Kolumne „Familiensache“ Und wohin fahrt ihr diesen Sommer?

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Alle sind wir urlaubsreif. Aber nie war es so schwierig, wegzufahren. Ein paar Gedanken von unserer Autorin Anja Wasserbäch über Familienurlaub in der Coronakrise.

Natürlich sieht so ein Urlaub im Zelt sehr idyllisch aus. Wenn keine Schnaken da sind. Und die Temperaturen nachts nicht in den einstelligen Bereich wandern. Und wenn es trocken bleibt. Dann ist’s ganz schön. Foto: ARochau - stock.adobe.com
Natürlich sieht so ein Urlaub im Zelt sehr idyllisch aus. Wenn keine Schnaken da sind. Und die Temperaturen nachts nicht in den einstelligen Bereich wandern. Und wenn es trocken bleibt. Dann ist’s ganz schön. Foto: ARochau - stock.adobe.com

Stuttgart - Sagen wir, wie es ist: Familienurlaub war noch nie eine einfache Angelegenheit. Wenn aus zwei Menschen mehr werden, gilt es neue Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Und die ändern sich im Laufe der Zeit immer wieder. Mit der Geburt des Kindes beginnt eine neue Zeitrechnung. Und eine, nun ja, andere Art des Urlaubs. Zuvor war man campen in Schottland, machte Städtetrips nach London, Rom, Barcelona, reiste nach Indien und nach Südafrika. Schöne, alte Zeit.

Balearen oder Bodensee?

Damals, also vor Corona, entschieden sich Stuttgarter Eltern von Kita-Kindern zwischen Balearen (kurzer Flug, Sandstrand) oder Bodensee (kurze Autofahrt, Streichelzoo). Manche schwärmten vom Club-Urlaub mit Kinderbetreuung und Windeleimern am Pool. Dort hört man halt nur ständig Elternsätze wie „Maximilian, möchtest du rutschen oder in den Mini-Club?“, „Finn, hast du Kacka?“, „Ralf, wo sind die Feuchttücher?“, „Mäuschen, komm mal her!“, „Schätzchen, gehen wir noch etwas Melone holen?“, „Nein, Schnucki, es gibt nicht schon wieder Pommes“.

Was können wir uns überhaupt leisten?

Mit der Coronapandemie beginnt für alle eine neue Zeitrechnung mit neuen Fragen: Wie wollen wir Urlaub machen? Und: Was können wir uns überhaupt leisten? Denn, so sieht sie eben auch aus, diese neue Realität: viele sind in Kurzarbeit, haben Existenzängste oder ihre Arbeit schon verloren.

Existenzängste schlagen sich mit Infizierungsängsten ab – und Urlaub in Deutschland und in einer Ferienwohnung scheint für viele die beste Option in diesem sonderbaren Sommer 2020. Ohne Flugzeug, aber eben auch ohne die nachhaltige Variante mit der Bahn, sondern mit dem Auto. Dieser Sommer katapultiert uns in die eigene Kindheit der 1980er zurück, in der man auch mal zwei Wochen auf dem Campingplatz am See verbrachte. Und ganz ehrlich: Als kleines Kind ist einem das relativ egal, ob man am Bannwaldsee oder in der Bretagne urlaubt.

Es ist schön, sich auf was zu freuen

Klar, kann man sich wundern, ob die Deutschen derzeit nichts Wichtigeres zu tun haben, als sich um ihren Urlaub zu sorgen, weil wir ja bekanntermaßen größere Sorgen haben. Es ist aber einfacher, sich über Reisen Gedanken zu machen, als um die Zukunftsängste oder über den Herbst, der da kommen wird. Resilienz ist es, das Beste aus der Situation machen. Ohne das Ganze zu verharmlosen. Und: Es ist schön, sich auf was zu freuen nach diesen sehr harten Monaten. Zum Beispiel auf ein Wochenende mit Freunden im Camper auf der Schwäbischen Alb.

Anja Wasserbäch freut sich auf die Ferien, auch wenn sie die vor allem mit Malerarbeiten zuhause und nicht in England verbringen wird. Noch mehr freut sie sich, wenn das alles irgendwann vorbei ist. Die Redakteurin im Ressort Leben betreut die Seite Kind & Kegel im Wochenendmagazin.

 

 




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