Kolumne Cool bleiben, liebes Bier

Bier mit 5 Prozent Volumenprozent Alkohol gefriert bei minus 2,2 Grad. Besser vorher trinken. Foto: dcpicture

Die Kälte der letzten Tage hat den Bierbrauern nicht geschadet, sagt unser Kolumnist Ulrich Stolte, und so können sie ihren wohlverdienten Urlaub machen.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Die große Kälte hat den Vorteil, dass man sich hin und wieder mal über die levantinische Viper unterhalten kann. Die ist einen Meter fünfzig lang, graubraun gefleckt und hat ein schnell wirkendes Gift, das sogar dem Menschen gefährlich wird, im Gegensatz zur Alpenviper, die hauptsächlich nur Mäuse frisst. Viele wissen, dass die levantinische Viper in der Levante vorkommt, aber nur wenige, dass die Levante nicht in Europa liegt, sondern in Asien.

 

Deswegen ist ein Wanderurlaub auf Zypern, das in der Levante liegt und damit auch die levantinische Viper beherbergt, nur etwas für einen wirklich unerschrockenen Menschenschlag, wie das beispielsweise die Bierbrauer sind.

Und sie sind ja bei Kälte nicht nur gefragt, sondern werden auch gerne mal befragt, selbst wenn sie gerade in der Levante wandern. Vor drei Tagen hatte es im Schönbuch minus 14 Grad. Wenn man also bei diesen Temperaturen Bier ausfährt, zerreißt es einem da nicht die Flaschen?

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Und das Pfand ist auch noch hinüber

Der Bierbrauer hatte eine beruhigende Antwort: Bier gefriert zwar bei -2,2 Grad und 5 Volumenprozent Alkohol. Weil besagter wandernder Bierbrauer sein vortreffliches Getränk nur bis zu 30 Kilometern ausfährt, wird die Flasche nicht kalt genug, um durchzufrieren. Das ist tröstlich zu wissen. Denn man kennt das, wenn man eine eiskalte verschlossene Bierflasche hat und öffnet sie, kann es passieren, dass der Inhalt zu einer Eissäule erstarrt und man möglicherweise um acht Cent Pfand ärmer ist.

Herbe Verluste also in den eiskalten Winternächten, wo manchmal auch das Trinkglas durch Sprödigkeit in 1000 Splitter zerschellt. Vermutlich deswegen ist es in manchen ost- und nordeuropäischen Ländern Sitte, Schnaps zu trinken, denn der friert nicht so schnell, jedenfalls nicht so schnell wie der Mensch, der ihn vor den Toren seines Hauses in sich hinein kippt.

Frost ist in der Bierherstellung eher ein Verbündeter des Brauers. Früher, als man technisch noch kein Eis gewinnen konnte, mussten die Bräuknechte auf zugefrorenen Weihern das Eis aufsägen und in den dunklen Keller der Brauerei bringen. Das war harte Handarbeit, bei der die Brauer zusätzlich eine Ration Schnaps bekamen, nicht nur aus Frostschutzgründen.

Die Kühlung hing am Eisgalgen

Wenn sie nach dem fünften Klaren kurz in den See plumpsten, muss auf diese Weise wohl das Eisbaden entstanden sein. Mittlerweile ist das Eisbaden ja Volkssport geworden. Also könnten die Brauereien der Gegenwart das von Eisbadenden aufgehackte Eis einfach einsammeln und könnten sich so ihre energieaufwendige Kühlung sparen.

Manche Brauereien, die in keiner vertretbaren Entfernung einen See vor sich liegen hatten, benutzten einen so genannten Eisgalgen. Dort wurde Wasser über ein Gestell gegossen und die zu Eiszapfen erstarrten Wasserfontänen abgebrochen, um im gut isolierten Bierkeller dem Sommer entgegen zu dämmern und das sommerliche Bier zu kühlen.

In Europa übrigens kommt die levantinische Viper auch vor, da allerdings nur in Dagestan am Kaspischen Meer. Denn dort herrscht in den niedrigen Landesteilen sehr mildes Klima, auch im Winter.

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