Königstraße in Stuttgart Das Marstall-Areal wird neu konzipiert – aber wie?

Von Thomas Braun 

Die Landesbank Baden-Württemberg will an der unteren Königstraße mehrere Gebäude abreißen und neu bauen – darunter auch das Hotel am Schlossgarten. Die Stadträte sehen Chancen für eine kulturelle Nutzung.

Der Eingang zur Königstraße soll völlig neu gestaltet werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der Eingang zur Königstraße soll völlig neu gestaltet werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Es ist eines der Filetgrundstücke in der Landeshauptstadt und zugleich das Entree zur Königstraße: das sogenannte Marstall-Areal gegenüber dem Hauptbahnhof mit den Gebäuden Königstraße 1 bis 3 und dem Hotel am Schlossgarten. Der Grundstückseigentümer, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), will das etwa 19 000 Quadratmeter große Areal neu gestalten und dazu einen Realisierungswettbewerb unter Beteiligung internationaler, nationaler und regionaler Architekturbüros ausschreiben. Die Ratsfraktionen sind zwar grundsätzlich mit den Plänen einverstanden, wollen aber über die künftige Nutzung der Neubauten mitentscheiden.

Der Chef der LBBW-Immobilienabteilung, Frank Berlepp, begründete die Entscheidung der Bank, die bisherigen Gebäude aus den 1950- und 1960er Jahren abzureißen und das Gelände neu zu bebauen, unter anderem mit den modernen Brandschutzanforderungen. Die städtebauliche Situation an der Ecke zur Schillerstraße entspreche zudem nicht mehr dem, was man sich unter einer zeitgemäßen Stadtgestaltung vorstelle. Die bisherige Bebauung trenne die Einkaufsmeile Königstraße vom Oberen Schlossgarten wie ein Riegel, die Rückseite des Gebäudekomplexes sei zudem unansehnlich. Mit der Neubebauung des Areals wolle man auch der „Abwärtsspirale“ im Einzelhandel begegnen und die Königstraße stärken. 35 Architekten, darunter zehn vom Bauherrn ausgesuchte und gesetzte Teilnehmer, sollen bis Ende dieses Jahres ihre Entwürfe für eine Neubebauung einreichen. Bereits im Mai soll der Ausschreibungstext für den Wettbewerb verschickt werden. Doch beim Nutzungsmix wollen die Stadt und vor allem die Stadträte ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Stadträte können sich kulturelle Nutzung am Eingang zu Königstraße vorstellen

Der städtischen Rahmenplan sieht einzelne Bauelemente anstatt eines geschlossenen Bauriegels vor, die Kronenstraße soll bis zum Schlossgarten verlängert werden. Die bisherige Rückseite zum Park hin soll aufgewertet und so gestaltet werden wie eine Vorderseite. Auch die Spindel zur Schlossgarten-Tiefgarage sowie der Abgang zur Klettpassage werden im Rahmen des Wettbewerbs überarbeitet. Ausgenommen von den Plänen ist die unter Denkmalschutz stehende Bundesbank-Hauptverwaltung an der Marstallstraße. Laut Stadtplanerin Carolin zur Brügge schwebt der Stadt eine urbane Mischung aus gewerblicher und öffentlicher Nutzung vor – plus Wohnen.

Just beim Punkt öffentliche Nutzung gibt es freilich im Gemeinderat und auch außerhalb des Rathauses unterschiedliche Vorstellungen. So hatte der Verein Aufbruch Stuttgart jüngst die untere Königstraße als Standort für den von ihm geforderten Neubau einer modernen Opernspielstätte ins Gespräch gebracht. CDU, Grüne und Freie Wähler stehen diesem Vorschlag ablehnend gegenüber, könnten sich dort aber etwa ein neues Linden-Museum nebst einem Haus der Kulturen vorstellen. Die SPD zeigt sich dafür offen, fordert aber auch, die Option für den Bau einer neuen Oper oder einer Philharmonie durch die Stadt zu prüfen. „Wir als Miteigner der LBBW sollten Vorgaben formulieren und sagen, was wir dort haben wollen“, sagte SPD-Fraktionschef Martin Körner. Man dürfe die Stadtplanung nicht allein dem Renditebestreben der Bank unterwerfen. Ins gleiche Horn blies der Sprecher der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus, Hannes Rockenbauch. Er erinnerte zudem daran, dass allein die Stadt die LBBW während der Finanzkrise 2008/2009 mit einer Kapitalspritze von rund 950 Millionen Euro gestützt habe: „Wir müssen dort nichts mehr kaufen, das ist alles längst bezahlt.“

FDP: Wer soll sich Wohnungen in dieser Lage leisten können?

Während Rockenbauch und die Seinen dem Geldinstitut als Bauherr prinzipiell misstrauen, zeigten sich die übrigen Gemeinderatsfraktionen durchaus angetan von den Plänen. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz will am Eingang zur Königstraße „eine Landmark“ sehen, die „in jedem Reiseführer über Stuttgart abgedruckt wird“. Grünen-Sprecher Andreas Winter plädierte ebenfalls für eine „heraussragende architektonische Gestaltung“ des Areals, die Freien Wähler sprachen sich für einen Hochhaus-Solitär gegenüber dem Bahnhofsturm aus. FDP-Stadtrat Michael Conz setzte allerdings ein dickes Fragezeichen hinter die geplanten Wohnungen in bester Lage: „Welcher Millionär soll denn dort einziehen?“

Der Vorsitzende des Vereins Aufbruch, Wieland Backes, bezeichnete die Pläne für das Areal im Anschluss an die Sitzung als ideenlos und rückständig. Die Vorstellungen der Bank würden „in keiner Weise der prominenten Lage des Areals gerecht und sind gewiss kein zukunftsweisender Beitrag für das Stuttgart von Morgen“, so Backes.

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