Der Hund steht in der Rangordnung über dem Kind – ausnahmslos. Da sollten Eltern sich keine Illusionen machen, meint unser Kolumnist Christoph Schlegel.

Stuttgart - Es gibt ja viele Gründe, die gegen Kinder sprechen. Die einen sagen, man könne Beruf und Familie nicht vereinbaren, deshalb sei es heute nahezu unmöglich, Kinder in die Welt zu setzen. Richtig ist, dass man Kinder überhaupt nicht mehr mit irgendwas vereinbaren kann.

Andere wiederum sagen auch, Kinder seien wahnsinnig teuer. Mindestens einmal im Jahr rechnet ein ­Experte vor, dass die Aufzucht eines Kindes so viel kostet wie ein Einfamilienhaus. Es gibt sogar Berechnungen seriöser Institute, was ein Kind monatlich an Euros verschlingt, als wäre ein Kind eine Anschaffung wie ein Auto, als ließen sich vor der Zeugung der Verbrauch und die anfallenden Folgekosten vorhersagen. Während ein Auto immerhin Fahrvergnügen verspricht und bei Nachbarn neidvolle Blicke verursacht, sind Kinder ein extrem unsicheres Investment. Sie haben ja Neigungen, nachher wollen sie Klavier spielen, dann muss man eins anschaffen, oder sie wollen ein Smartphone oder zwei, oder sie machen irgendwelche anderen Probleme (Schule, Scheibe einschlagen oder Ähnliches).

Und mit ihnen angeben kann man auch nur, wenn sie parieren. Außerdem hat man sie ein Leben lang am Bein, ein Auto kann man ersetzen. Manche sagen auch, die Kinderfeindlichkeit verhindere, dass Kinder in die Welt gesetzt werden. In der Tat: wird irgendwo ein zerzaustes Hundchen aus einem Container gezogen, ein Vierbeiner, der von seinem Herrchen nicht artgerecht entsorgt wurde, zerfließt das Land vor Mitleid und vor Empörung über diese Herzlosigkeit – und wie man einem Hund so etwas antun könne. Sie wähnen die Kaltherzigkeit auf einem neuen Höhepunkt und stoßen wüste Verwünschungen gegen den Täter aus. Ein Kind in vergleichbarer Notlage hat dieses Maß an Mitleid nicht zu erwarten. Keine Empörung, kein Gar-nichts. Sind ja die Eltern schuld. Kinder schauen auch nicht immer mit großen Hundeaugen oder hecheln, wenn sie Brekkies sehen.

Fröhlichkeit misstrauisch beäugen

Wie kinderfeindlich ein Land ist, erlebt man allerdings nur, wenn man eigene Kinder hat. Wie beim S-Bahn-Einsteigen brave Mitbürger mit finsterem Gesicht Kinder wie lästiges Beiwerk zur Seite schieben, wie sie jede Fröhlichkeit misstrauisch beäugen, wie sie Kinder, die auf dem Sitz turnen oder gar lachen, mit Blicken bestrafen. Der Hund, der darf auch ohne Leine querfeldein rennen, der braucht ja diesen Auslauf, und wenn er das Kind anknurrt oder gar anspringt, dann liegt es am Kind, das hat Angst, das ist ja falsch erzogen worden. Der Hund steht in der Rangordnung immer über dem Kind, und zwar ausnahmslos.

Gut, das sind wie gesagt, die gängigen Gründe, die gegen Kinder sprechen. Doch hier nun die wahren Gründe, die gegen Kinder sprechen: Fillypferde, Bob-der-Baumeister-DVDs, Weihnachtsfeiern aller Art, Streit um Playmobil-Schwerter, Haare kämmen und/oder waschen. Außerdem: wenn der Flur mit irgendeinem Plastikkram vollgestellt wird, die allabendliche Überwachung des Zähneputzens und wenn einem beim Elternrudern der Hintermann die Skulls in die Wirbelsäule rammt.

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