Kolumne „Kinderkram“ Ein A-Kind! Ein VÖ-Kind!

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Spätestens, wenn der Sprössling drei wird, beginnt für Mutti eine neue Zeit. Die Zeit als Kindimutti. Unsere Kolumnistin Ariane Holzhausen ist vor lauter Vorfreude schon ganz aus dem Häuschen.

Im Kindi lernt man neue Leute kennen. Das gilt auch für Mutti. Foto: dpa-Zentralbild
Im Kindi lernt man neue Leute kennen. Das gilt auch für Mutti. Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - Keine Zeit für ganze Sätze. Kindergartenzeit fängt bald an. Albträume davon haben längst schon begonnen. Bei mir. Ich werde dann einen neuen Namen haben. Ich heiße dann Kindergartenmutti. Oder noch besser: Kindimutti. Wie klingt das denn? Müsste natürlich korrekterweise Kindergartenkindmutti heißen. Macht’s aber auch nicht besser. Mutti. Ich nenne meine Mutter Mutti. Schon immer. Habe mir da nie Gedanken drüber gemacht. Weiß jetzt aber mehr – wie gesagt, die Kindergartenzeit fängt bald an, da hört man Horrorgeschichten, die nicht jugendfrei sind. Und kindergartenkindgerecht sind die schon gar nicht.

Mutti, habe ich gelernt, ist kindgerecht ausgedrückt bähbäh. Einen demütigenderen Begriff soll es für Frauen gar nicht geben. Außer eben noch Kindergartenmutti. Aber was soll aus einer wie mir, die längst ständig in dritter Person von sich spricht, sonst auch noch groß werden? Im Ernst, sie (früher auch als ich bekannt) hat eigentlich gar kein Problem damit, Mutti genannt zu werden, und irgendwann gab es mal eine Zeit, da freute sie sich sogar darauf, die – so will es die sprachliche Verhunzung – Mutti eines Kindergartens zu werden. Vermutlich ungefähr zu der Zeit, als meine Flummis für mich wie Kinder waren. Es ist also schon sehr, sehr lange her.

Kindergartenmuttis. Gab es die früher eigentlich auch schon? Und die ganzen Ludwig-Mamas? Sofia-Mamas? Jacqueline-Mamas? Denn, und auch daran werde ich mich wohl bald gewöhnen müssen, um die Kindergartenmuttis unterscheiden zu können, soll es üblich sein, den Kindernamen vor das Wort Mama zu setzen. Die Benni-Mama hat ja zum Beispiel dieses bekannte Buch geschrieben, „Große Ärsche auf kleinen Stühlen: Eine Kindergartenmutter packt aus!“. Brauch ich nicht mehr zu lesen. Horror ist im Gegensatz zur Vorfreude schon groß genug. Und ich Noch-nicht-ganz-Kindergartenmutti dachte immer, dass Eltern, die öffentlich bekennen, Angst vor dem Kindergarten zu haben, die Läuse dort meinen. Oder den Noro-Virus. Oder die Rotznasen.

Jetzt habe ich aber wirklich keine Zeit mehr, mich weiter ausschweifend auf die Kindergartenzeit inklusive Kindergartenmuttikriege zu freuen. Muss weiter Vokabeln lernen. Kindergartenvokabel. Was ist das O-Kind? Das A-Kind? U-Kind? E-Kind? Das Muss-Kind? Das Kann-Kind? Und was sind noch mal die VÖs? Müssen eigentlich die U- oder die E-Kinder zur Einschulungsuntersuchung? Und kann das Kind bis dahin sich selbst malen, Zahlen erkennen und Sieben-Wort-Sätze sprechen? Letzteres wird sicher schwer werden. Mutti hat ja gerade selbst keine Zeit, für – mal eben nachzählen – wie viel Wortsätze? Ich hoffe mal, dass mein A-Kind auch ein VÖ wird. Wenn ich es richtig auswendig gelernt habe, heißt das, es kommt mit drei Jahren in den Kindergarten und nimmt dann die verlängerten Öffnungszeiten in Anspruch. Ob es ein Kann- oder Muss-Kind, also eher früher oder später eingeschult wird, das überlegen wir dann später. Kurz bevor die Schule beginnt. Und damit erst der richtige Wahnsinn.