Königstraße in Stuttgart Insolvenz am Top-Standort: Mela-Café schließt vorzeitig

Das Mela-Café auf der Königstraße ist zahlungsunfähig. Foto: Lichtgut

Nach jahrelangem Streit ist das Mela-Café im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart nun geschlossen. Das Amtsgericht hat das Insolvenzverfahren eröffnet.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Das Mela-Café im Haus der Katholischen Kirche in der Stuttgarter Königstraße ist zahlungsunfähig. Das Amtsgericht Stuttgart hat das Insolvenzverfahren eröffnet und die Rechtsanwältin Nora Sickeler zur Insolvenzverwalterin bestellt. Auf ihre Veranlassung hin wurde das Café inzwischen geschlossen.

 

Der Betreiber hatte den Betrieb des Mela-Cafés im Jahr 2022 im Erdgeschoss des Hauses der Katholischen Kirche nahe des Schlossplatzes aufgenommen. Von Beginn an war das Projekt im Rampenlicht: Die Entscheidung der Kirche, einen muslimischen Gastronomen als Pächter auszuwählen, wurde überregional als Zeichen von Offenheit, Toleranz und interreligiösem Dialog gelobt.

Doch schon bald entwickelte sich ein langwieriger Konflikt zwischen dem Pächter und dem Katholischen Stadtdekanat Stuttgart als Vermieter. Auf Anfrage unserer Redaktion geht der Wirt hart ins Gericht mit dem Stadtdekanat: „Wir hatten die Schikanen der Kirche satt“, teilt der Cafébetreiber mit. „In den letzten Wochen und Monaten ist sehr viel passiert, was wir einfach nicht mehr aushalten konnten.“ Dazu erklärt Nicole Höfle, Sprecherin des Stadtdekanats: „Wenn das Einhalten von vertraglichen Regelungen und Gesetzen zur Schikane erklärt wird, ist das keine gute Grundlage für eine gute Zusammenarbeit und ein gedeihliches Miteinander.“

Mietverhältnis hätte erst im Juni enden sollen

Streitpunkte waren unter anderem mögliche Vertragsverletzungen, die Nutzung und Reinigung gemeinsamer Sanitäranlagen sowie offene Zahlungen. Der Pächter erklärte wiederholt, er habe Zahlungsrückstände in Raten beglichen. Das Stadtdekanat betonte stets, die Auseinandersetzung habe keinerlei religiösen Hintergrund.

Der Konflikt mündete schließlich in eine Räumungsklage. Nach mehreren verschobenen Gerichtsterminen – unter anderem aus Krankheits- und Organisationsgründen – einigten sich beide Seiten im vergangenen Dezember vor Gericht auf ein Ende des Mietverhältnisses spätestens zum 30. Juni 2026. Damit schien ein Streit beigelegt, der monatelang die Justiz beschäftigte und auch in der Königstraße für erhebliche Spannungen gesorgt hatte.

Ein Zettel am Eingang des Mela-Cafés weist darauf hin, dass das Geschäft nun geschlossen ist. Foto: privat

Der Neustart kann wohl vorverlegt werden

Umso überraschender kam nun die vorzeitige Schließung des Cafés infolge der Insolvenz. Der Betreiber hatte zuvor wiederholt betont, sein Café laufe wirtschaftlich sehr gut. Ursprünglich wollte er den Betrieb bis zum vereinbarten Auszugstermin fortführen und parallel nach Alternativen suchen – bisher jedoch ohne Erfolg.

Seit Bekanntwerden des Konflikts zwischen Mieter und Vermieter hatten sich zahlreiche Gastronomen für den attraktiven Standort beworben. Das Stadtdekanat kündigte nun an, aktiv nach einer Nachfolge zu suchen. „Wir werden jetzt selbstverständlich nach einem Pächter oder einer Pächterin suchen, der oder die das Café übernimmt, da wir endlich Rechtssicherheit haben“, sagte Nicole Höfle, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Katholischen Stadtdekanats, im Dezember. Man sei zuversichtlich, eine attraktive Lösung zu finden – die Lage an der Königstraße unweit des Schlossplatzes gilt als gut. Nun kann wohl der Neustart vorverlegt werden – sofern die Insolvenzverwalterin keine anderen Pläne hat.

Zuletzt war die Situation rund um das Café zusätzlich angespannt gewesen, nachdem es im Umfeld angeblich zu rassistischen Beleidigungen gekommen war. Das Stadtdekanat reagierte umgehend mit einem klaren Statement gegen Ausländerfeindlichkeit. In einem Aushang hieß es: „Gastfreundschaft und Freundlichkeit sind uns wichtig, Ausländerfeindlichkeit lehnen wir ab“, unterzeichnet von Stadtdekan Christian Hermes und Geschäftsführer Roland Weeger.

Mitarbeiter klagen über zu geringe Lohnzahlung

Nach Angaben ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Mela-Cafés gibt es zudem Vorwürfe gegen den Betreiber. Sie beklagen, nicht den versprochenen Lohn erhalten zu haben. Außerdem stehe der Vorwurf im Raum, der Betreiber habe Trinkgelder einbehalten und keine Sozialabgaben abgeführt. Diese Vorwürfe sind bisher nicht gerichtlich geklärt.

Mit der Insolvenz und der vorzeitigen Schließung endet das Kapitel Mela-Café früher als geplant. Für das Haus der Katholischen Kirche eröffnet sich nun die Möglichkeit eines Neuanfangs an prominenter Stelle – während für den bisherigen Betreiber und seine Beschäftigten die wirtschaftlichen und rechtlichen Folgen noch nicht absehbar sind.

Auch wenn das Café geschlossen ist, das Haus der Katholischen Kirche bleibt für die Veranstaltungen etwa des Katholischen Bildungswerks Stuttgart geöffnet, teilt Sprecherin Nicole Höfle mit. Allerdings müssten aufgrund der kurzfristigen Schließung des Cafés die Öffnungszeiten des Hauses der Katholischen Kirche außerhalb der Veranstaltungszeiten in den nächsten Wochen eingeschränkt werden. Die aktuellen Öffnungszeiten stehen auf der Homepage.

Unterdessen läuft die Suche nach einem neuen Pächter bzw. einer neuen Pächterin mit Hochdruck weiter. „Wir haben viele Interessenten und sind zuversichtlich, dass wir schon bald eine Nachfolge bekannt geben können“, sagt Roland Weeger, der Leiter des Hauses der Katholischen Kirche. Die Neueröffnung soll sobald als möglich erfolgen. „Wir werden eine gute Lösung für das Café finden“, erklärt er, „es ist ist uns wichtig, auch in Zukunft ein offenes und gastfreundliches Haus zu sein. Seelsorge, Bildung und Kultur prägen das Haus der Katholischen Kirche genauso wie ein einladendes Café.“

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