Koffer mit Leiche in Filderstadt Was die Soko „Trolley“ weiß – und was nicht

Unter diesem Steg ist der Koffer mit der toten Frau gefunden worden. Foto: dpa/Markus Lenhardt

Nahe einem Spielplatz in einem Wohngebiet in Filderstadt-Bonlanden stößt der städtische Bauhof auf einen Koffer: darin befindet sich die Leiche einer Frau.

Zwei Zivilpolizisten des Landeskriminalamts lassen eine Drohne über dem Wohngebiet im Norden des Filderstädter Stadtteils Bonlanden kreisen. Ermittler befragen Anwohner und Spaziergänger. Auf einem kleinen Spielplatz, auf dem sich sonst die Jüngsten tummeln, lässt sich am Freitagvormittag niemand blicken. Am Donnerstag wurde keine 20 Meter von Klettergerüst und Schaukel entfernt in einem kurzen Wasserlauf unter einem Steg eine grausige Entdeckung gemacht. In einem großen schwarzen Stoffkoffer fanden Mitarbeiter des städtischen Bauhofs die Überreste einer unbekannten Leiche. Die Polizei rückt mit einem Großaufgebot an. Erst einen Tag spät steht fest: es handelt sich um eine Frau.

 

Schon seit Wochen sei der beißende Geruch in der Luft gewesen. Ihre beiden Hunde, die Chihuahuas Bella und Gizmo, hätten es beim täglichen Gassigang gewittert, erzählt Petra Hanke. Seit zwei oder drei Wochen hätten sie immer sehr aufgeregt geschnüffelt, wenn sie über den Steg gelaufen seien. Zwei Tage später habe sie es dann auch selbst gerochen. Die 62-jährige Angestellte wohnt nur zwei Häuser entfernt von dem Steg. „Es stank süßlich und sehr unangenehm“, sagt Petra Hanke. „Wahrscheinlich ein totes Tier“, habe sie gedacht.

Abgelagerter Müll schon länger ein Ärgernis

Ihr Nachbar Gregor Bauernfeind hat den Geruch immer noch ein wenig in der Nase wenn er auf dem Steg steht. Dabei habe er ihn zunächst gar nicht wahrgenommen. Allerdings sei nach seiner Erinnerung schon vor drei oder vier Wochen eine Frau zu ihm gekommen und habe über den Gestank geklagt. „Ich war gerade am Hecke schneiden.“ Zu diesem Zeitpunkt hätten  unter dem fünf Meter langen Holzsteg, der eine kleine naturierte Fläche in dem Wohngebiet überbrückt, gut sichtbar schon mehrere schwarze Müllsäcke gelegen.

„Die Frau meinte, man soll die Stadt darüber informieren. Ob sie es getan hat, weiß ich nicht“, sagt der 71-jährige Rentner. Tatsächlich kam der Filderstädter Bauhof erst am Donnerstagvormittag, um die Säcke weg zu räumen. Hinweise auf ein Verbrechen habe es bis dahin nicht gegeben, betont eine Sprecherin der Stadt.

Doch dann machten die Mitarbeiter die grausige Entdeckung, räumten erst die Säcke weg und öffneten dann den großen Koffer, in dem gut sichtbar unter anderem ein Oberschenkelknochen gelegen haben soll. Die geschockten Männer verständigten sofort die Polizei. „Das war ein furchtbarer Fund für die Leute“, sagt ein Polizeisprecher. Es sei ihnen eine psychologische Betreuung angeboten worden.

Petra Hankes Chihuahuas Gizmo und Bella ahnten es schon länger. Foto: Markus Lenhardt/dpa

Bisher ist unklar, unter welchen Bedingungen die Leiche an dem mit einem Auto nicht direkt anfahrbaren Ort zwischen Einfamilienhäusern und Wohnblöcken abgelegt worden ist. Es handele sich um einen stark verwesten, zum Teil bereits skelettierten Leichnam, heißt es von der Polizei zunächst. Zur Aufklärung der Todesumstände richtete sie unter dem Namen „Trolley“ bei der Kriminalpolizeidirektion Esslingen eine 44-köpfige Sonderkommission ein. Sie gehe ersten Hinweisen nach. Man hoffe aber auf weitere Zeugenaussagen.

Die Obduktion am Freitag erbrachte, dass es sich bei der Leiche um eine Frau handelt. „In welchem Alter die Frau war und wie sie starb, ist uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht bekannt“, erklärt Polizeisprecher Michael Schaal. Dies liege vor allem an dem fortgeschrittenen Verwesungszustand der Toten, die teilweise schon skelettiert war. Ebenfalls könne noch nicht gesagt werden, wann die Frau zu Tode kam. Auch zum Inhalt der Müllsäcke äußert sich die Polizei auf Nachfrage nicht.

Erinnerung an Stuttgarter Koffermord

Der grausige Fund von Filderstadt weckt Erinnerungen an den Fall von zwei Stuttgarter Kofferleichen aus dem Jahr 2014. Im Alkoholrausch waren ein Mann und eine Frau von ihrem Zechkumpanen umgebracht worden. Ihre Leichenteile verstaute er in zwei Hartschalenkoffern, die er an einer Betonmauer im Unteren Schlossgarten versteckte.

Eine weitergehende Bewertung lassen die Umstände gegenwärtig nicht zu

Eine umfangreiche Fahndung blieb zunächst ohne Erfolg. Schließlich führte eine DNA-Spur die Polizei zum Täter. 2015 wurde der damals 48-Jährige zu lebenslanger Haft verurteilt.

Mit großer Bestürzung reagiert Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub auf die Nachricht vom Leichenfund in Bonlanden. Die Nachricht mache ihn „nachdenklich und sehr betroffen“, schreibt er aus seinem Urlaubsdomizil. Eine weitergehende Bewertung und Einschätzung ließen die Umstände gegenwärtig nicht zu. Seine Gedanken seien aber bei den Betroffenen: den Beschäftigten des Baubetriebshofs, den Anwohner am Fundort und den Polizisten, die den Fall aufzuklären hätten.

Gregor Bauernfeind macht sich wieder an seine Hecke. Doch es ist ihm immer noch ein wenig mulmig zumute. „Meine Frau hatte gestern Geburtstag, und dann wird acht Meter von unserem Grundstück entfernt so etwas gefunden“, sagt der Rentner. „Das war kein schöner Geburtstag.“

Petra Hanke gibt sich hingegen unerschrocken. „Ich gehe hier jeden Morgen um halb fünf Gassi.“ Das werde sie auch weiterhin so halten. „Ich bin da vielleicht ein wenig anders.“

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