Kolumbien Beim Geschäft mit Kohle geht es finster zu

Der Landwirt Tomás Ustate wehrt sich gegen das mächtige Kohleunternehmen Cerrejón. Foto: Anja Kessler 2 Bilder
Der Landwirt Tomás Ustate wehrt sich gegen das mächtige Kohleunternehmen Cerrejón. Foto: Anja Kessler

Kohleförderung ist das ganz große Geschäft in Kolumbien. Doch Fragen wie die Gesundheitsbelastung sind deswegen längt nicht geklärt.

Korrespondent : Wolfgang Kunath (kth)
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Stuttgart - Kohle ist seit mindestens zwei Jahrzehnten das ganz große Geschäft in Kolumbien. Die Gruben konzentrieren sich im Norden, drei große Unternehmensgruppen bestimmen das Geschehen, die Regierung bereitet den Investoren den Weg. Da sollte man annehmen, dass so elementare Fragen wie die Gesundheitsbelastung geklärt sind, die die Kohleförderung nach sich zieht. Aber so ist es nicht.

Übertreibt zum Beispiel Josefa Guerra, die im Schatten ihres prächtigen Ancua-Baums hinter ihrem Häuschen sitzt, wenn sie sagt, manchmal könne man bei ihr in La Jagua kaum atmen? Wie kann es sein, dass Zeneida Martânez, von deren Haus aus man in der Ferne die Lastwagen der riesigen Kohlengrube El Descanso rumoren hört, seit 16 Jahren zwar ein Luftmessgerät auf dem Dach ihres Häuschens hat, aber noch nie Zugang zu den Messdaten bekam? Soll man den Verantwortlichen von Cerrejón, dem größten Kohleunternehmen in Kolumbien, Glauben schenken, wenn sie beteuern, es habe in 28 Jahren nur einen einzigen Fall von Staublunge gegeben, wo sie doch im gleichen Atemzug zugeben, dass keine Studie über die Volksgesundheit vorliege? - "Natürlich" gebe es in La Jagua viel mehr Atemwegserkrankungen als anderswo, sagt der Arzt Jairo Moreno, deswegen habe ja sein Krankenhaus eine darauf spezialisierte Station. Aber wissenschaftlich stichhaltige Daten? Nein, sie sind nie erhoben worden.

Die Mine ist ein Mega-Investment

So klein sie erscheinen, wie Spielzeug sehen die Dutzende von Lastwagen nicht aus, die da unten in diesem gewaltigen grauen Erdloch herumfahren. Selbst vom Rand der Grube Tabaco aus, hunderte von Meter entfernt, wirken sie noch riesig, die 320-Tonner, die in zwei Zwölf-Stunden-Schichten Tag für Tag 40.000 Tonnen Kohle aus diesem zwei mal anderthalb Kilometer messenden Loch heraufholen, das noch bis 2015/16 die wichtigste Förderstätte von Cerrejón sein wird. Die Mine mit ihren 69.000 Hektar Konzessionsgebiet gehört den Konzernen BHP Billiton, Anglo American und Xstrata zu gleichen Teilen. Ein Mega-Investment - 10.000 Mitarbeiter, 32 Millionen Tonnen Jahresproduktion, Reserven für 300 Jahre. Bis zu zehn Züge - jeder 190 Waggons lang - fahren täglich auf der werkseigenen Bahnstrecke 157 Kilometer weit zum Privathafen der Mine an der Pazifikküste. Wobei die Pressedame die positiven Seiten von Cerrejón herausstreicht: Dass Transport und Verladung weitgehend staubfrei abgingen. Dass Umgesiedelte fair entschädigt würden. Dass 2800 Hektar Land rekultiviert worden seien, für 6000 Euro pro Hektar. Und dass die 320-Tonner auch von Frauen gelenkt würden.

Rund 75 Millionen Tonnen hochwertiger Kohle hat Kolumbien letztes Jahr produziert, praktisch alles für den Export, und bis 2020 sollen es 160 Millionen Tonnen sein. Kohle ist Big Business in Kolumbien, gerade zurzeit: Der Preis pro Tonne ist innerhalb eines Jahres von 102 auf knapp 140 Dollar geklettert. Das klassische Kaffeeland Kolumbien ist längst zum Energieexporteur geworden. Kohle macht 16,7 Prozent, Öl sogar 35,5 Prozent aller Ausfuhren aus, Kaffee nur noch sieben Prozent.

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