, die Jugendliche ansprechend finden. Ihr Projekt heißt „Young-Fashion-Fair“.

Der Start war im Jahr 2013. „Wir haben mit der Schule das Haus des Waldes in Degerloch besucht“, erzählt Johanna Maisch. Die 14-Jährige besucht zusammen mit ihren Freundinnen die Klasse 9d des KCG. Der Besuch fand anlässlich des Bildungskongress’ „Weltweitwissen“ statt, bei dem Schülern das Thema nachhaltige Entwicklung näher gebracht wurde. Die Schule veranstaltete im Vorfeld das Projekt „Weltweitwandel“. Dabei entstand die Idee mit den fairen Shirts, die Jugendlichen gefallen könnten. Die Schülerinnen präsentierten sie beim Kongress und erhielten viele positive Rückmeldungen. „Ich habe nicht gedacht, dass wir unsere Idee tatsächlich auch umsetzen würden. Und dann haben wir es doch gemacht“, sagt Ioanna Golema.

Vorstellung und Realität kollidieren

Vor der Umsetzung stand jedoch viel Arbeit – und auch viel Frust. „Wir hatten eine ganz andere Vorstellung davon, wie die Sache funktioniert“, gibt Larissa Lengning zu. Ein Beispiel: von jedem ihrer Design-Entwürfe jeweils zehn Shirts zu produzieren, das ging freilich nicht. Vorstellung und Realität kollidierten miteinander. Doch die Mädchen ließen sich nicht entmutigen.

Die Schülerinnen – zunächst zu sechst inzwischen noch zu viert – suchten Kooperationspartner und Sponsoren, bewarben sich bei der Jugendstiftung Baden-Württemberg und belegten einen Schnittkurs. Irgendwann stand die Grafik für den Aufdruck, das Schnittmuster und auch die Finanzierungszusage von der Jugendstiftung in Höhe von 2000 Euro. „Wir haben 100 Stück produzieren lassen. Das hat 1500 Euro gekostet“, berichtet Franziska Sauer.

Auf dem Schulfest zum 100-Jahr-Jubiläum des Gymnasiums im vergangenen Juli verkauften die Schülerinnen ihre Kreation für 16 Euro pro Stück. Sowohl die Nachfrage als auch die Zustimmung unter Schülern, Eltern und Lehrern war groß: Motivation genug, um weiterzumachen. Nach den Sommerferien sprangen zwei Mädchen aus Zeitmangel zwar ab, Laura Föhner und Xenia Kuppler. Die restlichen vier blieben jedoch dran. Ihr aktuelles Ziel ist es, eine zweite Charge an Oberteilen zu produzieren und diese mit einem Stand auf der Messe „Fair Handeln“ zu präsentieren, die vom 9. bis 12. April in Stuttgart stattfindet.

Sponsoren gesucht

Dafür braucht es freilich wieder Geld. Die Finanzspritze von der Jugendstiftung mussten die Schülerinnen zurückbezahlen, denn die Unterstützung ist jeweils nur für ein abgeschlossenes Projekt gedacht, nicht für etwas Fortlaufendes. „Wir wollen aber unbedingt weitermachen, denn es hat etwas bewirkt, es hat die Leute zum Nachdenken angeregt“, sagt Ioanna. Die Schülerinnen haben sich daher beim Jugendbildungspreis „Dein Ding“ beworben, der unter dem Dach der Jugendstiftung Baden-Württemberg läuft. Die Antwort steht derzeit noch aus, deswegen suchen die Mädchen nach Sponsoren.

Geplant ist, ein Shirt für Männer herstellen zu lassen. Es ist marineblau und hat einen klassischen V-Ausschnitt. Produzieren lassen wollen sie erneut beim Unternehmen „3 Freunde“. Dieses beauftragt Näher in Indien, die fair bezahlt werden. Außerdem wird zertifizierte Fairtrade-Baumwolle benutzt. „Sehr viele Leute wissen Fairtrade nicht zu schätzen“, bedauert Franziska. „Ich wünsche mir, dass mehr Jugendliche aufmerksam werden und sich für das Thema Fairtrade interessieren“, fügt Ioanna hinzu. Dafür engagieren sich die vier und investieren jede Woche neben der Schule mehrere Stunden in ihr Projekt. „Wir suchen übrigens noch Leute, die uns unterstützen möchten. Und das muss nicht unbedingt mit Geld sein“, sagt Larissa.

Mehr Info: www.young-fashion-fair.de

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