Menschen filmen sich dabei, wie sie einen halben Liter Bier auf ex trinken und fordern ihre Freunde dazu auf, es ihnen gleichzutun. Was sich im ersten Moment vielleicht lustig und harmlos anhört, kann böse enden.

Stuttgart - Ob Würfeln, Münzenwerfen oder intime Fragen beantworten – Trinkspiele gibt es mindestens schon genauso lange wie es Partys gibt. Derzeit verbreitet sich eine recht fragwürdige Variante davon in Facebook und anderen sozialen Medien. „Neknominate“ lautet der Titel, der sich von „Nek your drink, nominate another“ (zu Deutsch: „Exe dein Getränk und nominiere jemand anderen“) ableitet.

Dabei filmen sich zumeist junge Leute, wie sie einen halben Liter Bier auf ex trinken, sprich „exen“. Dieser Clip wird dann in sozialen Netzwerken verbreitet. Gleichzeitig nominieren die Protagonisten jeweils drei Freunde, die dann wiederum innerhalb von 24 Stunden ein ähnliches Trink-Video posten und drei weitere Bekannte herausfordern müssen. Zuwiderhandlungen werden bestraft, meist muss dann ein Kasten Bier ausgegeben werden.

Wo dieses Spiel erfunden wurde lässt sich heute nicht mehr so genau sagen. Angeblich soll es seinen Ursprung bereits im Jahr 2008 in England haben. Anfang dieses Jahres ploppte die Idee dann offenbar in Australien wieder auf und verbreitete sich von da an rasend schnell über die sozialen Netzwerke. Die Facebook-Seite "Socialbeergame", die "Necknominate"-Videos sammelt, hat sogar schon mehr als 23.000 Fans.

Die Aktionen werden immer verrückter und gefährlicher

Während die Videos in Deutschland oftmals recht harmlos sind – die Protagonisten lassen sich einfach einen halben Liter Bier vor laufender Kamera so schnell wie möglich in den Rachen laufen – sind die Spielregeln in anderen Ländern etwas härter. Dort trinken die Mitspieler, während sie sich manchmal lustig, aber zuweilen auch ziemlich waghalsig in Szene setzen. So zeigt ein Youtube-Video, wie zwei Australier ihre Bierflaschen leeren, während sie ungesichert an einem Hubschrauber hängen.

 In einem anderen Clip fährt ein junger Mann mit einer Bier-Bong in der Hand auf einem Skateboard die Straße hinab – trotz entgegenkommender Fahrzeuge.

Und die Aktionen werden immer verrückter – schließlich will man sich ja gegenseitig übertrumpfen. Dabei sind offenbar schon Menschen gestorben. In Kanada etwa soll ein junger Mann ertrunken sein, der sein Bier kopfüber aus der Toilette trinken wollte, während zwei seiner Freunde ihn an den Beinen festhielten. In Irland sprang ein junger Mann angeblich nach dem exen in einen Fluss und ertrank. In einem Appell auf Facebook fordert sein Bruder nun das Ende von „Neknominate“.

Und auch andere Internetnutzer üben Kritik. Ein Südafrikaner hat bei Youtube ein Video gepostet, in dem er einem Fremden am Straßenrand zu essen und zu trinken gibt – und die Zuschauer dazu ermutigt, auch lieber gegen Armut zu kämpfen, statt bei „Necknominate“ mitzumachen. Auch eine Münchnerin nutzt das Spiel für einen guten Zweck. Sie fordert in einem Video dazu auf, lieber drei Euro für einen guten Zweck zu spenden.

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