Ein Staatsprojekt geht im Schneckentempo voran: Das Land muss das Sanierungsende der Maute-Benger-Fläche erneut verschieben. Seit über zwei Jahren ist das Geschäft verwaist.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Prominente Beispiele dafür sind das Bahnprojekt Stuttgart 21 und das frühere Grand Café Planie: Zeitpläne werden angekündigt, eingehalten werden sie nicht. Nun trifft es erneut ein Objekt in allerbester Innenstadtlage. Die Sanierung der früheren Räume des Traditionshauses Maute-Benger an der Königstraße 44 dauert deutlich länger als angekündigt. Das Finanzministerium räumt auf eine Anfrage das Landtagsabgeordneten Friedrich Haag (FDP) ein: Die Fertigstellung, eigentlich nach dem aufgetretenen Wasserschaden vom vergangenen Sommer für März 2025 geplant, wird nun erst gegen Jahresende erwartet.

 

Mit anderen Worten: Der Nachmieter, der erst Anfang kommenden Jahres mit dem Umbau beginnen kann, dürfte an dieser zentrale Lage nicht vor Frühjahr/Mitte 2026 eröffnen können.

Das Gebäude an der Königstraße 44 wird auch „Stockgebäude“ genannt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Königstraße 44: Einnahmeausfall bei Miete hat Millionenmarke überschritten

Seit Juli 2023 stehen die ehemaligen Geschäftsräume auf Stuttgarts Einkaufsmeile leer. Maute-Benger, über viele Jahrzehnte hinweg eine Institution des deutschen Wäschehandels, hatte nach fast 180 Jahren aufgeben müssen – ein weiteres Beispiel für das Verschwinden traditionsreicher Geschäfte aus der Innenstadt.

Die Eigentümerin des Gebäudes ist die Baden-Württemberg-Stiftung, also das Land selbst. Damit fehlen der öffentlichen Hand seit mehr als zwei Jahren Mieteinnahmen – an einem Standort, an dem Quadratmeterpreise besonders hoch und für Vermieter entsprechend lukrativ sind. Inzwischen dürfte der Einnahmeausfall längst die Millionenmarke überschritten haben.

Ehemalige Maute-Benger-Fläche: Noch kein Mietvertrag unterschrieben

Grund für die erneute Verzögerung ist laut Finanzministerium, dass man dieses Kulturdenkmal besonders sorgfältig sanieren müsse. „Dazu gehören zusätzliche Freilegungen und Trocknungen der geschädigten historischen Bausubstanz sowie eine in diesem Zuge notwendige denkmalgerechte Fugensanierung des Mauerwerks“, erklärt Finanzstaatssekretärin Gisela Splett (Grüne). Die erforderliche Betoninstandsetzung der Rippendecke über dem Erdgeschoss sowie deren Brandschutzsanierung sollen nach ihren Worten in enger Abstimmung dem Denkmalamt bis Ende Dezember 2025 abgeschlossen werden. Dass die Staatssekretärin nichts über die künftigen Mieter, deren geplanter Neustart sowie die Kosten für die Sanierung sagen will, erklärt sie mit der „vertraglichen Verschwiegenheit“, die beide Seiten getroffen hätten.

Nach Informationen unserer Zeitung wird das Herrenmodegeschäft Felix W. einziehen. Gisela Splett erklärt, man habe noch keinen Mietvertrag abgeschlossen. Außerdem lässt sie wissen, das Land verhandele nur mit einem Bewerber, es gebe keine weiteren Interessenten. MdL Friedrich Haag (FDP) findet es ärgerlich, „dass sich die Eröffnung an einem so zentralen Standort nochmal monatelang in die Länge zieht“. Gut sei es aber, dass immerhin Klarheit darüber bestehe, wie es mit der Ladenfläche weitergehe.

Königstraße 44: Warum man das Gebäude „Stockgebäude“ nennt

Das Gebäude Königstraße 44, die ehemalige Neue Kanzlei, wurde zwischen 1833 und 1838 unter König Wilhelm I. von den Architekten Georg Barth und Adam Friedrich Gross errichtet. Auch als „Stockgebäude“ ist es bekannt – benannt nach einer an dieser Stelle begonnenen, aber nur bis zur ersten Stock gediehenen Bauruine des mittleren 16. Jahrhunderts. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus bis 1949 wiederaufgebaut und ging in den Eigentum des Landes über.