Kolumbien Aufgeschlossene Regierung

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In Kolumbien wird über die neue Regierung getuschelt. Der Grund dafür: ihr gehört ein lesbisches Paar an. Ist dies ein Zeichen für die Offenheit der Gesellschaft?

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos beruft ein lesbisches Paar ins Kabinett. Foto: AFP
Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos beruft ein lesbisches Paar ins Kabinett. Foto: AFP

Bogota - „Ich frage mich, warum man solche Fragen nie den Männern stellt“, antwortete Cecilia Álvarez im Radio. Aber egal ob Mann oder Frau, solche Fragen sind unvermeidlich, denn so etwas hat es noch nie gegeben, in Kolumbien nicht und wohl auch sonst nicht auf der Welt: Cecilia Álvarez, die neue Ministerin für Handel, Industrie und Tourismus, ist die Lebenspartnerin von Gina Parody, ihrer für die Bildung zuständigen Kabinettskollegin.

Die Frage, welche der gerade ernannten Ministerin gestellt wurde, bezog sich also auf ihre sexuelle Orientierung, und solche Intimitäten werden in Kolumbien traditionell tatsächlich nicht offen thematisiert – man tuschelt höchstens. Vermutlich wäre auch nur getuschelt worden, wenn nur eine der beiden im Kabinett säße. Aber gleich beide! Nicht alle Kolumbianer werden so empfinden wie der Schriftsteller Alfredo Molano, der „ein lesbisches Paar im Kabinett als einen Nasenstüber für den Staatsanwalt“ begrüßte. Auch wenn in Kolumbien viel geschehen in Sachen Gleichstellung Homosexueller, so ist doch der Widerstand nicht nur in der Kirche, sondern auch in weiten Teilen der Gesellschaft nach wie vor groß. Sie seien beide offen für jede Kritik, für Kommentare und andere Meinungen, solange die sich auf ihre Arbeit bezögen, sagte die 61jährige Álvarez. Aber sie bitte um Diskretion für ihr Privatleben. Dass Präsident Juan Manuel Santos sie beide ins Kabinett berufen habe, sei sicher nicht als Signal gemeint gewesen, dass Kolumbien heute eine offenere Gesellschaft sei als früher, sondern beruhe auf der fachliche Kompetenz beider.

Beide Ministerinnen stehen vor großen Herausforderungen. Die Regierung verhandelt mit den Farc-Rebellen über die Beilegung des jahrzehntelangen Guerrilla-Krieges. Wenn der Friede kommt, wird Cecilia Álvarez, die Ministerin für Handel und Industrie, für große Infrastrukturprojekte verantwortlich sein, die Kolumbien wegen des Krieges seit Jahrzehnten aufschieben musste. Auch der 40jährigen Erziehungsministerin Gina Parody würde der Friede große Herausforderungen stellen. Damit das Land Anschluss an die Zukunft bekommt, plädieren Experten dafür, dass die Ausgaben für Bildung von jetzt 4,2 auf 7,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes angehoben werden.