Kolumne Ludwigsburg Kenner lieben Württemberger

Ein Gläschen in Ehren. Ob mit oder ohne Alkohol – egal! Oder? Foto:  
Ein Gläschen in Ehren. Ob mit oder ohne Alkohol – egal! Oder? Foto:  

Kann man auch ohne Alkohol lustig sein? Wenn man sich in Ludwigsburg und Walheim umschaut, muss die Antworten lauten: Ja! Und sogar Wengerter sind ohne Alkohol ganz schön witzig.

Region: Verena Mayer (ena)
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Ludwigsburg - Wenn jemand die Zeichen der Zeit erkannt hat, dann ist es die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft (kurz: WZG) in Möglingen. „Immer mehr Menschen“, schreiben die Zeitgeistexperten, „stehen selbst einem moderaten Alkoholgenuss aus unterschiedlichsten Erwägungen kritisch gegenüber.“ Für diese Genussverächter haben die Möglinger nun einen alkoholfreien Wein kreiert, respektive ihre „Profilweinrange Edition Gourmet im Zuge einer Line-Extension erweitert“. Die blumige Formulierung beweist ja schon mal: Man kann auch ohne Alkohol lustig sein.

Wüsste man es nicht besser, man würde glauben, im Ludwigsburger Gemeinderat sei der neue Rivaner (für Banausen: das ist nichts anderes als ein Müller-Thurgau) in Massen ausgeschenkt worden. Trotz aller Alkoholfreiheit, erfrischend ist er allemal. Und wie anders als erfrischend sollte man das nennen, was die Stadträte jüngst getan haben: Einen modernen Discounter, Wohnungen und eine Tiefgarage verhindert. Geplant war das in der Oststadt von Lidl und von der Stadt. Die Zustimmung zu den ausführlichst diskutierten Plänen schien nur noch eine Formsache – aber dann: holterdiepolter, Rolle rückwärts und Prost Mahlzeit. Man solle, beschlossen die beschwingten Räte, doch auf die Anwohner hören, die den Schatten des kolossalen Neubaus auf ihren Altbauten fürchteten.

Bogart hilft immer

Ein Tipp an dieser Stelle für die Planer von Stadt und Lidl: „Man muss“, wusste der lebenskluge Humphrey Bogart, „dem Leben immer um einen Whisky voraus sein.“ Oder, wie die galgenhumorigen Walheimer wissen: Gemeinderäte können äußerst amüsant sein – vor allem nach dem dritten Glas. Die Räte auf dem Land lehnen eine Lärmschutzwand entlang der Bahngleise ab. Und das, obwohl die Bahn die Kosten übernehmen und dafür Sorge tragen würde, dass die Wand halbwegs ansehnlich aussieht. Aber nein, die Walheimer Räte wollen nicht. Weil sie keine Teilung ihres Ortes wollen. Und weil bei einer Umfrage die Mehrheit der Bürger mit Nein gestimmt hat. Dass sich an der Umfrage nur 69 Bürger beteiligt hatten – geschenkt. Jetzt soll ein Bürgerentscheid Klarheit bringen. Den organisieren jene Walheimer, die es mit dem Wörtchen repräsentativ etwas genauer nehmen.

Wer Sorgen hat, hat auch Likör

Apropos: Wie genau der berühmt-berüchtigte Gotthard-Raser aus Ditzingen feiert, dass er sich ungeschoren wie die Axt auf der Straße benehmen darf, entzieht sich der öffentlichen Wahrnehmung. Was aber genau den VVS dazu bewogen hat, sich am Sonntag nicht auf der Mobilitätsmesse in Ditzingen zu präsentieren, das ist so klar wie Traubensaft: Keiner vom VVS hatte Lust, ewig in überfüllten Bahnen zu stecken und dann erst recht zu spät zu kommen. Ach ja, wie reimte schon Wilhelm Busch: Es ist ein Brauch von Alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör.

Vielleicht findet die deutsche Staatsanwaltschaft doch noch die richtigen Argumente, um den Raser aus Ditzingen mit Karacho in den Bau einfahren zu lassen. Darauf könnte sie dann mit ihren schweizer Kollegen anstoßen. Aber so richtig. Manchmal muss es eben Mumm sein.




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