Kolumne „Familiensache“ Die Sache mit dem Zauberknopf

Von Michael Setzer 

Als Eltern muss man sich auch mal gute Geschichten einfallen lassen. Bringt allerdings gar nichts. Das Kind ist jetzt schon Wissenschaftler genug, um Zusammenhänge schonungslos und transparent aufzuklären. Unser Autor Michael Setzer ist aufgeflogen – und hört jetzt wieder Radio im Auto.

Der Autor bittet, den Staub und Schmutz am Radio zu entschuldigen. Aber das Ding funktioniert eh nur noch bedingt. Es wurde Opfer der Wissenschaft. Der Wissenschaft eines Kleinkindes. Foto: Setzer
Der Autor bittet, den Staub und Schmutz am Radio zu entschuldigen. Aber das Ding funktioniert eh nur noch bedingt. Es wurde Opfer der Wissenschaft. Der Wissenschaft eines Kleinkindes. Foto: Setzer

Stuttgart - Wenn mir die Frau das Essen vom Teller stibitzt, trägt sie mir gerne an, ich solle nicht so doof gucken. Es würde nicht mehr „deines“ oder „meines“ geben, sagt sie. Im Anschluss beschreibt sie dann für gewöhnlich Kreise mit ihren Armen, um mit mystischem Ton festzustellen: „Es gibt nur noch unseres“. Ich mach’s kurz: Unser CD-Player im Auto ist kaputt.

Die Schuld muss ich allerdings bei mir alleine suchen. „Da, guck!“, sagte ich zum Kind auf dem Parkplatz. „Wenn man auf den Knopf drückt, kommt die CD wieder raus!“. Ich demonstrierte das anhand verschiedener CDs, bis er selbst welche in den Schlitz des Players reinschob.

Reinschieben, drücken – Wahnsinn

Dann drückte er auf den Knopf und freute sich, weil sie – wie versprochen – tatsächlich wieder herauskamen. Gleich noch mal was reinschieben und drücken. Zack. Zauberknopf. Wahnsinn.

Einige Tage später berichtet mir die Frau, es gäbe ein Problem mit „meinem“ CD-Player im Auto. „Jemand“ hätte wohl einen Einkaufswagenchip in den Schlitz des CD-Players gesteckt, der nun nicht mehr rauskäme, weil der Zauberknopf offensichtlich nur selektiv magisch sei. Funktioniert nur bei CDs. Die Sache ist die: So lange der Einkaufswagenchip da drin ist, passt keine CD mehr in den Schlitz. Wir hören jetzt Radio im Auto.

„It’s a kind of Magic“

Wieder einige Tage später schiebt der Sohn nahezu provokativ gleich den nächsten Einkaufswagenchip in die Öffnung des CD-Players. Er nickt wissend, drückt den einstigen Zauberknopf und schaut mich fragend an. Allerdings nicht, als würde er auf eine Antwort warten, sondern eher vorwurfsvoll wie einer, der sagt: „Mama hab ich’s schon gezeigt: Dein toller Zauberknopf kann echt gar nix!!“. Der Junge wiederum kann einiges: Er findet tatsächlich jeden Einkaufswagenchip. Egal wo.

Mittlerweile befinden sich zwei Einkaufswagenchips im CD-Player, ein dritter steckt im Schlitz. Im Radio laufen übrigens andauernd Phil Collins, Elton John oder Queen. Klar – „It’s a Kind of Magic“.

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Michael Setzer ist seit fast zwei Jahren Vater. Früher haben Eltern ihre Kinder vor Leuten wie ihm gewarnt. Niemand hat ihn vor Kindern gewarnt. Er schreibt die „Kindskopf“-Kolumne in der Stuttgarter Zeitung.

 




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