Kohlendioxid-Ausstoß in Stuttgart Stadt hat Ziele beim Klimaschutz verfehlt

In Stuttgart kommen  immer noch zu viele  Klimakiller  aus den Kaminen. Foto: dpa
In Stuttgart kommen immer noch zu viele Klimakiller aus den Kaminen. Foto: dpa

Zu warmes Wetter, heftigere Gewitter: Der Klimawandel hat längst begonnen – doch die Stadt Stuttgart hängt ihren Plänen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes hinterher.

Stuttgart - Der Schutz des Klimas hat am Dienstag die Debatte im Ausschuss für Umwelt und Technik bestimmt. Von 1990 bis 2010 ist der Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid (CO2) in der Landeshauptstadt um rund zwölf Prozent zurückgegangen. Damit hat die Stadt ihre eigenen Ziele deutlich verfehlt. Denn im Jahr 1994 hatte der Gemeinderat beschlossen, die Treibhausgase bereits bis 2005 um 30 Prozent zu reduzieren. Bei der Fortschreibung des im Jahr 1998 beschlossenen Klimaschutzkonzepts (KLIKS) wurde das Reduktionsziel sogar auf 40 Prozent bis 2020 angehoben. Diese Marge entspricht auch dem erklärten Ziel der Bundesregierung.

„Davon sind wir allerdings weit entfernt“, sagte Ulrich Reuter, der Leiter der Abteilung Klimatologie im Umweltamt. Der CO2-Ausstoß je Einwohner sei zwischen 1990 und 2005 lediglich von 9,7 auf 8,9 Tonnen zurückgegangen. Die Stadt wolle den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent senken. Und das Klimabündnis Europäischer Städte, dem Stuttgart angehöre, möchte die CO2-Werte bis 2030 halbieren.

Die vergangenen Jahre waren zu warm

„Der Klimawandel hat längst begonnen“, erklärte Reuter. Die Zahl der zu warmen Jahre habe in den beiden vergangenen Jahrzehnten zugenommen. „Auch 2011 war zu warm.“ Gleichzeitig gebe es auch immer mehr heftige Unwetter. „Wir müssen uns rasch an den Klimawandel anpassen.“

Der Klimatologe wies auch darauf hin, dass schon einiges erreicht worden sei. Dank Energiesparmaßnahmen habe die Stadt von 1990 bis 2010 rund 204 000 Tonnen CO2 eingespart. Auch der gut ausgebaute Nahverkehr schone die Atmosphäre. Bei der Stadtentwicklung gebe es ein grünes Leitbild: statt Außenflächen zu bebauen, würden innerstädtische Brachen genutzt. Neben Frischluftschneisen und mehr Grün seien künftig aber auch Klimaanpassungsstrategien zu entwickeln. „Wir brauchen wegen der bereits heute unvermeidbaren Erwärmung Vorkehrungen, um auch in Zukunft in der Innenstadt noch angenehm wohnen und arbeiten zu können“, sagte Reuter. Deshalb werde die Stadt im Frühjahr dazu ein Konzept vorstellen. Auch die neuen Stadtwerke sollen laut Baubürgermeister Matthias Hahn sparsame Heizsysteme auf Mietbasis anbieten.

Stadträtin moniert „anspruchsloses Ziel“

„Der Schutz des Klimas ist schwierig, weil das Thema im Alltag kaum zu fassen ist“, sagte die Grünen-Stadträtin Anna Deparnay-Grunenberg. Es könne aber nicht angehen, das die Stadt selbst ihre schwachen Ziele verfehle. Es seien größere Anstrengungen erforderlich.

Der CDU-Stadtrat Philipp Hill forderte eine Kostenübersicht, um aufzeigen zu können, was Stuttgart beim Klimaschutz schon alles leiste. Und die SPD-Fraktionschefin Roswitha Blind hob hervor, dass bei den Haushaltsberatungen mehr Geld für städtische Energiesparmaßnahmen und mehr Planstellen im Energiesektor geschaffen worden seien. „Wir müssen uns mehr anstrengen, bis 2020 nur 20 Prozent CO2 einzusparen ist ein anspruchsloses Ziel.“ Bis 2050 müssten die Industrieländer ihre Emissionen um 80 Prozent verringern.




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