Kolumne „Kinderkram“ Ja, mir san mit’m Heli da!

Von Christoph Schlegel 

Schon mit Helikopter-Eltern zu tun gehabt? Bestimmt. Aber der Metaphern zum Erziehungsstil gäbe es noch viele. Unser Kolumnist Christoph Schlegel versucht sich an einer kleinen Typenlehre von „Containerschiff“ bis „Traktor“.

Und? Welcher Elterntyp ist hier am Werk? Foto: dpa
Und? Welcher Elterntyp ist hier am Werk? Foto: dpa

Stuttgart - Seit einiger Zeit kennen wir den Begriff der „Helikopter-Eltern“. Helikopter-Eltern sind Eltern, die über ihren Kindern kreisen, jeden Schritt verfolgen, die wissen, was in der Schule ansteht, die im Sport informiert sind, die den Tabellenstand in der D-Jugend-Kreisliga kennen und die Ballettlehrerin auf die Besonderheiten ihrer Töchter hinweisen – und zwar vor jeder Ballettstunde. Es sind Eltern, die immer da sind, immer da bleiben, auch später im Studium die Weichen stellen, entscheiden, welche Seminare Sinn machen. Und für Sohn oder Tochter ein geeignetes WG-Zimmer aussuchen, eben hubschraubergleich die Kontrolle behalten.

Soziologisch gesehen ist bei der Verkehrsmittel-Kategorisierung allerdings noch viel Spielraum. Denn neben den Helikopter-Eltern, die sich beispielsweise bei Elternabenden relativ schnell zu erkennen geben („Inwieweit fließt die mündliche Note in die Gesamtnote ein?“), habe ich in meiner Zeit als Vater auch schon eine Reihe anderer, bisher soziologisch und medial kaum erfasster Eltern-Kategorien kennengelernt. Zum Beispiel die „S-Bahn-Eltern“.

S-Bahn-Eltern kommen grundsätzlich zu spät, schaffen ein schlechtes Klima und verlangen für ihre dürftigen Dienste eine horrende Gegenleistung. S-Bahn-Eltern sind immun gegen Kritik und vergessen, wann der Sommer endet und der Winter beginnt. S-Bahn-Eltern sind häufiger, als man denkt. Damit nicht genug: auf Elternabenden und Spielplätzen habe ich neben Helikopter-Eltern inzwischen auch einige Surfbrett-Eltern erlebt. Surfbrett-Eltern paddeln immer mit dem Strom, machen auf dem Brett den Larry, aber kaum kommt eine etwas stärkere Welle, stürzen sie ab und tauchen nur mit Mühe wieder auf. Sie hätten die Welle unterschätzt, heißt es dann.

Immer häufiger trifft man in Kitas und Schulen auch auf Traktor-Eltern. Diese nehmen immer sehr viel Platz ein, tuckern langsam durch die Gegend, halten damit den ganzen Verkehr auf und hinterlassen meterbreiten Furchen, die nie wieder bepflanzt werden können.

Eine immer größer werdende Gruppe sind auch die Kampfjet-Eltern. Kampfjet-Eltern rasen grundsätzlich über alles hinweg, machen dabei einen Höllenlärm. Aber wenn es richtig ernst wird, nehmen sie per Schleudersitz Reißaus. Eine weitere, noch eher seltene Kategorie sind Containerschiff-Eltern. Diese sind immer schwer beladen, brauchen Wochen, um ans Ziel zu kommen, und sagen, wenn wieder nichts Brauchbares dabei ist, sie seien von Piraten überfallen worden. Auch über Fiat-500-Eltern oder die „Sackkarren-Eltern“ werden bald lange Abhandlungen und Titelgeschichten verfasst werden.

Und nun noch, aus aktuellem Anlass ein Blick auf die Pferdekoppel: schau mal, da hinten das dunkelbraune Pferd, ein Araber vermutlich. Ah, wie der seinen Kopf schüttelt und wie sich dabei die Mähne sanft auf seinen Hals senkt. Oder da, das kleine Pony, wie es den Kopf hebt, süüüß, och, und niedlich, wie es versucht, mit den kleinen Beinen voranzukommen. Und da hinten, die Stute, wie sie durch die Nüstern bläst. Ein schöner Anblick.