Kolumne Genuss-Sache Schnitzel to go – Wohin geht sie, die Esskultur?

Schnelles Essen überall:. Foto: imago stock&people

Fast Food ist nicht immer schlechtes Essen. Blöd aber, wenn es nichts mehr außer Burger, Döner, Currywurst und Schnitzel zum Mitnehmen gibt.

Freizeit & Unterhaltung: Anja Wasserbäch (nja)

Neulich in Berlin, im KaDeWe, in der sagenumwobenen Sechsten Etage – dem Foodie-Olymp, wo Touris ihre Schokolädchen kaufen, aber auch Einheimische gerne einkehren, gibt es einen neuen Hot Spot. Eine bekannte Burgerkette verkauft dort ihre Ware: Burger im Datschbrötchen, Käse optional, dazu „Chopped Salad“ (früher hieß das Endiviensalat, aber das klingt zu wenig nach Berlin). Burger machen satt und für circa acht Minuten auch sehr glücklich. Immerhin: Wir durften drinnen sitzen. Mit Besteck. Wie so wirklich Erwachsene. Was aus einer Fast Food-Idee entstammt, ist so zum fast schon richtigen Restaurant gewachsen. Und daran ist wahrlich nichts auszusetzen.

 

Die Kette bezeichnet ihr Essen selbst „Best Bad Food in Town“ – und hat damit durchaus recht. Für schlechtes Essen ist es ganz schön gut.

Noch mehr Imbissbuden, überall

Und genau das scheint der Mega-Trend auch für das neue Jahr zu sein: Nicht nur Berlin erstickt in Imbissbuden. Hier ein Burgerstand, dort ein Schnitzeltempel. Überall sprießen die Fast-Food-Läden aus dem Boden. Alles nachvollziehbar – die Zeiten sind hart, die Welt kompliziert, da sehnt man sich nach lätschigem Weißbrot, garniert mit Bulette, gerne auch mit Speck, Spiegelei und geschmolzenem Käse. Comfort Food als Krisenmanagement. Dazu die Niederschwelligkeit des Preises: Man gibt weniger Geld aus als bei einem „richtigen“ Restaurantbesuch, ob es wirklich preiswerter ist, das sei mal dahin gestellt.

Monothematische Läden sind zur kulinarischen Monokultur geworden: Burgerbuden, Waffelstände, Cookie-Shops, Zimtschnecken-Ketten. Was alle eint? Schnell, kurzzeitig sättigend, der Nährwert ist derweil überschaubar.

Burger oder Beef Wellington? Man hätte gerne was dazwischen

Was schmerzlich fehlt, ist der solide Mittelbau. Nicht Burger oder Beef Wellington, sondern vernünftiges Essen zu zivilen Preisen. Und bitte, bitte: Essen, für das man nicht erst Schlange stehen muss, um dann sein Schnitzel draußen im Stehen aus dem Pappeimer zu goutieren, während einem der Dezemberwind ins Gesicht peitscht.

Doch die Frage bleibt: Wollen wir wirklich eine Gesellschaft, in der Essen auf bloße Sättigung und den schnellen Kick geschrumpft ist? Wo man gleichzeitig über Nachhaltigkeit philosophiert, aber seine Mahlzeit im Gehen inhaliert? In einer Welt, die angeblich so bewusst konsumiert, wirkt diese kulinarische Doppelmoral reichlich absurd. Gutes Essen ist mehr als Geschmack – es ist auch die Frage, wie wir produzieren, konsumieren und ob wir dabei noch wissen, was wir da eigentlich tun. Und ja: Auch wie die Mitarbeitenden bezahlt werden und was sie sich leisten können.

Außerdem: Kulinarik war mal Tischkultur. Aber das ist wohl ein anderes Thema. Vermutlich eines für bessere Zeiten.

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