Die Kripo ermittelt gerade im nahen Umfeld der toten Frau, die in einem Koffer in Filderstadt-Bonlanden gefunden wurde. Und in Stuttgart gelebt hat.
Ein Fernsehteam wartet am Mittwoch in Bonlanden auf jenem Holzsteg, unter dem am Donnerstag vergangene Woche Mitarbeiter des Filderstädter Bauhofes eine Leiche in einem Koffer gefunden haben. Die Journalisten sind auf Stimmenfang, haben gleich noch eine Liveschalte. Einfach ist diese Aufgabe nicht, denn es sind kaum Leute an diesem Ferientag in dem Wohnquartier unterwegs. Auf dem nahen Spielplatz spielt kein einziges Kind.
Die Frau, die dort auf einer Bank sitzt und raucht, spricht nur ukrainisch. Ein Anwohner, der viel im Homeoffice arbeitet, wie er sagt, hat nur mitbekommen, dass am vergangenem Donnerstag plötzlich ganz viel Polizei vor Ort war. Auch ein Hundebesitzer, der die Mittagspause genutzt hat, um eine Runde durch die Grünanlage Bonlanden-Nord mit seinem Haustier zu drehen, will sich zu der Sache nicht äußern. Denn er möchte nicht spekulieren und vertraut vielmehr auf die Arbeit der Polizisten.
Beamte ermitteln im nahen Umfeld der Toten
Die 44-köpfige Sonderkommission bei der Kriminalpolizei hat derweil schon ein paar Dinge herausgefunden: Es ist mittlerweile klar, wer die Frau war, die in einem stark verwesten Zustand in dem Koffer gefunden wurde. Die 40-Jährige hat in Stuttgart gelebt und muss schon vor mehreren Wochen gestorben sein. Nähere Angaben zu ihrer Person will ein Sprecher des zuständigen Reutlinger Polizeipräsidiums auch am Mittwoch nicht machen. Denn die Beamten ermitteln aktuell im nahen Umfeld der Toten. Deren Arbeit soll mit öffentlichen Aussagen dazu nicht kaputt gemacht werden.
Welche Verbindung die Stuttgarterin zu Filderstadt hatte, warum ihr Leichnam just in dem Bonlandener Wohnviertel gefunden wurde, ist noch offen, sagt der Sprecher. Unklar ist auch noch, wie die Frau zu Tode gekommen ist. Denn die Todesursache konnte aufgrund des Zustandes der Leiche bisher nicht festgestellt werden. Weitere Untersuchungen dazu laufen aber. Deshalb ist auch noch nicht klar, ob es sich tatsächlich um ein Tötungsdelikt handelt, erläutert der Sprecher.
Frau wurde als vermisst gemeldet
Am 21. Juli wurde die Stuttgarterin zuletzt gesehen. Die Frau wurde bei der Stuttgarter Polizei auch als vermisst gemeldet, sagt der Sprecher. Eine öffentliche Vermisstenfahndung soll es aber nicht gegeben haben. Mitarbeiter des Bauhofes hatten ihren Leichnam vergangene Woche gefunden, nachdem Anwohner den starken Geruch, den sie an der Brücke schon länger wahrgenommen hatten, dem Bauhof gemeldet hatten. Laut dem Polizeisprecher habe es zwischen der Meldung der Anwohner und dem Rausfahren der Mitarbeiter einen zeitlichen Verzug gegeben. Will heißen, die Bauhof-Mitarbeiter sollen eben nicht am gleichen Tag der Sache auf den Grund gegangen sein.
Dazu hatte eine Sprecherin der Stadt unserer Zeitung bereits am Freitag vergangener Woche mitgeteilt, dass der Verwaltung und dem Bauhof bis zum Fund der Leiche keinerlei Hinweise bekannt waren, die nur ansatzweise auf ein solches Verbrechen hingedeutet hätten. Filderstadts Erster Bürgermeister Falk-Udo Beck sagt dazu am Mittwoch: „Konkret ging die uns erstmalig eingegangene Meldung über den starken Geruch einen Tag vor dem Leichenfund ein.“ Der städtische Bauhof habe umgehend reagiert. Eine vorherige Meldung bei der Verwaltung sei nicht bekannt.