Kolumne „Kinderkram“ XXL-Burg im Garten

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Wer sein Kind liebt, der feiert nicht einfach Kindergeburtstag mit Kuchen, Luftballons und Topfschlagen. Eltern von heute denken sich ganz was Besonderes aus. Unsere Kolumnistin Ariane Holzhausen wundert sich.

Für Fortgeschrittene: Kindergeburtstag im Kosmetiksalon Foto: dpa/Glamour Spa
Für Fortgeschrittene: Kindergeburtstag im Kosmetiksalon Foto: dpa/Glamour Spa

Stuttgart - Abholzeit nicht vergessen, Abholzeit nicht vergessen, Abholzeit nicht vergessen . . . Lange Zeit dachte ich, wer dieses Mantra nur oft genug vor sich hinbetet und es beim nächsten Kindergeburtstag dann auch noch tatsächlich hinbekommt, die Abholzeit auf die Einladung zu meißeln – dem stehen die fröhlichsten Stunden bei der Jubiläumsfeier bevor. Noch ein paar lustige Dinge drumherum basteln – also Spiele wie Topfschlagen und Eierlaufen, Schokolade auspacken und Mehl mit dem Messer schneiden einplanen –, zwischendurch Musik laufen und stoppen lassen, während die Kleinen um zu wenige Stühle herumgaloppieren, und fertig ist die gelungene Party. Das ganze Leben ist ein Kindergeburtstag!

Spätestens, als das eigene Kind an seinem dritten Geburtstag allein im Garten saß, seine Trotzfäustchen tief in die Backen stemmte und gerade noch rausbekam: „Gar kein schöner Tag, weil niemand da“, schwante den Eltern, dass es so einfach womöglich gar nicht ist. Dass die Wahrnehmung dessen, was die Eltern toll finden (und beim eigenen Kindergeburtstag noch das Höchste der Gefühle war) und was die Kleinen „voll endgeil“ begeistert, das driftet schon in den frühesten Lebensjahren weit auseinander: Er war der Meinung, niemand war da. Wir hatten zwanzig Gäste.

Was haben wir an diesem so wichtigen Tag denn nur falsch gemacht? Ach so? Nein, einen Clown hatten wir nicht bestellt. Nein, auch nicht wenigstens einen Zauberer. Ein Seifenblasen- und/oder Diabolo-Künstler hätte es auch schon getan? Aha. Was habt ihr gemacht? Erst eure Bäume im Garten gefällt und dann den Autokran bestellt, damit der das Riesending . . . ? Im Ernst? Ist das nicht wahnsinnig teuer? Ach so, fürs eigene Kind ist einem nichts zu . . . – wie bitte? Dreitausendfünfhundert Euro für eine Hüpfburg im eigenen Garten? Ja klar, verstehe, mit echter aufblasbarer Zugbrücke und Türmchen und so . . . hm . . . schon toll für einen Dreijährigen. Logisch, ja, wird ja auch nur ein Mal drei in seinem Leben, stimmt schon.

Beim vierten Geburtstag holen wir alles nach

Nach einer wilden Runde Hüpferei ging es dann bitte wohin? Direkt zum Flughafen? Das ist ja der pure Wahnsinn! Völlig verrückt! Also total super, meine ich! Ein Rundflug für sechs Dreijährige! Ihr müsst euren Sohn wirklich sehr sehr lieb haben. Ja, ist ja schon gut. Doch, wir haben unseren Kleinen auch sehr sehr lieb. Wirklich. Na, aber wenn ich es dir doch sage. Wie beweisen? Warum fehlen denn dafür die Beweise? Jaja, schon gut. Beim vierten Geburtstag holen wir das alles nach. Nein, um Gottes Willen, da verstecken wir nicht nur Papas alte und liebevoll aufbewahrte Matchbox-Autos im Sandkasten. Ja, hoch und heilig versprochen, wir machen das echt wieder gut. Wir wollen ja auch nicht, dass er da jetzt einen Knacks von weggekriegt hat. Alte Autos im Sand. Also wirklich, was haben wir uns dabei bloß gedacht.

Jetzt ist das Leben überhaupt gar kein Kindergeburtstag mehr. Zumindest nicht unseres. Jetzt sparen wir auf die XXL-Burg für den Garten. Mindestens.