Das Verhältnis zwischen Katholischer Kirche und dem Pächter des Mela-Cafés an der Königstraße ist zerrüttet. Trotz Kündigung zieht der Wirt nicht aus. Der Streit geht vor Gericht.

Vom Vorzeigeprojekt zum Konfliktfall: Als sich die Katholische Kirche im Jahr 2022 für einen muslimischen Gastronomen als Café- Betreiber entschied, sorgte sie damit für positive Schlagzeilen. Lob gab es für Offenheit und Toleranz an diesem zentralen Ort in der City. Entscheidend sei allein das gastronomische Konzept und das Können des Bewerbers für das Haus der Katholischen Kirche an der Königstraße gewesen, erklärte das Dekanat damals. Die Religion habe dabei keine Rolle gespielt. Doch bald darauf häuften sich Konflikte neben der Domkirche St. Eberhard.

 

Bei dem Streit, der zeitweise zu eskalieren drohte, geht es unter anderem um die Nutzung und Reinigung gemeinsamer Sanitäranlagen sowie Zahlungsrückstände. Der Pächter betont, er habe offene Beträge in Raten beglichen. Das katholische Dekanat sieht dagegen als Eigentümer Vertragsverletzungen und kündigte ihm zu Beginn dieses Jahres. Die Kirche verweist darauf, dass die Kündigung nichts mit der Religion des Betreibers zu tun habe.

Räumungsklage gegen Mela-Café – Gerichtstermin mehrfach verschoben

Längst beschäftigt der Streit um die Räumungsklage die Justiz. Bereits angesetzte Gerichtstermine im Mai und August platzten – mal wegen der Erkrankung des Wirts oder eine Anwalts, mal wegen Verschiebung durch das Gericht. Das Landgericht Stuttgart will nun bei einer Verhandlung am 3. November unter dem Aktenzeichen 1903/25 klären, ob die Kündigung wirksam wird. Als mögliche Termine zum Auszug des Wirts werden der 31. Dezember 2025 genannt sowie der 31. Dezember 2026, wenn der Vertrag regulär endet. Der Gastronom aber will „die darin enthaltene Option zur Verlängerung“ nutzen.

Die Kirche hat noch keinen möglichen Nachfolger gesucht. „Wir können der Entscheidung des Gerichts nicht vorgreifen“, sagt Nicole Höfle, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Stadtdekanats. Wichtig sei dem Dekanat, dass das Vertragsverhältnis „ordentlich und fair“ beendet werde.

Mela-Café-Wirt will bleiben, sucht aber nach Alternativen

Der Gastronom selbst verweist auf den sehr guten Geschäftsbetrieb seines Cafés trotz der Konflikte und erklärt, er wolle weitermachen. Zugleich suche er nach einem neuen Standort – bisher ohne Erfolg. Er beklagt die Spannungen, signalisiert aber Gesprächsbereitschaft: „Es wäre schön, wenn wir wieder zusammenkommen.“

Allerdings belasten weitere Vorwürfe das Verfahren: Der Wirt behauptet, Mahnschreiben nicht erhalten haben – Zeugen widersprechen. Deshalb läuft gegen ihn ein Strafverfahren wegen möglicher Falschaussagen.

Kirche positioniert sich gegen Fremdenfeindlichkeit

Das Haus der Katholischen Kirche hat eine Erklärung am Eingang des Cafés aufgehängt: „Nein zu Rassismus“. Foto: privat

Jüngst eskalierte die Situation zusätzlich, als es im Umfeld des Cafés zu rassistischen Beleidigungen kam. Das Dekanat bezog daraufhin klar Stellung gegen Fremdenfeindlichkeit. Direkt am Eingang des Hauses hängt eine Mitteilung, unterzeichnet von Stadtdekan Christian Hermes und Geschäftsführer Roland Weeger. Darin heißt es: „Gastfreundschaft und Freundlichkeit sind uns wichtig, Ausländerfeindlichkeit lehnen wir ab. Zumal weltweit die meisten Mitglieder unserer Kirche Ausländer sind.“