Kolumne Ludwigsburg Einen Ludwigsburger mit Bacon bitte

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Das neue Marketingkonzept der Stadt wird konkreter. Unique Slogans sollen die Awareness der Stadt erhöhen. Und wenn das nicht hilft, muss eben Bob Dylan kommen. Rousseau hingegen ist raus.

It’s nice to be a  Ludwigsburger. Foto:  
It’s nice to be a Ludwigsburger. Foto:  

Ludwigsburg - Eine Stadt wird zur Stadt durch ihre Bürger.“ Nein, das ist kein Zitat aus dem Contrat Social des Genfer Philosophen und Schriftstellers Jean-Jacques Rousseau, sondern das ist eine der Quintessenzen des neuen Marketingkonzepts der Stadt Ludwigsburg zum Stadtjubiläum. Denn in Zukunft sind Sie, werte Ludwigsburger, verantwortlich für die Repräsentation der Barockstadt nach außen.

In der Industrie nennt sich sowas Outsourcing. Und auch die Agentur, die sich das ausgedacht hat, greift tief in die Kiste der Agentursprech-Anglizismen, um das Kommunikationskonzept für 2018 zu beschreiben: Key-Visuals wie das barocke „L“ für neuen „Look und Feel“, die Ludwigsburger Blogger-Szene als Influencer und full responsive screens auf der Stadt-Website sollten auch noch den letzten Stadtrat davon überzeugen, dass die bislang ausgegebenen 43 000 Euro für das Motto, sorry, den Claim „Ludwigsburg inspiriert“ gut investiert waren.

Unique Wortschöpfung oder Anspruch auf Schmerzensgeld?

„Der Geschmack ist die Kunst, sich auf Kleinigkeiten zu verstehen.“ Das ist jetzt wirklich ein Rousseau-Zitat, dessen Konzept vom sozial und politisch engagierten Citoyen man auch für diese Kampagne als kulturphilosophischen Überbau verwenden hätte können. Leider hat der Schweizer auf französisch geschrieben, was heutzutage keinen mehr hinter dem Ofen vorlockt, sorry, keine Awareness mehr triggert.

Der Ludwigsburger Citoyen heißt in der Kampagne jetzt „Ludwigsbürger“. Das sei „unique, augenzwinkernd und integrativ“, steht in der Präsentation der Agentur. Ein Stadtrat sieht darin, (und hat er nicht recht?) eher eine Einladung zur Klage auf Schmerzensgeld. Eine Kleinigkeit hatten auch Stadträtinnen anzumerken: Sie hätten den Begriff gerne auch in der weiblichen, sorry, gegenderten Version, gesehen.

Donald Trump wirbt für den Ludwigsburger Weihnachtsmarkt

Ist das noch Selbstbeweihräucherung oder schon postironisches Geprahle, sorry, Gepose? Während der Bürger-Begriff in vielen Kontexten negativ konnotiert ist, sorry, ein schlechtes Image hat, man denke nur an die Schildbürger und die Wutbürger, ist in Ludwigsburg der Bürger noch König, sorry King. Ein präsentierter englischer Werbespruch, sorry Slogan, der Kampagne weckt auch gleich eine Assoziation in Richtung Bulettenbrater: „Its nice to be a Ludwigsburger.“ Sollte ein pfiffiger Burgerladen auf die Idee kommen, einen Ludwigsburger anzubieten, wird der sicher mit Speck, sorry Bacon, sein, denn Barockmenschen lassen es ja auch kulinarisch gern mal krachen.

Nur nicht zu tief stapeln, sorry, think big, war das Motto der Agentur bei der Vorstellung, sorry, beim Pitch, ihres Konzepts. Der Weihnachtsmarkt soll als Special 2018 einen neuen Look bekommen und damit der „schönste Weihnachtsmarkt der Welt“ werden, der englische Claim dazu („You will love it“) erinnert irgendwie an Donald Trump, den amerikanischen Präsidenten. Ludwigsburg first, but Weihnachtsmarkt second.

Bob Dylan spielt für ein paar Ludwigsburger

Kulturell will man mit den Ludwigsbürgern ganz hoch hinaus. Bei den Illustrationsbeispielen zum Programmführer, sorry, Guide, der Literaturtage im kommenden Jahr hat man optimistischerweise Bob Dylan auf die Titelseite, sorry, aufs Cover, gehievt. Der Singer/Songwriter hat zu Beginn seiner Karriere auch für „einen Dollar und einen Cheeseburger“ in Clubs im Greenwich Village gespielt, wie er in einem Interview einmal zugegeben hat – vielleicht kommt er ja auch für ein paar Ludwigsbürger, sorry, Ludwigsburger in die Barockstadt. Und wenn nicht, auch nicht so schlimm. Das wird sich auch mancher Stadtrat im Angesicht des Marketingkonzepts gedacht haben. Oder um es mit Bob Dylan, auf englisch, zu sagen: „Dont think twice, it’s alright.“