Eltern kennen das: zu leicht lenkt das Leben und allerlei Gedöns von Büchern ab. Aber was können Kinder lesen? Gut, dass eine Freundin unserer Autorin Buchhändlerin ist. Sie kennt die besten Tipps.

Leben: Anja Wasserbäch (nja)

Stuttgart - Mehr Sport, gesünder ernähren, sparsamer leben – all das sind Vorsätze, die sich Menschen 2022 als Ziele gesetzt haben. Eine Freundin von mir hat einen ganz anderen: mehr lesen. Und ja: mehr lesen sollten natürlich auch viele Kinder. Ganz ohne Vorsatz, sondern weil lesen auf vielen Ebenen so wichtig und toll ist. Wir merken es ja selbst, wie wir uns vom Smartphone, bunten Bildern und Gedöns ablenken lassen, dass der Griff zum Buch immer seltener wird.

Dritte Klasse? Das beste Lesealter

Meine Tochter kennt das noch nicht mit guten Vorsätzen. Das muss ein gutes Gefühl sein. Sie ist in der dritten Klasse, also im besten, leider heute sehr verkürzten, Lesealter. Wenn Kinder Buchstaben aneinanderreihen und sich daraus einen Sinn erschließen, wenn man auf einmal lesen kann und sich neue Welten auftun, was ist das für ein schönes Erlebnis?

Erinnerungen an Ronja Räubertochter und Gretchen Sackmeier

Ich kann mich nicht mehr konkret an mein erstes, wirklich selbstgelesenes Buch erinnern, weiß aber noch, wie es sich angefühlt hat, ganz in eines zu versinken, Zeit und Raum zu vergessen und sich zu sagen „nur noch eine Seite“. Ein Gefühl, das heute höchstens noch im Urlaub zu erreichen ist. Dabei sollte Lesen eine viel größere Rolle im Alltag spielen. Als Kind und Jugendliche habe ich sehr viel gelesen, überall – und tolle Heldinnen kennengelernt: Ronja Räubertocher oder Gretchen Sackmeier beispielsweise.

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Die Zeit heute ist aber viel knapper zwischen dem Moment des Lesenlernens und der Ablenkung, die Smartphones und Spielekonsolen bieten. Deshalb muss man es irgendwie schaffen, die Kinder zu den Büchern zu bringen. Die Kinder wollen – wie wir – unterhalten werden, Vorlieben sind verschieden. Die Heldinnen meiner Tochter heißen zum Beispiel Mari, Petronella Apfelmus, Dunne, Fanny oder Lotta, dann träumt sie mal von einem magischen Tier und jagt die Geister der Pandora Pickwick, mag aber auch Atréju, Hotzenplotz, Dog Man, Greg sowie Hugo & Hassan.

Mehr lesen? Am besten morgens und überall

Sie hat mit einer ihrer Freundinnen einen Buchclub im Kleinen: Die beiden leihen sich immer ihre Lieblingslektüren aus und kichern darüber, was Lustiges passiert ist. Zuletzt war das Paul Biegels „Wie Tim am Strand ein Mädchen fand“.

Angefangen hat alles ganz früh mit „Gute Nacht, Gorilla“, einem Bilderbuch, das wir seitdem jedem Neugeborenen schenken. Es kamen Ali Mitgutschs Wimmelbücher, gefolgt von der Kackwurst-Fabrik, Babar, dem Elefanten und dem Nein-Horn. Egal in welchem Wartezimmer wir saßen, in welchem Zug, immer waren Bücher dabei. Auch so ein Trick, wie man als Eltern weg vom Smartphone kommt.

Die Buchtipps der Buchhändlerin

Außerdem kann es helfen, gemeinsam in Büchereien und Buchhandlungen zu gehen, und zusammen nach Büchern suchen, und einen Geschmack und ein Gespür für Geschichten zu entwickeln. Und wer eine gute Buchhändlerin gefunden hat, die immer Rat weiß, sollte sich sehr glücklich schätzen. Eine gute Freundin von mir ist Buchhändlerin für eine sehr gut sortierte Kinderbuchabteilung. Ihre Empfehlung für Leseanfängerinnen und Leseanfänger sind folgende Titel „Liebe Grüße deine Giraffe“, „Dulcinea im Zauberwald“, „Der Buchstabenzauberer“, „Mick und Mo im Weltraum“, Das Piratenschwein“, „Mortina“, „Ich & meine Chaos-Brüder“, „Ziemlich beste Schwestern“ und „Tagebuch einer Killerkatze“.

Wann lesen?

Was wir auch merken, dass abends nicht unbedingt die beste Lesezeit ist, wenn der Tag voll und anstrengend war. Liebste Lesezeit ist am Wochenende gleich morgens, bevor man eigentlich aufsteht. Und ganz ehrlich: wenn sich das Kind durch ein Buch quält, lassen Sie es, bestärken Sie das Kind, ein neues anzufangen! Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher.

Ich habe selbst einen Vorsatz: abends in der Zeit lesen, wenn das Kind liest. Vielleicht schaffe ich es dann mal, endlich wieder mehr zu lesen. Mein Problem ist eines für das es im Japanischen den Begriff „tsundoku“ gibt: mehr neue Bücher zu kaufen, als ich lesen kann.

Zur Person

Anja Wasserbäch
ist Redakteurin im Ressort Leben und betreut die Seite Kind & Kegel im Wochenendmagazin.

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