Kolumne „Kinderkram“ Ein Junge namens Ostern

Man könnte meinen, das Kleine ahnt, was seine Eltern ihm mitgeben. Foto: ANP
Man könnte meinen, das Kleine ahnt, was seine Eltern ihm mitgeben. Foto: ANP

Adolf? Kevin? Branco womöglich? In der Frage, wie man sein Kind nennen will, kann es keine Kompromisse geben, findet unser Kolumnist Dieter Fuchs.

Seite Drei: Dieter Fuchs (fu)
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Stuttgart - Es ist eine Gabe, alles im Leben leichtzunehmen. Die Kanzlerin versenkt am Wochenende Zypern und fliegt danach in Erholungsurlaub auf die italienische Insel (!) Ischia. Nordkoreas Diktator stellt seine Atomraketen auf und fährt dann mit seiner hübschen Frau in den Vergnügungspark. Und manche Eltern geben ihren Neugeborenen mal eben so einen Namen. Dabei stellt sich im Leben kaum eine diffizilere Aufgabe, als ein Kind zu etikettieren. Zahllose Fallstricke lauern von der ersten laut geäußerten Überlegung bis zum 18. Geburtstag des Sprösslings, an dem er fragt: „Und wie kamst du übrigens auf diesen bescheuerten Namen?“

Ich würde lieber einen Krieg anfangen oder Ischia versenken, als mir Kindernamen auszudenken. Aber die Aufgabe will erledigt werden, also los. „Wie wäre es mit Bruno?“

„Das ist ein Hundename. Aber Philipp fände ich schön.“

„Da kannte ich mal einen in der zweiten Klasse – heute würde man den wohl Nerd nennen – das geht gar nicht.“

„Aber Nerds sind doch heute cool?“

„Das tut jetzt nichts zur Sache.“

„O. k., Branco wäre doch auch schön.“

„Hieß nicht dein letzter Freund so?“

„Jetzt komm, das ist schon ewig her.“

„Mir würde Josef gut gefallen.“

„Wie dein Vater? Das kannst du mir nicht antun! Dann doch gleich Adolf.“

„Das ist jetzt aber unsachlich. Du wirst sehen, die alten Namen kommen wieder.“

„Eben, wir wollten doch keinen, den es dann fünfmal im Kindergarten gibt.“

„Das klappte schon beim ersten Kind nicht.“

„Jetzt wirst du aber unsachlich.“

„O. k., vertagen wir die Entscheidung noch mal.“

Weniger Gedanken bei der Namensfindung machte sich womöglich die Schauspielerin Nicole Kidman, die ihr Kind nach dessen Erscheinungsdatum Sunday genannt hat. Wer es ein wenig individueller mag, darf also auf Palmsonntag oder Ostern als Namen zurückgreifen. Gibt’s nicht? Oh doch. Einige Namensratgeber – ja, die gibt es auch – empfehlen für Söhne, die an Ostern geboren werden, den Namen Pascal, ein Synonym jüdischen Ursprungs. Wobei da schon der nächste Fallstrick lauert. Pascal ist nahe an Kevin, und jeder weiß, dass mit diesem Namen jedes berufliche Fortkommen von vorneherein ausgeschlossen ist. In unserer Kultur.

In Zypern werden Männer mit dem Namen Panikos Demetriades Zentralbankchef, Ioannis Chaoslidis führt das Außenamt, und der Name des Präsidenten, Anastasiades, bedeutet im alten zypriotischen Dialekt Ich-mach-noch-schnell-eine-Überweisung-bevor-ich-hier-in-Brüssel-etwas-unterschreibe. Das sind gewichtige Namen.

Wenn es nur nach mir gegangen wäre, hätte ich die alte Weisheit von Johnny Cash beherzigt und unseren Sohn Susanne genannt. Damit wäre er, vielleicht schon im Kindergarten, aber spätestens in der Grundschule, zum durchsetzungsfähigen, stets kampfbereiten jungen Mann gereift.




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