Dritter Standort in der Region Stuttgart Ikea will wieder in die Stadt

Von Martin Haar 

Ikea drängt mit aller Macht auf ein Comeback in der Stadt. Da die Häuser in Ludwigsburg und Sindelfingen überlastet seien, suche man nach einem dritten Standort in der Region Stuttgart oder sogar in der Stadt, so Ikea.

Ein Studie von Ikea zum möglichen Standort Stuttgart Foto: Haar
Ein Studie von Ikea zum möglichen Standort Stuttgart Foto: Haar

Stuttgart - Wie fast alle großen Unternehmen hat sich auch Ikea dem Diktat des Wachstums verschrieben. Konzernchef Peter Agnefjäll äußerte zuletzt, dass er den Konzernumsatz bis zum Jahr 2020 von 34,2 Milliarden Euro (2016) auf 50 Milliarden Euro hochschrauben will. Wie er das schaffen will? Über den Online-Handel und durch Expansion. Letzteres ist in Deutschland jedoch kaum noch möglich. „Es gibt auf der grünen Wiese fast keine Grundstücke mit infrastruktureller Anbindung mehr, die eine gute Erreichbarkeit hätten“, sagt Johannes Ferber, Ikea-Expansions-Chef. Zudem seien Standorte wie die in Ludwigsburg oder Sindelfingen schon lange „überlastet, daher suchen wir nach einem dritten Standort in der Region Stuttgart oder sogar in der Stadt“.

Flächennot macht erfinderisch

Die Flächennot macht Ikea Deutschland erfinderisch. In Bremerhaven nennen sie einen Mini-Ikea „XS-Extra“, in Kaiserslautern haben die Schweden einen ehemaligen Opel-Parkplatz „revitalisiert“, in Ravensburg heißt die Möbel-Abholstelle „Pick-up-Point“, in St. Pölten hat Ikea sogar eine Zweigstelle in einem Einkaufscenter. „An so ein Konzept denken wir auch in Deutschland“, sagt Ferber. Ikea im Milaneo? Andrea Poul, Centermanagerin des Einkaufszentrums am Bahnhof, meint dazu: „Das ist durchaus denkbar, attraktiv und möglich. Allerdings ist Ikea noch nicht so weit.“

Noch viel lieber wäre es Johannes Ferber daher, in Stuttgart ein Stadtkonzept nach dem Vorbild Hamburg-Altona umzusetzen. „So etwas trauen wir uns auch hier zu“, sagt der Expansionschef. In Hamburg hat Ikea seit Juni 2014 in einem ehemaligen Karstadt-Gebäude Einzug gehalten. „Dort verbinden wir, wie das Milaneo, als Konzept, Wohnen mit Einkaufen“, erklärt Ferber und behauptet stolz: „Seit dem wir dort sind, hat sich die Passanten-Frequenz um 200 Prozent erhöht.“ Mehr noch: Die Schweden hätten in dem Hamburger Bezirk einen Umbruch zu einem attraktiven Viertel eingeleitet: „Es zog weiteren Handel und Gastronomie an.“ Inzwischen seien auch die Kritiker verstummt, die in einem Bürgerentscheid gegen den Hamburger Stadt-Ikea votierten.

Baubürgermeister hat keine Anfrage von Ikea

So weit dürfte in Stuttgart erst gar nicht kommen. Obwohl Johannes Ferber bereits mit Immobilien-Maklern in Kontakt ist: „Wir prüfen derzeit Angebote.“ Offenbar hat Ikea dabei die Rechnung ohne den Wirt – die Stadt Stuttgart – gemacht. Baubürgermeister Peter Pätzold weiß bisher offiziell nichts von den Ikea-Plänen, ein Comeback in Stuttgart zu starten. In den 1980er-Jahren hatten die Schweden schon einmal eine Filiale in der Kronenstraße. Wirtschaftsförderin Ines Aufrecht erteilt solchen Plänen jedoch eine Absage. Es müsste eine Ausnahme von der Regel gemacht werden. Diese Regel dient der Sicherung der verbrauchsnahen Versorgung sowie der Erhaltung und Stärkung der Handelsfunktion von Innenstadt und Stadtteilzentren. „So eine Ansiedlung widerspricht dieser Regel. Danach muss das zentrenrelevante Randsortiment auf maximal 350 Quadratmeter Verkaufsfläche begrenzt sein.“ Dies wäre selbst für einen Mini-Ikea zu wenig.

Zum Vergleich: Als Ikea sich 2011 im Neckarpark niederlassen wollte, war ein Haus mit 1600 Stellplätzen, 25 000 Quadratmeter Verkaufs- und 35 000 Quadratmeter Bruttogeschossflächen geplant. Also Dimensionen, die beinahe an die Ikea-Standorte in Ludwigsburg oder Sindelfingen heranreichen. Obwohl die Ansiedlung im Neckarpark damals abgelehnt wurde, sagt Johannes Ferber heute: „Wir können uns vorstellen, uns dort zu engagieren.“ Auch weil man neue Argumente habe. Das Vorbild Hamburg-Altona hätte gezeigt, „dass wir nicht mehr so viel Pkw-Verkehr produzieren“. In Altona kämen 80 Prozent der Kunden mit Bus und Bahn. Angeblich blieben dort oft zwei der vier Parkdecks leer.

Fläche am Gaskessel wäre eine weitere Option

Eine weitere Möglichkeit, ein Einrichtungshaus zu bauen, könnten die Flächen am Gaskessel bieten. Zudem erhält der Besitzer dieser Flächen, die EnBW, durch den Neubau des Gaskraftwerks weitere Freiflächen im Neckartal. „Wir denken auch an einen Standort östlich von Stuttgart, Richtung Esslingen“, sagt Ferber. Die EnBW sagte dazu auf Anfrage: „Es handelt sich um Flächen, bei denen die betriebliche Notwendigkeiten noch nicht geklärt sind. Es gibt immer wieder einmal Kontakt mit Unternehmen – auch mit einem bekannten Möbelunternehmen – oder anderen Interessenten.“

Damit scheint zwischen der Absicht des Möbelriesen, sich erneut in Stuttgart niederzulassen, und der Umsetzung noch ein weiter Weg zu liegen. In diesem Sinne könnte man den Werbe-Slogan („Lebst doch noch oder wohnst du schon“) etwas umdeuten: Wohnst du schon oder schraubst du noch?

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