„Queen Consort“ Camilla soll mit der Krone gekrönt werden, die bereits „Queen Mum“ Elizabeth Bowes-Lyon trug. Doch der Koh-i-Noor-Diamant, der sie ziert, ist vielleicht das umstrittenste Stück der britischen Kronjuwelen.

Freizeit und Unterhaltung: Theresa Schäfer (the)

König Charles III. war noch Prince of Wales, da soll er schon diesen Traum gehabt haben: Bei seiner Krönung soll seine Frau Camilla mit der Krone gekrönt werden, die einst schon seine geliebte Großmutter trug, als sie 1937 „Queen Consort“ wurde. Das Problem: Die Krone der Königsgemahlin ist vielleicht das umstrittenste Stück in der Schatzkammer der Windsors.

 

Die Krone wird geziert vom Koh-i-Noor-Diamanten, einem der berühmtesten Edelsteine der Welt. Wem der Hochkaräter gehört, ist umstritten. Indien fordert ihn seit Jahren zurück. Ein Sprecher von Premierminister Narendra Modis Regierungspartei sagte, es sei unsensibel, wenn „Queen Consort“ Camilla die Krone bei der Zeremonie in der Westminster Abbey am 6. Mai trage: „Die Krönung von Camilla und der Einsatz des Kronjuwels Koh-i-Noor bringt schmerzhafte Erinnerungen an die koloniale Vergangenheit zurück.“

Ein „Geschenk“ an Queen Victoria

Der Koh-i-Noor („Berg des Lichts“) wurde im 13. Jahrhundert in der Gegend von Andrah Pradesh gefunden. Der 793-Karäter wechselte über die Jahrhunderte immer wieder den Besitzer, schmückte mal eine Hindu-Göttin in einem Tempel, mal den Thron eines Maharadschas. Im 19. Jahrhundert wurde er der britischen Queen Victoria geschenkt – wobei „geschenkt“ relativ ist, wenn man bedenkt, dass Indien damals vom britischen Empire kolonialisiert wurde.

Der Diamant wurde stark geschliffen – heute hat er nur noch rund 105 Karat. Der Stein wurde in eine Krone eingesetzt, mit der Victorias Schwiegertochter Alexandra zur Königsgemahlin gekrönt wurde. Zuletzt zierte der Stein seit 1937 die Krone von Charles’ Großmutter Elizabeth Bowes-Lyon.

Die „Queen Mother Crown“, wie sie landläufig genannt wurde, war fast vergessen – schließlich gab es während Queen Elizabeth II. 70-jährigen Amtszeit gar keine „Queen Consort“. 2002 zierte sie den Sarg der verstorbenen „Queen Mum“. Dem Königshaus dürfte es ganz gelegen gekommen sein, dass der Zankapfel mit Indien ansonsten fast unbemerkt im Tower von London ruhte.

Vor ein paar Jahren wollte Indien den Koh-i-Noor zuerst mit juristischen Mitteln zurückbekommen, drehte dann aber nach britischem Widerstand bei. Seither ist die offizielle Linie des Landes, man wolle versuchen, den Diamanten „auf freundschaftlichem Wege“ zurückzubekommen.

Die „Daily Mail“ berichtet, im Königshaus gebe es Überlegungen, den Diamanten durch einen anderen Stein zu ersetzen – oder für Camillas Krönung gleich eine ganz andere Krone zu verwenden. Entschieden sei aber noch nichts.